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29.11.2016

22:06 Uhr

Industriegase-Hersteller

Praxair mit neuem Vorstoß zu Linde-Fusion

Ein Zusammenschluss von Linde mit dem US-Unternehmen Praxair scheint wieder greifbar: Der Linde-Vorstand prüft ein neues US-Angebot. Die Gespräche über die Megafusion waren im September überraschend geplatzt.

Linde und Praxair gehen einen neuen Versuch zum Zusammenschluss an. Reuters

Linde Group

Linde und Praxair gehen einen neuen Versuch zum Zusammenschluss an.

FrankfurtDer US-Industriegase-Hersteller Praxair nimmt einem Insider zufolge einen neuen Anlauf zur Fusion mit dem deutschen Konkurrenten Linde. Die Amerikaner hätten sich in der vergangenen Woche erneut an das Münchener Unternehmen gewandt und Linde aufgefordert, in Verhandlungen einzutreten, sagte eine mit der Lage vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Aufsichtsrat von Linde wird sich Kreisen zufolge in der kommenden Woche treffen. Das Kontrollgremium werde am 7. Dezember zusammenkommen, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Dieser Termin sei aber schon seit längerem geplant. Auf der Agenda dürfte neben drei neu zu besetzenden Vorstandsposten auch der überarbeitete Fusionsvorschlag von Praxair stehen.

Die weltweit größten Industriegasekonzerne

Air Liquide

Die Franzosen wurden mit dem Kauf des US-Konkurrenten Airgas zuletzt wieder zum größten Industriegaseunternehmen der Welt.

Umsatz: 21,2 Milliarden Euro

Gewinn: 1,8 Milliarden Euro (ohne Airgas)

Marktpräsenz: 80 Länder

Mitarbeiter: 68.000

Hauptsitz: Paris

Linde

Umsatz: 18 Milliarden Euro

Gewinn: 1,15 Milliarden Euro

Marktpräsenz: 100 Länder

Mitarbeiter: 64.500

Hauptsitz: München

Praxair

Umsatz: 10,8 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,68 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter: 26.000

Hauptsitz: Danbury, Connecticut

Air Products

Umsatz: 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,43 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter. 19.000

Hauptsitz: Allentown, Pennsylvania

Die Gespräche über die Megafusion waren im September überraschend geplatzt, weil sich beide Seiten nicht über zentrale Fragen wie den Firmensitz, Entwicklungsstandorte und Führungspersonalien einigen konnten.

Der Vorstoß der Amerikaner kommt für Linde zur Unzeit. Vorstandschef Wolfgang Büchele hatte nach dem Scheitern der Fusion seinen Rückzug angekündigt. Er will Ende April abtreten, hat Linde aber zuvor noch einen harten Sparkurs verordnet. Der Konzern soll die jährlichen Kosten bis 2019 um 550 Millionen Euro senken. Experten zufolge könnte das 3000 bis 4000 Stellen kosten.

Eine erneute Kehrtwende könnte auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat verärgern. Ein anderer Insider sagte, eine Wiederaufnahme der Gespräche sei nur dann denkbar, wenn Praxair seine harte Haltung zu den strittigen Punkten aufgäbe.

Linde wollte durch den Zusammenschluss wieder zurück an die Weltspitze im Markt für Industriegase. Die Münchener waren durch die Übernahme von Airgas durch die französische Air Liquide auf Platz zwei abgerutscht. Die Gasebranche ist weltweit stark konsolidiert. Nach einer Fusion von Praxiar und Linde wären nur noch drei große Anbieter übrig. Ein Knackpunkt wäre bei einem solchen Schritt deshalb die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

Neuer Anlauf: Praxair und Linde basteln wieder an Megafusion

Video: Neuer Anlauf: Praxair und Linde basteln wieder an Megafusion

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Praxair und Linde waren an der Börse fast gleich viel wert, als die Fusionspläne im Sommer ruchbar geworden waren. Seither hat sich die Praxair-Aktie besser entwickelt als das Linde-Papier. Praxair kommt auf einen Marktwert von fast 34 Milliarden Dollar (31,8 Milliarden Euro), Linde auf 27,9 Milliarden Euro. Dabei sind die Amerikaner mit knapp zehn Milliarden Euro Umsatz nur halb so groß sind wie Linde, Praxair ist allerdings deutlich profitabler. An der New Yorker Börse legten Praxair am Dienstag knapp zwei Prozent zu, Linde gewannen im Frankfurter Späthandel 3,7 Prozent.

Büchele hatte Ende Oktober eingeräumt, dass das Scheitern der Fusion der zentrale Auslöser für seinen Abschied gewesen sei. „Es war meine Vision, die Nummer 1 über den Merger zu schaffen. Jetzt ist das ein anderes Spiel, und das ist nicht meine Priorität“, sagte er. Insidern zufolge hatte Finanzchef Georg Denoke hinter den Kulissen gegen die Fusion mit Praxair gearbeitet. Er musste bereits gehen.

Kommentare (1)

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30.11.2016, 08:20 Uhr

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