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14.08.2013

11:02 Uhr

Halbjahreszahlen

Solarworld setzt auf das Ausland

VonDana Heide

Der knapp vor der Insolvenz bewahrte Solarkonzern Solarworld bestätigt den im Juli verkündeten reduzierten Verlust im ersten Halbjahr. Die Zahlen zeigen: Die Firma kehrt dem deutschen Markt immer mehr den Rücken zu.

„Die Lage bleibt vorerst schwierig“: Solarworld-Chef Frank Asbeck bei der ersten Gläubigerversammlung am 5. August in Bonn, bei der für den Schuldenschnitt gestimmt wurde. dpa

„Die Lage bleibt vorerst schwierig“: Solarworld-Chef Frank Asbeck bei der ersten Gläubigerversammlung am 5. August in Bonn, bei der für den Schuldenschnitt gestimmt wurde.

DüsseldorfFrank Asbeck hat offenbar wieder Grund, zu feiern. Laut Medienberichten hatte der Chef des Bonner Solarunternehmens Solarworld am Sonntag auf seinem Schloss in Remagen Besuch von der Polizei – wegen einem zu lauten Fest. Anlass war der Geburtstag des 54-Jährigen, die Halbjahreszahlen von Solarworld jedenfalls bieten keinen Grund für soviel Freude.

Das angeschlagene Unternehmen bestätigte am Mittwoch die bereits im Juli vorab verkündeten Ergebnisse für das erste Halbjahr. Demnach sanken die Konzernerlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 41 Prozent auf 201 Millionen Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern verringerte sich auf 69 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Minus noch bei 144 Millionen Euro.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Dass der stark verschuldete Solarkonzern noch nicht Insolvenz anmelden musste, verdankt er seinen Gläubigern. Die hatten Anfang August einem drastischen Schuldenschnitt zugestimmt und das Unternehmen so vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt.

Der Absatz von Solarmodulen ging im abgelaufenen Halbjahr um ein Drittel zurück. Vor allem in Deutschland verkaufte das Unternehmen viel weniger Produkte. Der Absatzrückgang von 61 Prozent entspricht nahezu dem allgemeinen Marktrückgang für Solaranlagen in Deutschland.

Als Reaktion auf die schwierige Lage in Deutschland entfernt sich Solarworld immer weiter von seinem Heimatmarkt. Erwirtschaftete das Bonner Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 noch 51,1 Prozent des Umsatzes im Ausland, waren es in den vergangenen sechs Monaten bereits 75,3 Prozent.

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Asbeck machte wenig Hoffnung auf Verbesserung der Situation. „Die Lage bleibt vorerst schwierig“, teilte er in einem Brief an die Investoren mit. Bei der Sanierung helfen sollen nun erst einmal neben dem 55-prozentigen Schuldenschnitt weitere Finanzspritzen helfen. So will Asbeck aus seinem privaten Vermögen für rund zehn Millionen Euro Aktien nachkaufen. Zudem will ein Großinvestor aus Katar mit 35 Millionen Euro einsteigen und ein Darlehen in Höhe von 50 Millionen Euro geben.

Neuanfang für Solarworld

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Kommentare (15)

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Schwan

14.08.2013, 12:15 Uhr

Ich finde Herrn Asbeck und Solarworld super! Ein mutiger Mann in einer schwierigen Zeit! Ihn kann man nicht verantwortlich machen für eine fehlerhafte EU-Politik! Ich finde auch, Leistung muss sich lohnen- ich habe nichts an seinem Lebensstil und der Unternehmensführung auszusetzen- im Gegenteil. Weiter so, Herr Asbeck!!!

SoliSolar

14.08.2013, 12:37 Uhr

Ich finde Herrn Asbeck nicht super. Ich finde Herr Asbeck ist ein dicker, arroganter Schnösel der sich jahrelang
fleißig am Subventionstopf gelabt hat. Was er sonst noch kann außer Subventionen zu bekommen? Hmm, vielleicht Aktionäre abzocken, aber sonst...mir fällt wirklich nix ein..

solarSCHLECKER

14.08.2013, 12:38 Uhr

solange der nichtskönner,taschenspieler und kapitalanlegertäuscher asbeck dem unternehmen vorsteht wird sich an der abwärtsentwicklung des unternehmens nichts ändern

ein aufgeblasener narziß macht noch lange sommer unddenn schwarze zahlen für sein unternehmen erreicht er nie.

da kann er noch soviel millionen für unternehmens- und finanzberater raustun privat ums goldne kalb tanzen

asbecks kapitalschnitt ist wegen sondervorteilen für sich selbst und täuschung der aktionäre ,150 liquide mittel stehen danach immer noch zur verfügung, nicht gerichtsfest

da kann der aufgeblasene opel- und boschsolar retter noch soviel vorab feiern.

eine windmaschine ohne ertrag und pic

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