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10.11.2016

13:36 Uhr

Hohe Kosten

Atomdeal macht EnBW zu schaffen

VonJürgen Flauger

Über Jahrzehnte hat Energie Baden-Württemberg (EnBW) gut an der Atomenergie verdient. Jetzt wird der Ausstieg zur großen Belastung. Der Energiekonzern ist schon in den roten Zahlen – und rechnet mit weiteren Verlusten.

Atomstrom machte jahrzehntelang den größten Teil des Geschäfts von Energie Baden-Württemberg (EnBW) aus. Der Rückbau der Kraftwerke und die Entsorgung des Atommülls sind jetzt teuer. dpa

EnBW-Kernkraftwerk Philippsburg

Atomstrom machte jahrzehntelang den größten Teil des Geschäfts von Energie Baden-Württemberg (EnBW) aus. Der Rückbau der Kraftwerke und die Entsorgung des Atommülls sind jetzt teuer.

DüsseldorfIst die geplante Neuregelung des Atomausstiegs nun eine „historische Chance”? Oder eine „starke finanzielle Belastung”? Für Thomas Kusterer, den Finanzvorstand der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ist das geplante Gesetz, mit dem die Regierung die Verantwortung für die Entsorgung des Atommülls neu regeln will, schlichtweg beides. „Das wäre ein entscheidender Schritt für den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie, der für alle Beteiligten Handlungs- und Planungssicherheit schafft”, sagte Kusterer am Donnerstag bei der Vorlage des Zwischenberichts für die ersten neun Monate des Jahres.

Das gesellschaftspolitisch umstrittene Thema Atomenergie werde endlich nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Und das ist nach Kusterers Worten gut für die EnBW, die jahrzehntelang als Atomkonzern bezeichnet wurde – und jetzt endlich an der Energiewende teilhaben will.

Die deutschen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten

Schrittweiser Automausstieg

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 nahm die Bundesregierung ihre erst ein Jahr zuvor vereinbarte Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke zurück und beschloss einen schrittweisen Atomausstieg. Statt frühestens 2036 soll nun der letzte Meiler bis 2022 vom Netz gehen. Acht AKW wurden 2011 sofort stillgelegt.

Rückbau

Der Rückbau wird Jahre dauern und Milliarden kosten - hinzu kommen die ungewissen Kosten bei der Endlagerung des Atommülls. Die Restlaufzeiten der noch in Betrieb befindlichen Reaktoren:

Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1395

Restlaufzeit: fünf Jahre (1989 - 2022)

Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1458

Restlaufzeit: zwei Jahre (1984 - 2019)

Isar II (Bayern)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1475

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Gundremmingen B (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: bis Ende des Jahres (1984 - 2017)

Gundremmingen C (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Grohnde (Niedersachsen)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1360

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Emsland (Niedersachsen)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1400

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Brokdorf (Schleswig-Holstein)

Haupteigentümer: Eon/Vattenfall

Nennleistung in Megawatt: 1440

Restlaufzeit: vier Jahre (1986 - 2021)

Das ist aber nur die eine, die positive Seite. Das geplante Gesetz bringe die EnBW auch „finanziell an den Rande des Möglichen”, stellte Kusterer gleichzeitig fest: Er rechnet schon für dieses Jahr mit einem Anstieg der Verschuldung und einem „deutlich negativen Jahresergebnis”.

Die Bundesregierung hatte vor kurzem einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der die Verantwortlichkeiten beim Atomausstieg neu regeln soll. Die Atomkonzerne – neben EnBW sind das RWE, Eon und Vattenfall – sollen auch künftig für den Rückbau der Reaktoren zuständig sein. Die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls soll aber auf einen öffentlich-rechtlichen Fonds übergehen. Die Bundesregierung will damit den geordneten Atomausstieg auch langfristig sicherstellen. Selbst wenn einer der Atomkonzerne Pleite gehen sollte – ein inzwischen nicht mehr utopisches Szenario.

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Die Bundesregierung hat sich auf die Regeln für die Aufteilung der Entsorgungskosten geeinigt. Ein Gesetzentwurf soll nächste Woche ins Kabinett. Die Zeit drängt.

Die Atomkonzerne wiederum entledigen sich eines enormen Risikos, das auf den Aktienkursen lastete. Während die Kosten des AKW-Rückbaus gut zu kalkulieren ist, sind die Kosten für die Müll-Entsorgung noch äußerst unsicher. Deshalb sollen die Konzerne auch nicht nur die dafür gebildeten Rückstellungen in den Fonds einbringen, sondern auch einen Risikozuschlag von 35 Prozent.

Für die EnBW wären damit 4,7 Milliarden Euro fällig. Kusterer rechnet noch in diesen Jahr mit der Umsetzung und entsprechend mit einer Belastung für die Bilanz. Die Schulden würden sich um 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro erhöhen und auch das Ergebnis werde deutlich belastet.

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