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15.05.2013

14:46 Uhr

Hoher Quartalsverlust

Thyssen-Krupp streicht jeden fünften Verwaltungsjob

Bei Thyssen-Krupp fallen 3000 Jobs in der Verwaltung fallen weg. Auf das Amerika-Geschäft schreibt der Konzern weitere Millionen ab. Um an frisches Geld zu kommen, schließt das Unternehmen eine Kapitalerhöhung nicht aus.

Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen: Vor allem in der Verwaltung will das Unternehmen Stellen abbauen. dpa

Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen: Vor allem in der Verwaltung will das Unternehmen Stellen abbauen.

EssenDer angeschlagene Thyssen-Krupp-Konzern hat nach erneuten Abschreibungen auf seine Stahlwerke in Übersee tiefrote Zahlen geschrieben und ein hartes Sparprogramm in der Konzernverwaltung angekündigt. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13 (per Ende September) betrage der Verlust nach Anteilen Dritter 656 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Nach den bisherigen Verkaufsgesprächen seien für die Werke in Brasilien und den USA Abschreibungen in Höhe von 683 Millionen Euro fällig geworden. Die Werke sollten „zeitnah“ verkauft werden, bekräftigte der Konzern.

Die Kosten für die Stahlwerke waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert. Schon mehrfach hatte Thyssen-Krupp hohe Abschreibungen vornehmen müssen. Diese trugen im vergangenen Geschäftsjahr maßgeblich zum Verlust von fünf Milliarden Euro bei. Thyssen-Krupp beziffert den Buchwert der Werke nun auf nur noch 3,4 Milliarden Euro, wie aus einer Präsentation hervorging.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Die exakte Zahl für die Abschreibungen war für Beobachter des Unternehmens zunächst eine gute Nachricht. „Die krumme Zahl von 683 Millionen Euro deutet darauf hin, dass ein Deal unmittelbar bevorsteht“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Außerdem hätten viele Anleger mit Abschreibungen im Volumen von rund einer Milliarde Euro gerechnet.

Nach Äußerungen von Konzernchef Heinrich Hiesinger drehte die Aktien allerdings ins Minus und notiert zwei Prozent schwächer. Denn Thyssen-Krupp hält eine Kapitalerhöhung für möglich. Der Konzern könne heute einen solchen Schritt für die nächsten sechs bis neun Monate nicht völlig ausschließen, sagte Hiesinger auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Das Management werde eine Entscheidung in dieser Frage treffen, wenn der Verkauf von Steel Americas unterzeichnet sei.

Sollte Thyssen-Krupp zu einer Kapitalerhöhung greifen müssen, würde der Konzern aller Voraussicht nach seinen Übernahmeschutz durch die Krupp-Stiftung verlieren. Sie hat eine Sperrminorität von gut 25 Prozent. Es ist kein Geheimnis, dass die Finanzdecke der Stiftung kaum reicht, um bei der Ausgabe neuer Aktien mitziehen zu können.

Kommentare (3)

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Shareholder

15.05.2013, 08:11 Uhr

Minusrunden im Vorstand wären wohl ein gutes Mittel, den Vorstand am Misserfolg zu beteiligen.

Die Höhe der Jahreseinkünfte könnte auf die Dauer von 4 Jahren auf max. 500.000 Euro inkl. Pensionszusagen gedeckelt werden.

Weiterhin sollte geprüft werden, ob und wie der Aufsichtsrat haftbar ist.

Die Selbstbedienungsmentalität, oftmals hervorgerufen durch enge Verflechtungen (Filz) zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, führen zu Verwerfungen bei der Bezahlung vermeintlicher TOP-Manager.

Man kann aber nicht von TOP-Managern sprechen, wenn diese Schäden in Höhe von mehr als einer 1/2 Milliarde Euro verursachen. Da ist auch kein verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld der Shareholder erkennbar!

Diese Unternehmensleitung inkl. Aufsichtsorgan haben nicht nur ihre Unternehmensziele verfehlt, sondern sie haben versagt!

cosmoB

15.05.2013, 08:40 Uhr

1/2 Milliarde wäre ja schön. Der Schaden den unfähige Manager bei Thyssen in den letzten Jahren angerichtet haben ist wohl eher 10 Milliarden Euro. Keine Dividende letztes Jahr, der Aktienkurs dümpelt trotz DAX-Rekordstand vor sich hin und nun müssen für die Fehlleistungen die Mitarbeiter hinhalten. Leider gibt es n Deutschland extrem viele Nieten in den Vorständen, Firmen wie Daimler würden schon längst Fehlbeträge schreiben, da die Modellpolitik komplett am nichtchinesischen Markt vorbeigeht. Nur der temporäre Boom im fernen Osten garantiert hier Gewinne. Es gehören gute Queerdenker in die Spitzenpositionen und kein "Old Boys Network" welches sich aus Salem und vom Golfen kennt.

Joker1

15.05.2013, 14:17 Uhr

Ier das gleiche Lied,
für die Fehler der überbezahlten Vorstände und Ausichts-
räte müssen die Angestellten und Arbeiter bluten.
Die Drecksäcke haben nichts drauf, holen Mc Kinsey und
und zahlen wahrscheinleich noch mind. € 10.000 pro ein-
gespartem Arbeitsplatz.
Sollten mal über ihre Fehler nachdenken und persönliche
Konsequenzen ziehen.
Man sollte solchen Verbrechern Handgranaten anal einführen.

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