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13.08.2015

09:39 Uhr

Industriekonzern mit mehr Gewinn

Thyssen-Krupp kann wieder auf den Stahl bauen

Heinrich Hiesinger treibt den Umbau bei Thyssen-Krupp voran – und hat Erfolg: Die lange darbende Stahlsparte steigert trotz des Preisdrucks in Europa den Gewinn. Doch Gefahr droht auch für Thyssen-Krupp in China.

Thyssen-Krupp dürfte seine Ziele für das Geschäftsjahr erreichen. Reuters

Heinrich Hiesinger

Thyssen-Krupp dürfte seine Ziele für das Geschäftsjahr erreichen.

Essen/DüsseldorfEs geht voran bei Thyssen-Krupp: Schon bei der Vorstellung des Halbjahresberichts vor drei Monaten hatte der Essener Traditionskonzern seine Prognose für den operativen Gewinn des Gesamtjahres (Ebit) auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro angehoben. Die jetzt vorgelegten 539 Millionen Euro für das dritte Quartal zeigen, dass Konzernchef Heinrich Hiesinger diese selbst gesteckte Marke locker erreichen dürfte. Thyssen-Krupp hat nach neun Monaten bereits 1,26 Milliarden in der Kasse.

Hiesinger übertraf mit dem Plus beim Gewinn im vergangenen Quartal um mehr als ein Drittel sogar die Erwartungen der Analysten. Das kam bei den Anlegern gut an: Die Aktien des Industriekonzerns kletterten in der Spitze um knapp sechs Prozent nach oben und waren damit Spitzenreiter im Dax. „Die weitere Ergebnisverbesserung belegt die Fortschritte bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Effizienz-Verbesserung“, sagte Hiesinger.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Was Hiesinger meint, sind die immer noch laufenden Umbauarbeiten innerhalb des Konzerns. Die tragen Früchte: Die Stahlsparte hat wieder Fuß gefasst, auch dank der leicht besseren Nachfrage in Europa. Das operatives Ergebnis stieg um 63 Millionen auf 166 Millionen Euro. Dies war der höchste Wert seit 15 Quartalen.

Zum einen erholen sich die lange Zeit darnieder liegenden Märkte in Südeuropa wieder. Zum anderen erhebt die EU-Kommission gerade auf Betreiben der europäischen Stahlindustrie eine Dumpingklage nach der anderen gegen Hersteller aus China, Taiwan, aber auch Russland oder Japan. Das bremst die Konkurrenz aus, die mit Macht auf die Weltmärkte drängt und sorgt bei einigen Stahlprodukten für bessere Preise, die sich in höheren Gewinnmargen niederschlagen.

Hiesinger kann aber auch auf das Glück des Tüchtigen bauen. Schließlich macht der Konzern rund ein Viertel seines Umsatzes mit der Autoindustrie – und wenn eine Branche derzeit (noch) gut läuft, dann die von VW, Daimler & Co.

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Doch die Autowelt ist längst nicht mehr so heile wie noch vor ein, zwei Jahren. Die größten Sorgen macht derzeit China, wo die Konsumenten sich angesichts einbrechender Börsenkurse und schwacher Konjunktur in Zurückhaltung üben. Thyssen-Krupp hat allein in den vergangenen Jahren rund 400 Millionen Euro in neue Komponentenwerke im Reich der Mitte investiert.

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