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27.07.2017

17:41 Uhr

Hybrid-Mercedes für den Ölboss

Shell-Chef will Elektro fahren – zumindest ein bisschen

Ben Van Beurden führt den größten börsennotierten Ölkonzern Europas und will bei der Fahrzeugwahl jetzt ein Zeichen setzen. Doch Mercedes scheint nicht ganz so weit zu sein wie der Shell-Chef.

Der Shell-Chef trennt sich von seinem Diesel-Auto. AP

Ben van Beurden

Der Shell-Chef trennt sich von seinem Diesel-Auto.

Düsseldorf/LondonWenn der Chef der größten börsennotierten Ölgesellschaft sagt, sein nächstes Auto solle einen Elektromotor haben, sagt das einiges über die Zukunft fossiler Brennstoffe.

Schließlich hat Ben Van Beurden, Chef von Royal Dutch Shell, auf den heftigen Ölpreisrückgang der vergangenen Jahre mit einer 54 Milliarden Dollar schweren Übernahme der BG Group reagiert. Der Konzern setzt also darauf, dass die Nachfrage nach Erdgas anzieht auf der weltweiten Suche nach saubereren Brennstoffen. Jetzt sagt Van Beurden, dass er künftig ein Fahrzeug fahren möchte, dass nicht unbedingt auf Öl oder Gas angewiesen ist.

Van Beurden werde sein Dieselauto abgeben und ab September ein Plug-in-Hybridauto fahren, so ein Konzernsprecher – allerdings ein wuchtiges, etwa zwei Tonnen schweres. Seine Wahl sei auf einen Mercedes-Benz S500e gefallen. Dank eines Elektroantriebs kann der Wagen zumindest eine zweistellige Anzahl an Kilometern ganz ohne Diesel oder Benzin fahren. Shells Finanzchefin Jessica Uhl fährt bereits ein reines Elektroauto, einen BMW i3.

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Ein kleines Rätsel gibt Shell mit dieser Information allerdings auf den Weg. Denn bei Mercedes gibt es diesen Hybrid im Moment gar nicht. Die S-Klasse, das Flaggschiff der Mercedes-Produktfamilie, steckt mitten im Modellwechsel. Die alte Variante gibt es bereits nicht mehr mit dem alternativen Antrieb zu kaufen und für die neue S-Klasse mit Plug-in-Hybrid gibt es noch keinen Starttermin, wie ein Mercedes-Sprecher auf Anfrage erklärt. Immerhin so viel ist aber klar: die reine elektrische Reichweite der Hybrid-S-Klasse solle bis zu 50 Kilometer betragen. Das Vorgängermodell war im Praxistest auf unter 20 Kilometer gekommen.

„Die ganze Bewegung der Elektrifizierung der Wirtschaft, elektrische Mobilität in Gegenden wie Nordwest-Europa, den USA und sogar China ist eine gute Sache“, sagte Van Beurden in einem Interview mit Bloomberg TV. „Wir müssen zu einer höheren Marktdurchdringung von elektrischen Autos oder Wasserstoff- oder Gas-Fahrzeugen kommen, wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen.“

Großbritannien hatte diese Woche mitgeteilt, es werde den Verkauf von Diesel- und Benzinfahrzeugen ab 2040 verbieten. Zwei Wochen zuvor hatte Frankreich einen ähnlichen Plan verkündet, um die Luftverschmutzung zu reduzieren und die globale Klimaerwärmung unter zwei Grad zu halten. Autohersteller Volvo hat im Juli mitgeteilt, ab 2019 nur noch Elektro- oder Hybridfahrzeuge herzustellen.

Shell hatte am Dienstag Zahlen vorgelegt, die die Erwartungen von Branchenbeobachtern übertroffen hatten. Der Konzern hatte zuletzt die Kosten stark gesenkt, um in einer Welt mit einem Preis von 50 Dollar pro Fass Öl (Barrel) erfolgreich sein zu können. Die Firma habe sich eine „Niedriger für immer“-Einstellung zugelegt, so Van Beurden.

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„Wenn Politik und Innovationen gut funktionieren, kann ich die Spitze der Nachfrage nach flüssigen Rohstoffen Anfang der 2030er-Jahre sehen, vielleicht ein bisschen früher, wenn viele Biotreibstoffe zum Energiemix dazukommen“, so Van Beurden.

Shell will bis zu eine Milliarde Dollar pro Jahr in seine Sparte „New Energies“ investieren, da der Wandel zu mehr erneuerbaren Energiequellen und Elektroautos sich beschleunige. Der Konzern sieht Chancen für Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betrieben werden, Biotreibstoffen für die Luftfahrt, Seefahrt und Schwerlasttransporte – also Marktsegmente, in denen Batterien nicht praktikabel sind. „Wir müssen uns weiter neu erfinden“, so Van Beurden.

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