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25.09.2013

07:31 Uhr

IG-Metall-Vorstand Urban

Große Unsicherheit bei Salzgitter-Beschäftigten

ExklusivDer Aufsichtsrat des Stahlkonzerns Salzgitter berät am Donnerstag über ein umfassendes Sparprogramm. Bis zu 1500 Stellen wackeln. Der stellvertretende Chefaufseher Hans Jürgen Urban will die Sanierung aus eigener Kraft.

IG-Metall-Vorstand und stellvertretender Aufsichtsratschef bei Salzgitter: Hans-Jürgen Urban. dpa

IG-Metall-Vorstand und stellvertretender Aufsichtsratschef bei Salzgitter: Hans-Jürgen Urban.

DüsseldorfDer stellvertretende Aufsichtsratschef des Stahlherstellers Salzgitter erhofft sich von der Donnerstag anstehenden Aufsichtsratssitzung des MDax-Konzerns ein Signal zur erfolgreichen Umstrukturierung. „Über die Mitbestimmung haben wir einen breiten Konsens für den nötigen Umbau des Unternehmens gefunden. Wenn der Aufsichtsrat am Donnerstag darüber entscheidet, dann können wir mit der Optimierung der Strukturen starten,“ sagte IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban dem Handelsblatt (Mittwochausgabe)

Urban sitzt als Vertreter der Gewerkschaft im Aufsichtsrat von Salzgitter und hat das Sparprogramm mit dem Vorstand ausgehandelt. Salzgitter produziert neben Stahl auch Röhren und Maschinen. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 10,4 Milliarden Euro schrieben die Niedersachsen einen Fehlbetrag von 100 Millionen Euro. Auch für 2013 wird ein Verlust erwartet. „Salzgitter befindet sich in einem sehr schwierigen Umfeld, hat aber das Potenzial, diese Krise zu meistern“, zeigte sich Urban überzeugt. Der Konzern verfüge über hinreichende Liquidität und eine ansehnliche Eigenkapitalquote

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der Gewerkschafter wehrt sich gegen die Zahl von 1.500 Stellen, die der Vorstand als Sparziel genannt hat. „Es gibt keine absehbare oder gar vereinbarte Zahl – das ist uns wichtig“, betonte er. Im Zukunftsvertrag habe man Instrumente für die Restrukturierung vereinbart. „Diese reichen von Altersteilzeit, der Förderung des internen Arbeitsmarktes über mögliche Aufhebungsverträge bis hin zu Vereinbarungen zu betrieblichen Qualifikationsmaßnahmen. Welche Auswirkungen der Umbau auf die Personalentwicklung hat, wird dann gemeinsam festzustellen sein. Die entscheidenden Schritte werden im Jahr 2014 stattfinden“, so Urban

Die Situation bleibt aus Sicht des IG-Metall-Vorstands aber angespannt. „In der Belegschaft gibt es Zukunftsängste und große Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll“, betonte Urban. „Es ist die Aufgabe des Vorstandes, jetzt mit klaren Botschaften der Belegschaft aufzuzeigen, wie Salzgitter aus der schwierigen Situation herauskommen kann“, forderte er

Eine engere Kooperation mit Konkurrenten wie ThyssenKrupp lehnt der stellvertretende Aufsichtsratschef ab. „Wir sehen darin keine sinnvolle Perspektive. Als Vertreter der Arbeitnehmer unterstützen wir die Eigenständigkeit des Unternehmens“, sagte der IG-Metall-Vorstand. „ Ich sehe nicht, wie durch Kooperationen oder gar Fusionen die Bewältigung der anstehenden strukturellen Probleme innerhalb des Konzerns besser gelingen könnte.“

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