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06.05.2014

14:19 Uhr

Harter Preiskampf

Zukauf rettet Solarworlds Quartalsbilanz

Solarworld schreibt schwarze Zahlen. Noch scheint der Erfolg vergänglich, er resultiert aus der Übernahme der Bosch-Solarsparte und macht den Preiskampf der Branche nicht wett. Doch Europas Marktführer sieht Chancen.

Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG, im Sonnenschein. Die Quartalszahlen des Unternehmens verbreiten wenig sonnigen Stimmung. dpa

Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG, im Sonnenschein. Die Quartalszahlen des Unternehmens verbreiten wenig sonnigen Stimmung.

DüsseldorfSolarworld hat dank der vom Industriekonzern Bosch gezahlten Mitgift für deren Erfurter Solarwerk erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn verbucht. Bereinigt um Sondereffekte fiel im ersten Quartal allerdings operativ ein Verlust (Ebit) an, wie der Bonner Konzern am Dienstag mitteilte. Zudem sorgte der anhaltende Preisdruck bei Solarmodulen trotz kräftig gestiegener Absatzmengen für Umsatzeinbußen. An der Börse gerieten die Aktien unter Druck und notierten mit 28,34 Euro knapp sechs Prozent im Minus.

Europas größter Solarkonzern steigerte im ersten Quartal den Absatz um 41 Prozent auf 154 Megawatt (MW), während die Erlöse um rund zehn Prozent auf 99,4 Millionen Euro sanken. Das Ebit schnellte auf 127,4 Millionen Euro in die Höhe nach einem Minus von 32,3 Millionen vor Jahresfrist. Bereinigt um Sondereffekte aus der Übernahme der Bosch-Tochter verbuchte Solarworld einen Fehlbetrag von 8,2 Millionen Euro.

Um das Unternehmen vor der Pleite zu retten, verzichteten Solarworld-Gläubiger auf große Teile ihrer Forderungen. Damit erwirtschaftete der Konzern einen bilanziellen Sanierungsgewinn von 555,7 Millionen Euro, der im ersten Quartal einen Überschuss von 550,1 (Vorjahr: minus 44,1) Millionen Euro erbrachte.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Für das Gesamtjahr peilt Solarworld nach früheren Angaben einen Umsatz von mehr als 680 (Vorjahr: 455,8) Millionen Euro an. Operativ rechnet Konzernchef Frank Asbeck in diesem Jahr nochmals mit einem Verlust von 35 bis 20 Millionen Euro nach 431,6 Millionen im vergangenen Jahr. 2015 soll der Umsatz um 20 Prozent steigen und auch operativ schwarze Zahlen geschrieben werden.

Asbeck musste 2013 die Reißleine ziehen, nachdem sich bei dem Konzern über eine Milliarde Euro Schulden angehäuft hatten und das Grundkapital aufgezehrt war. Daneben sorgte die Konkurrenz aus Asien für einen ruinösen Preiskampf und der Absatz brach infolge der gekürzten staatlichen Fördersätze in Deutschland und anderen Ländern ein. Nach der Restrukturierung und den Kapitalmaßnahmen sitzt der Konzern noch auf Finanzschulden von rund 470 Millionen Euro.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.05.2014, 14:59 Uhr

Was schreibt Ihr da von einen Gewinn!!!?
Das operative Geschäft erwirtschaftet KEINEN GEWINN. Somit ist das Ergebnis für Solarworld NEGATIV!

Wegen der Boschübernahme konnte sich Solarworld etwas besser darstellen. Solarworld hat so zu sagen ein hochwertiges Inventar (Boschwerke) billigst eingekauft. Somit wird in der Bilanz ein Gewinn dadurch verbucht.
Diesem Bilanzellen Gewinn müsste man jedoch noch die Risiko Rückstellung (zukünftiger Arbeitsplatzverlust der Bosch Solarmitarbeiter) dagegen rechnen.
Nicht ohne Grund hat Bosch seine Werke (inkl. Mitarbeiter) so günstig an Solarworld verkauft.

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