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21.01.2016

14:18 Uhr

Handelsblatt-Energietagung

Hochspannung im Stromnetz

VonFranz Hubik

Wegen den witterungsbedingten Schwankungen von Solar- und Windkraft müssen die Stromnetzbetreiber immer häufiger eingreifen. So werden Engpässe und Überlastungen unterbunden. Die Rechnung dafür zahlen die Verbraucher.

„Die dezentrale Einspeisung geht in diesen Wochen gegen null.“ dapd

Arbeiter am Strommast

„Die dezentrale Einspeisung geht in diesen Wochen gegen null.“

Berlin Um das Dilemma der Energiewende darzustellen, genügt Peter Franke ein einfaches Schaubild. Auf dem Chart sind zwei Kurven zu sehen. Die eine bildet den Stromverbrauch in Deutschland ab, die andere die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien. In keiner Zeit des Jahres klaffen die beiden Linien weiter auseinander als Ende Januar, Anfang Februar.

Für den Vizechef der Bundesnetzagentur sind die nächsten zwei Kalenderwochen daher „besonders kritisch“ und arbeitsreich. „Es gibt keine nennenswerte Photovoltaik-Erzeugung in dieser Jahreszeit“, sagte Franke am Donnerstag auf der Handelsblatt-Energietagung in Berlin. Gleichzeitig könne auch die Stromproduktion durch Windkraft quasi zum Erliegen kommen. „Wir sehen, dass die dezentrale Einspeisung in diesen Wochen gegen null geht“.

Handelsblatt-Energietagung : „Die Energiewende ist längst geschafft“

Handelsblatt-Energietagung

„Die Energiewende ist längst geschafft“

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wähnt die Umstellung des Energiemarkts – weg von Atom und Kohle, hin zu Solar und Wind – auf gutem Weg. Volkswirtschaftliche Experimente lehnt er ab. Dennoch treibt ihn eine Sorge.

Die Folge dieser Entwicklung: Um den witterungsbedingten Totalausfall von Solar- und Windenergie zu kompensieren, werden im ganzen Land Kohle- und Gaskraftwerke hochgefahren. Im Rest des Jahres zeigt sich meist das umgekehrte Bild: Weil die erneuerbaren Energien das Stromnetz fluten, werden im Gegenzug fossile Kraftwerke reihenweise abgeriegelt.

Beide Maßnahmen sind nötig, um das Stromnetz vor dem Kollaps zu bewahren. Und beide kosten viel Geld. So musste beispielsweise alleine der Netzbetreiber Tennet im vergangenen Jahr 700 Millionen Euro für Eingriffe ausgeben, die das Netz vor Engpässen oder Überlastungen schützen. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 300 Millionen Euro.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel befürchtet, dass die sogenannten „Redispatch“-Kosten in diesem Jahr auf etwa eineinhalb Milliarden Euro ansteigen könnten. Die Rechnung dafür Zahlen die Verbraucher durch die Netzumlage. Der sozialdemokratische Vizekanzler äußerte deshalb diese Woche die Sorge, dass die Netzumlage und die Netznutzungsgebühren zum neuen „Preistreiber“ im Strommarkt werden.

Unbegründet ist Gabriels Befürchtung nicht. Tennet-Deutschland-Chef Urban Keussen kündigte auf der Handelsblatt-Energietagung schon einmal vorsorglich an: „Die Netzentgelte werden steigen.“ Der Grund: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien und des Netzes klafft immer dramatischer auseinander“, sagte Keussen. Während der Zubau von Solar- und Windenergie sowie Biomasse und Wasserkraft rasant voranschreitet – bereits ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms ist grün – hält der Netzausbau nicht Schritt. Um den Rückstand aufzuholen, sind milliardenschwere Investitionen nötig.

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