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13.03.2017

07:45 Uhr

Innogy

Terium glückt der grüne Neustart

VonJürgen Flauger

Gelungener Seitenwechsel von Peter Terium: Während RWE wohl weiter tief in den roten Zahlen verharrt, startet die grüne Tochter Innogy mit soliden Gewinnen. 2017 will Terium die Ergebnisse sogar deutlich steigern.

„Wir stellen unter Beweis, dass Innogy ein stabiler, dividendenstarker Titel ist.“ Reuters, Sascha Rheker

Peter Terium (links) beim Innogy-Börsengang

„Wir stellen unter Beweis, dass Innogy ein stabiler, dividendenstarker Titel ist.“

DüsseldorfIn den vergangenen vier Jahren musste Peter Terium als RWE-Chef Jahr für Jahr über Probleme und sinkende Gewinne berichten. Auch am Dienstag müsste der Niederländer eigentlich wieder einen gewaltigen Milliardenverlust einräumen und seinen Aktionären eine Nullrunde bei der Dividende erklären.

Die trüben Zeiten sind aber seit Mitte Oktober vorbei: Terium hat den Vorstandsvorsitz von RWE abgegeben und führt seither die Innogy SE. Dort hat der notleidende Stromproduzent das Zukunftsgeschäft gebündelt: Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Und die Bilanz von Innogy, die Terium am Montag erstmals präsentieren konnte, ist deutlich erfreulicher: Im ersten Jahr als eigenständiges Unternehmen hat das Geschäft, das Innogy übernommen hat, zwar auch Einbußen verzeichnet, aber nur leicht. Und der neue Versorger hat seine Ziele erreicht: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um sieben Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis ging auch um 6,2 Prozent zurück, blieb im Gegensatz zum Mutterkonzern aber mit 1,5 Milliarden Euro noch deutlich positiv.

Deshalb bekommen die Aktionäre eine Dividende von 1,60 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet. Gemessen am Schlusskurs 2016 entspricht das einer Dividendenrendite von fünf Prozent. Das freut auch Mehrheitseigner RWE.

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„Wir stellen unter Beweis, dass Innogy ein stabiler, dividendenstarker Titel ist“, betonte Terium: „Bei unseren Ertragszielen haben wir eine Punktlandung hingelegt.“ Und für 2017 könnten sich die Investoren auf steigende Ergebnisse einstellen, sagte der Vorstandschef. Das Ebitda soll auf rund 4,4 Milliarden Euro steigen, und auch das Nettoergebnis soll – bereinigt um Sondereffekte – zulegen.

Innogy ist seit vergangenem Oktober an der Börse. Der RWE-Konzern hatte im Frühjahr 2016 das Geschäft mit der Energiewende in das neue Unternehmen abgespalten und im Herbst dann 24 Prozent der Aktien platziert. RWE selbst ist operativ nur noch für das notleidende Geschäft mit den Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken und dem Großhandel zuständig – und führt Innogy als reine Finanzbeteiligung.

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Kommentare (5)

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Herr Thomas Behrends

13.03.2017, 08:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Holger Narrog

13.03.2017, 08:23 Uhr

Innogy lebt von hoch subventionierten, sachlich wertlosen "Erneuerbaren Energien". Diese haben gesetzlichen Vorrang und werden meist zu festgelegten Preisen in das Stromnetz eingespeist. Das wäre vergleichbar wenn der Staat die Kunden vorrangig dazu anhalten würde einen Popel Kadedd zum Preis von 50.000 € zu kaufen. Solange dieses System Bestand hat, wird Innogy Geld verdienen.

Herausfordernd wird es wenn der Staat bzw. die Arbeitnehmer Deutschlands unter der Last der anderen Geistesblitze der Politik, Alimentation Südeuropas, Masseneinwanderung/Umvolkung überfordert werden. Dann erachte ich es als sehr wahrscheinlich, dass man die Subventionen für "Erneuerbare Energien" analog anderer Staaten rückwirkend kürzt (Beispiel Solarsubventionen Spanien) oder die Betreiber dieser Anlagen motiviert ihren Ökomüll zu entsorgen.

Herr Riesener Jr.

13.03.2017, 08:46 Uhr

Artikel: "Das primäre Ziel hat Terium aber erreicht: Er schaffte dem Zukunftsgeschäft Freiraum, wieder zu investieren und zu wachsen. In den vergangenen Jahren war RWE im Sparmodus verharrt."

Durch die Spaltung eines Konzern wird plötzlich Geld aus dem Nichts geschaffen?? Scheinbar ja! Weil Innogy-Aktien an den Markt gebracht wurden und viele Leute diese Aktien kauften. Nun wird man sehen, ob tatsächlich Geld aus dem Nichts geschaffen werden kann und diese neuen Aktionäre profitieren können. Aktuell sieht es nicht so aus. Der Aktienkurs ist vom Ausgabelurs (36 EUR) auf 33.525 gefallen.....

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