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20.08.2015

07:32 Uhr

Industrie-Umfrage

Kommt die Preiswende bei Rohstoffen?

VonRegine Palm

Eigentlich könnten die niedrigen Rohstoffpreise die Unternehmen freuen – wäre nicht der schwache Euro. Er hebt den Vorteil günstiger Rohstoffe zum Teil auf. Viele Manager erwarten wieder steigende Preise.

Der Konzern ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten und Europas größtes Recyclingunternehmen von Kupfer. dpa

Kupferproduktion bei Aurubis

Der Konzern ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten und Europas größtes Recyclingunternehmen von Kupfer.

DüsseldorfVon einer nachhaltigen Stabilisierung sind die internationalen Rohstoffmärkte noch weit entfernt. Angesichts der wachsenden Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in China, einem der größten Abnehmer von Grundstoffen wie Öl oder Industriemetallen, geraten die Preise immer wieder unter Druck. Viele Rohstoffe kosten so wenig wie zuletzt vor sechs Jahren.

Nach Einschätzung einiger Experten kann es aber jetzt nicht mehr viel weiter abwärts gehen. Auch viele Unternehmen sehen den diesjährigen Rückgang nur als vorübergehend an. Das zeigt die Rohstoffumfrage der Kölner Einkaufsberatung Inverto in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. 100 Unternehmen aus Europa beteiligten sich.

Preisverfall: Rohstoff-Riese Glencore schreibt rot

Preisverfall

Rohstoff-Riese Glencore schreibt rot

Weil die Preise für wichtige Rohstoffe stark gesunken sind, macht der Schweizer Konzern Glencore Verluste. Die Schweizer wollen nun Investitionen kürzen – und die Aktionäre mit einer Dividende bei Laune halten.

„Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einem Ende der Niedrigpreisphase bei Rohstoffen“, sagt Lars-Peter Häfele von Inverto. Der Umfrage zufolge erwarten immerhin gut zwei Drittel der Unternehmen einen moderaten bis starken Kostenanstieg bei Rohstoffen. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Preise wieder erholen werden, kommt von den Lieferanten. „Die akzeptierte Zeitspanne für Festpreisvereinbarungen hat sich tendenziell verkürzt“, unterstreicht Häfele.

Legt man den S&P GSCI-Rohstoffindex zugrunde, haben Rohstoffe innerhalb eines Jahres rund 40 Prozent an Wert verloren. Sie liegen damit auf Tiefständen, wie sie zuletzt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 gesehen wurden. Auf diesem Niveau erwarten Experten Reaktionen auf der Angebotsseite. Mit anderen Worten: Rohstoffproduzenten, die nicht mehr kostendeckend arbeiten, könnten ihre Produktion zurückfahren und mit einer künstlichen Verknappung zu einer Bodenbildung und anschließenden Verteuerung beitragen.

Ein neuerlicher Preisanstieg ist aber nur ein Risikofaktor für die inländischen Unternehmen. Denn Rohstoffe werden in der Regel in US-Dollar gehandelt. Durch die Abschwächung des Euros schlägt der zuletzt gesehene Preisrückgang an den Rohstoffmärkten daher nicht eins zu eins auf die Einkaufspreise durch, sondern wird tendenziell abgeschwächt. Einer der Faktoren, weshalb 65 Prozent der Teilnehmer der Umfrage einen erneuten Kostenanstieg erwarten, ist denn auch der schwache Eurokurs. 37 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Abschwächung der Gemeinschaftswährung. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr war der Euro gut 1,30 Dollar wert, zuletzt waren es nur noch 1,10 Dollar.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Wechselkurse und Rohstoffpreise beeinflussen der Studie zufolge die Unternehmen mit 60 beziehungsweise 62 Prozent nahezu gleich stark. Sie werden noch vor der konjunkturellen Unsicherheiten (48 Prozent) und einem erhöhten Wettbewerb als Faktoren genannt, die von außen auf den Geschäftserfolg einwirken.

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