Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2012

14:38 Uhr

Hohe Überkapazitäten

In der Stahlindustrie sind 100.000 Stellen in Gefahr

Vor dem Hintergrund der massiven Überkapazitäten beim Stahl drängt der Präsident des europäischen Branchenverbands Wolfgang Eder auf tiefe Einschnitte. Er sieht in Europa tausende Arbeitsplätze in Gefahr.

Nach Einschätzung des Branchenexperten Wolfgang Eder sind in der Stahlbrache Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. dpa

Nach Einschätzung des Branchenexperten Wolfgang Eder sind in der Stahlbrache Tausende Arbeitsplätze in Gefahr.

Duisburg/LinzIn der europäischen Stahlindustrie könnten durch den Abbau von Überkapazitäten in den nächsten Jahren bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Schätzungen gingen davon aus, dass im Zuge einer Anpassung der Kapazitäten an den langfristigen Bedarf von den europaweit rund 400.000 Arbeitsplätzen der Branche „20 bis 25 Prozent“ gestrichen werden müssten, sagte der Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer und Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder, im Gespräch mit der dpa.

„Um Angebot und Nachfrage in Europa wieder in die Balance zu bringen, wird es notwendig sein, Kapazitäten in erheblichem Umfang aus dem Markt zu nehmen“, sagte Eder. Hintergrund sei eine Auslastung der Branche in Europa von derzeit lediglich „70 bis 75 Prozent“. Bei einer Rohstahlkapazität von rund 210 Millionen Tonnen liege der Verbrauch 2012 lediglich bei „140 bis 145“ Millionen Tonnen.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

„Solange diese Kapazitäten verfügbar sind und in den Markt drücken, wird es schwierig, eine grundlegende strukturelle Erholung der europäischen Stahlindustrie zu erreichen“, sagte Eder. Auch in Zeiten einer besseren Konjunktur sei realistischer Weise ein Bedarf von lediglich „150 bis 160 Millionen Tonnen“ an Stahlprodukten in Europa zu erwarten. „Die Fakten sprechen eine sehr deutliche Sprache“, sagte Eder.

Das Problem sei inzwischen „allgemein akzeptiert“, zeigte sich der Eurofer-Chef überzeugt. „Es geht darum, die Dinge nicht über 15-20 Jahre schleppen zu lassen, sondern in den nächsten drei, vier oder fünf Jahren zu versuchen, eine entsprechende Anpassung der Kapazitäten herbeizuführen.“

Jedes Unternehmen der Branche müsse den Beschluss über die Schließung von Standorten selbst treffen. Der Politik komme dabei keine Rolle zu. Man müsse jedoch überlegen, für die Abfederung von sozialen Härten an die betroffenen Staaten oder an die EU heranzutreten.

Weltstahlverband: Stahlkocher korrigieren Prognose nach unten

Weltstahlverband

Stahlkocher korrigieren Prognose nach unten

Für 2013 erwartet die Branche ein Absatzplus. Es hätte aber größer ausfallen können.

Für das von ihm geführte Unternehmen sehe er derzeit jedoch „keinen Ansatzpunkt über Schließungsmaßnahmen nachzudenken, so der Voestalpine-Chef. Zu möglichen regionalen Schwerpunkten von Standortschließungen wollte sich Eder nicht äußern.

Im Bereich der Schienenproduktion hatte der österreichische Konzern dagegen bereits im Frühjahr die Schließung seines Standorts in Duisburg angekündigt. Nach Abarbeitung der laufenden Aufträge werde die Produktion voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres eingestellt, sagte Eder. Möglichst noch in diesem Jahr wolle man bei den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft über einen Sozialplan für die derzeit noch 350 Beschäftigten zu einem Ergebnis kommen.

Von

dpa

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Vicario

18.11.2012, 16:56 Uhr

Weniger Autos, ( Absatz fehlt wegen Kaufkraftverlust, ist doch logisch..) weniger Stahl, weniger Chemierzeugnisse, weniger Elektroerzeugnisse, weniger.....

Dafür mehr Windräder zur landschaftsverschandelung, mehr Fhotovoltaik auf den Äckern und Dächern, mehr Raps und Chemieroggen auf den Äckern für Biosprit, mehr Kraftwerke mit CO-Ausstoß für Energiesicherung, mehr Stromimport aus Österreich, mehr Subventionsschmarotzer auf der Tasche der Allgemeinheit,mehr......?????!!!!!

Weg mit dem Nomenklaturagesindel !

Account gelöscht!

18.11.2012, 17:19 Uhr

Und wenn die Grünen in Regierungsverantwortung kommen, egal mit wem, wird der Abbau von Industrie und somit Arbeitsplätzen noch schneller gehen

Schlesier

18.11.2012, 17:33 Uhr

margrit117888
das ist doch das Ziel der Grünen.
Die grünen Spitzenpolitiker haben doch gesagt man muß so schnell und soviel Geld wie möglich aus Deutschland rausschaffen, damit es den anderen Eu ländern besser geht.
Das deutsche dumme Volk hat nicht dazugelernt. Wie früher Lebenraum im Osten schaffen und was ist daraus geworden ?
Der Osten Deutschlands ist weg!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×