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29.09.2016

20:37 Uhr

Hinkley Point C

Großbritannien und EDF unterzeichnen AKW-Vertrag

„Hinkley Point C“ – so heißt das neue Atomkraftwerk, das nach Verhandlungen zwischen Großbritannien und dem französischen Stromkonzern EDF nun gebaut wird. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Milliardeninvestition.

Das neue Atomkraftwerk wird an der Westküste Englands gebaut. Rund 21,5 Milliarden Euro soll das Projekt kosten. dpa

Atomkraftwerk

Das neue Atomkraftwerk wird an der Westküste Englands gebaut. Rund 21,5 Milliarden Euro soll das Projekt kosten.

LondonNach jahrelangen Verhandlungen haben Großbritannien und der französische Stromkonzern EDF einen Vertrag zum Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point C unterschrieben. Es handelt sich um den ersten Bau eines Atommeilers in Großbritanniens seit Jahrzehnten. Minister beider Länder sowie aus China nahmen an der Zeremonie am Donnerstag in London teil. Auch ein chinesisches Unternehmen ist an dem 18 Milliarden Pfund (20,9 Milliarden Euro) teuren Projekt beteiligt.

Die britische Regierung hatte dem Projekt erst kürzlich zugestimmt. Energieminister Greg Clark meinte, Hinkley Point sei ein wichtiger Schritt zur künftigen Energieversorgung mit geringer CO2-Belastung.

Der EDF-Verwaltungsrat hatte kürzlich Bedingungen der britischen Regierung akzeptiert. So soll der Konzern seine Kontrollbeteiligung an dem Kraftwerk vor der Fertigstellung nicht ohne Zustimmung der Londoner Regierung verkaufen können.

Die deutschen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten

Schrittweiser Automausstieg

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 nahm die Bundesregierung ihre erst ein Jahr zuvor vereinbarte Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke zurück und beschloss einen schrittweisen Atomausstieg. Statt frühestens 2036 soll nun der letzte Meiler bis 2022 vom Netz gehen. Acht AKW wurden 2011 sofort stillgelegt.

Rückbau

Der Rückbau wird Jahre dauern und Milliarden kosten - hinzu kommen die ungewissen Kosten bei der Endlagerung des Atommülls. Die Restlaufzeiten der noch in Betrieb befindlichen Reaktoren:

Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1395

Restlaufzeit: fünf Jahre (1989 - 2022)

Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1458

Restlaufzeit: zwei Jahre (1984 - 2019)

Isar II (Bayern)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1475

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Gundremmingen B (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: bis Ende des Jahres (1984 - 2017)

Gundremmingen C (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Grohnde (Niedersachsen)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1360

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Emsland (Niedersachsen)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1400

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Brokdorf (Schleswig-Holstein)

Haupteigentümer: Eon/Vattenfall

Nennleistung in Megawatt: 1440

Restlaufzeit: vier Jahre (1986 - 2021)

EDF hatte den Deal bereits im Juli nach langen Diskussionen abgesegnet, die britische Regierung hatte das Projekt daraufhin aber überraschend nochmals überprüft. Mitte September gab sie grünes Licht, stellte aber Bedingungen. So soll EDF seine Kontrollbeteiligung an dem Kraftwerk vor der Fertigstellung nicht ohne Zustimmung der Regierung verkaufen können.

Das Projekt mit zwei Reaktoren vom Typ EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) an der Westküste Englands soll nach früheren Angaben rund 21,5 Milliarden Euro kosten, rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) schultern. Im März war der EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Milliardeninvestition stemmen kann.

Von

dpa

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