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08.06.2017

12:13 Uhr

Hauptversammlung

Uniper-Aktionäre feiern kräftiges Kursplus

VonJürgen Flauger

Bei der ersten Hauptversammlung trifft Konzernchef Klaus Schäfer auf zufriedene Anteilseigner: Die Aktie hat 80 Prozent zugelegt. Aber bleibt Uniper auch in Zukunft eine Erfolgsgeschichte? Die Aktionäre sind skeptisch.

„Wir haben einen sehr erfreulichen Start hingelegt“, sagt Konzernchef Klaus Schäfer auf der Hauptversammlung. dpa

Uniper

„Wir haben einen sehr erfreulichen Start hingelegt“, sagt Konzernchef Klaus Schäfer auf der Hauptversammlung.

EssenFür Klaus Schäfer war es eine leichte Premiere. Zum ersten Mal empfing der Uniper-Chef die Aktionäre zur Hauptversammlung. Nur eine kleine Gruppe an Umweltaktivisten hatte sich vor der Grugahalle in Essen postiert – und im Veranstaltungssaal traf Schäfer auf überwiegend zufriedene Aktionäre.

„Seit der Erstnotiz am zwölften September 2016 kennt die Uniper-Aktie nur eine Richtung: nach oben“, hielt Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment fest: „Uniper hat es den Kritikern und Skeptikern gezeigt und der ambitionierten Namensschöpfung alle Ehre gemacht: Unique Performance statt Resterampe!“ Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem „gelungenen Börsengang“ und einer „sehr erfreulichen Kursentwicklung“.

Tatsächlich spricht die Kursentwicklung für sich. Am 12. September, als der Eon-Konzern seinen Anteilseignern 53,35 Prozent der Uniper-Aktien ins Depot gebucht hatte, startete der neue Titel bei einem Kurs von knapp über zehn Euro. Aktuell notiert er bei rund 18 Euro – hat also einen Gewinn von satten 80 Prozent verbucht.

„Wir haben einen sehr erfreulichen Start hingelegt“, sagte Schäfer: „Wenn man den Kursverlauf der Uniper-Aktie betrachtet, scheinen wir manches richtig gemacht und an vielen Stellen überzeugt zu haben. Seit der Erstnotiz ist Uniper eine der erfolgreichsten Aktien im Energiesektor.“ Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg sprach von einer „Erfolgsgeschichte“.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Tatsächlich schwingt bei Management und Aktionären viel Erleichterung mit. Als Eon-Chef Johannes Teyssen Ende 2014 die Aufspaltung des Energiekonzerns bekanntgab, schlug dem neuen Unternehmen, das gegründet werden sollte, viel Skepsis entgegen. Während sich Eon auf die Energiewende konzentrierte, übernahm die Uniper SE, die Anfang 2016 operativ an den Start ging, das alte, notleidende Geschäft: Die Kohle- und Gaskraftwerke, die zunehmend von Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt werden. Ergänzt wird das Portfolio durch den Großhandel und Aktivitäten in Russland. Uniper wurde schnell als „Resterampe“ gebrandmarkt.

Bei aller Freude über den erfolgreichen Start schlägt Schäfer deshalb auch weiter Skepsis entgegen: Die Anleger sorgen sich um die dauerhafte Ertragskraft des Unternehmens. „Ob Uniper auch langfristig als Wachstumswert einzustufen ist, bleibt abzuwarten“, betonte Winfried Mathes vom Asset Manager Deka Investment. Die klassische zentralisierte Stromerzeugung, wie Uniper sie betreibe, sei das „Auslaufmodell der neuen Energiewelt“, sagte Union-Investment-Vertreter Deser. Und die Aktionäre fragen sich, ob Uniper überhaupt noch lange selbstständig bleiben wird: „Ist der Verkauf von Teilen von Uniper oder eine Zerschlagung denkbar?“, fragte Deser: „Könnte die erste Hauptversammlung von Uniper schon die letzte sein?“

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