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13.09.2016

17:02 Uhr

Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien

Wenn für den Ökowandel das nötige Geld fehlt

VonFranz Hubik

Eon, RWE und hunderte Stadtwerke in ganz Deutschland – sie alle haben den Vormarsch von Sonnen- und Windenergie völlig verschlafen. Nun geloben die Firmen den grünen Umbau. Doch dafür fehlt ihnen vielfach Kapital.

Markus Hakes, Geschäftsführer Trianel Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG, spricht sich für Kooperationen der Stadtwerke aus. EUROFORUM, Dietmar Gust

Handelsblatt-Jahrestagung „Erneuerbare Energien 2016”

Markus Hakes, Geschäftsführer Trianel Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG, spricht sich für Kooperationen der Stadtwerke aus.

BerlinStockkonservativ, selbstverliebt und oft unfähig zur Selbstkritik: Noch vor ein paar Jahren war die heimische Energiewirtschaft geprägt von einer Sippe eigenbrötlerischer, teils präpotenter Manager. Ihre Arroganz gedeihte in einem oligopolistischen Biotop ohne Wettbewerber und garantiert hoher Margen. Doch die Energiewende zertrümmert diese alte Elektrizitätswelt. Und damit ändert sich langsam auch der Managertypus in der Branche.

„Wir sind geläutert und deutlich bescheidener geworden“, sagte Anja-Isabel Dotzenrath am Dienstag am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien. Dotzenrath verantwortet bei Deutschlands größtem Energieversorger Eon das operative Geschäft mit Solar- und Windenergieanlagen. Privat fährt sie elektrisch und im Ton gibt sie sich zurückhaltend und selbstkritisch. 

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Die Bundesnetzagentur will die Renditen der Betreiber von Strom- und Gasnetzen drücken. Die Energieriesen Eon, RWE, aber auch kleinere Anbieter wie hunderte Stadtwerke fürchten Gewinneinbußen – und protestieren.

„Sind wir die Schlange oder das Vögelchen in der neuen Energiewelt“, fragte Dotzenrath bei dem Branchentreff in Berlin. Ihre Antwort: Sie weiß nicht. „Das Rennen ist noch nicht gemacht“, so Dotzenrath. Klar ist aber: Die Veränderungen im Stromsektor sind derart tiefgreifend, dass für viele Unternehmen ein radikaler Wandel vonnöten ist, um zu überleben.

Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben den Vormarsch der erneuerbaren Energien völlig verschlafen. Die Bilanzen der vier großen Energieversorger gleichen Schlachtfeldern – die markante Farbe ist rot. Verluste, Abschreibungen und hohe Schulden gefährden ihre Existenz. 

Am Montag hat Eon das alte Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken abgespalten und unter dem Namen Uniper an die Börse gebracht. „Eon ist ein Unternehmen“, versichert Dotzenrath, das sich jetzt „voll auf die neue Energiewelt fokussiert“. Doch die Reise ins grüne Schlaraffenland hat für den Energieriesen gerade erst begonnen. Und es fehlt überall an Geld, um dabei zu einem wahren Vorreiter zu werden.

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Der neue Energiekonzern Uniper, in den Eon die Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hat, hat sein Debüt gegeben. Das junge Unternehmen steht vom Start weg unter Druck, doch es hätte noch schlimmer kommen können.

Zu allem Überfluss will die Bundesnetzagentur jetzt die Renditen der Konzerne in jener Sparte deckeln, die bisher die sichersten Einnahmen für die Versorger versprach: den Strom- und Gasnetzen. Für die Nutzung ihrer Leitungen sollen die Konzerne künftig für ihr Eigenkapital nur noch einen Zinssatz von 6,91 Prozent bei neuen Anlagen und 5,12 Prozent bei alten Anlagen in Rechnung stellen dürfen. Bisher waren es 9,05 Prozent für Neuanlagen und 7,14 Prozent für Altanlagen.

Besiegelt die Netzbehörde ihre Pläne würden nicht nur den großen Energieversorgern erhebliche Einnahmen wegbrechen – auch hunderte Stadtwerke und kommunalen Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland wären betroffen. In der Öffentlichkeit steht zwar meist die Misere der großen Energiekonzerne im Fokus, aber auch die vielen kleinen, kommunalen Versorger werden „von der Energiewende überrollt“, sagte Michael Salcher, Energieexperte bei der Unternehmensberatung KPMG.

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