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29.08.2016

13:54 Uhr

Innogy

RWE-Tochter kauft Solar- und Batteriespezialisten

Bislang konzentrierte sich der RWE-Konzern bei erneuerbaren Energien vor allem auf Wind- und Wasserkraft. Mit dem Zukauf des bayerischen Solarspezialisten Belectric erweitert die Ökostromtochter Innogy ihr Angebot.

Der Essener Energiekonzern steht vor seiner Aufspaltung. Die Zukunftssparten Ökostrom, Netze und Vertrieb mit zwei Dritteln der rund 60.000 Mitarbeiter gliedert der Konzern dabei aus. dpa

RWE-Innogy erweitert Angebot

Der Essener Energiekonzern steht vor seiner Aufspaltung. Die Zukunftssparten Ökostrom, Netze und Vertrieb mit zwei Dritteln der rund 60.000 Mitarbeiter gliedert der Konzern dabei aus.

EssenRWE will beim Umbau des Konzerns und der Erweiterung der Ökostromaktivitäten künftig auch Photovoltaik anbieten. Dazu übernimmt die künftige RWE-Ökostromtochter Innogy den bayerischen Solarspezialisten Belectric Solar & Battery Holding für einen Kaufpreis im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, wie das Essener Unternehmen am Montag ankündigte. Bisher ist der RWE-Konzern in der erneuerbaren Energie vor allem bei Wind- und Wasserkraft engagiert.

Belectric entwickelt mit rund 500 Beschäftigten Freiflächen-Solarkraftwerke sowie Großbatteriespeicher. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, das Geschäft soll Anfang nächsten Jahres vollzogen sein. Der Kauf habe große strategische Bedeutung für RWE, sagte ein Sprecherin. RWE übernehme damit ein solide aufgestelltes Unternehmen mit starker Position auch in Wachstumsregionen wie dem Nahen Osten, Nordafrika, Indien und Südamerika.

Eon und RWE spalten sich auf - welcher Weg ist besser?

Energieriesen im Umbruch

Unter dem Druck rapide abstürzender Gewinne teilen Deutschlands größte Energiekonzerne Eon und RWE konventionelle und neue Energie in eigene Unternehmen auf. So hoffen sie auf mehr Erfolg im immer unterschiedlicheren Geschäft mit konventioneller Erzeugung einerseits und Ökostrom andererseits. Eon ist dabei einen Schritt voraus. Bei der Hauptversammlung stellten die Aktionäre die Weichen für die rechtliche Trennung . Aber ist Eons Weg richtig?

Eon

Der Marktführer hat bereits Anfang April 2015 das neue Unternehmen Uniper mit rund 14.000 Mitarbeitern gegründet. Es führt die Eon-Gas- und Kohlekraftwerke - also die „alte“ Energie - sowie den Energiehandel und die Wasserkraft. Die deutschen Eon-Kernkraftwerke mussten auf politischen Druck beim Mutterkonzern bleiben. Im Herbst will Uniper an die Börse - zunächst, indem Eon gut 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Eon-Aktionäre ausgibt. Einige Jahre später will sich Eon auch von den restlichen Anteilen trennen. Eon gibt also die „alte“ Energie praktisch komplett auf und konzentriert sich ganz auf Erneuerbare, Netze und Vertrieb. Die Trennung wurde auch räumlich vollzogen: Seit Jahresbeginn 2016 ist Uniper mit Sitz in Düsseldorf bereits selbstständig am Markt tätig. Eon zog nach Essen.

RWE

RWE hatte eine Aufteilung lange abgelehnt. Firmenchef Peter Terium ist ein Anhänger des „integrierten Konzerns“, der alle Leistungen aus einer Hand anbietet. Ende 2015 schlug der Konzern den Weg dennoch ein - wenn auch völlig anders als Eon. Die Essener legten ihre Geschäftsfelder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb zu einer neuen Gesellschaft zusammen, die am 1. April die Arbeit aufgenommen hat. In dem Unternehmen mit dem Namen Innogy und Sitz in Essen sollen später einmal zwei Drittel der 60.000 RWE-Beschäftigten arbeiten.

Ende 2016 will RWE zunächst rund 10 Prozent der Innogy-Aktien im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen, weiter Schritte können folgen. Die Mehrheit an der Zukunftstochter soll aber beim Mutterkonzern RWE AG bleiben. Alte und neue Energie bleiben also weiter verbunden.

Was ist besser?

Eon-Chef Johannes Teyssen ist von seinem Weg einer klaren Trennung überzeugt. Eon böten sich nach einer Konsolidierungsphase sichere Einnahmen durch den hohen Anteil an staatlich reguliertem Geschäft und zugleich große Wachstumschancen vor allem mit Erneuerbaren Energien und kundennahen Netzen, sagte er vor Analysten. Teyssen ist überzeugt, dass auch die neue Eon ein Wert für den Dax bleibt. Und Uniper habe mit modernen Gaskraftwerken und Speichern, der Wasserkraft und dem Handelsgeschäft kräftige Pfunde, betont dessen neuer Chef Klaus Schäfer. Wie die ganze Branche setzen Eon und Uniper dabei darauf, dass sich in den kommenden Jahre die Strom-Großhandelspreise wieder erholen.

RWE sieht sich dagegen mit seinem vorsichtigeren Ansatz im Vorteil. „Ich denke, dass unsere Strategie die bessere ist“, sagte der RWE-Vize und künftige RWE-AG-Chef Rolf Martin Schmitz im „Handelsblatt“. Der Vorteil von RWE: Die Essener gehen mit einer Zukunftsgesellschaft ohne Altlasten an die Börse, die sicher auf Interesse der Aktionäre stoßen wird. Uniper muss dagegen seine Anleger von einem Unternehmen überzeugen, dessen Kraftwerke derzeit kaum Geld verdienen - wenn sie überhaupt am Netz laufen.

Vorteil RWE?

Auf den ersten Blick ja. Aber man kann es auch anders sehen. Schließlich bringt RWE gerade die zukunftsträchtigsten Bestandteile mit der neuen Gesellschaft Innogy schrittweise an die Börse, beim Konzern bleiben die konventionellen Kraftwerke der Vergangenheit. „Mit den Einnahmen aus den Erneuerbaren muss RWE die Konventionellen noch lange stützen“, sagt der Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, Thomas Hechtfischer. Im Grunde sei das ein Ausstiegsmodell: „RWE verkauft die Zukunft, Eon trennt sich von der Vergangenheit.“

Quelle: dpa

Der Essener Energiekonzern steht vor seiner Aufspaltung. Die Zukunftssparten Ökostrom, Netze und Vertrieb mit zwei Dritteln der rund 60.000 Mitarbeiter gliedert der Konzern aus. Die neue Großtochter firmiert noch bis Anfang September unter dem Namen „RWE-International SE“. Dann wird sie offiziell in „Innogy“ umbenannt. Schon jetzt wirbt RWE stark mit dem neuen Firmennamen. Voraussichtlich bis Ende dieses Jahres soll die Gesellschaft an die Börse gebracht werden.

Von

dpa

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