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21.08.2014

19:39 Uhr

Insider

Eon will Gasimport mit Bundeshilfen erhöhen

Deutschland soll unabhängiger von russischen Importen werden, dafür verhandelt Eon mit neuen Partnern über mögliche Gaslieferungen. Einem Insider zufolge sollen Milliardengarantien des Bundes diese mitfinanzieren.

Eon verhandelt mit neuen Partnern über Gaslieferungen. Der Bund soll diese durch Milliardengarantien mitfinanzieren. dpa

Eon verhandelt mit neuen Partnern über Gaslieferungen. Der Bund soll diese durch Milliardengarantien mitfinanzieren.

Mailand/LondonEon will einem Insider zufolge mit Hilfe von Milliardengarantien des Bundes mehr Gaslieferverträge schließen. Nach der Unterzeichnung eines Vertrages über die Lieferung von Flüssiggas aus Kanada verhandele der größte deutsche Energiekonzern über Projekte in Ostafrika, Südamerika und dem Mittelmeer-Raum, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Damit könnte auch die Abhängigkeit von russischen Gasimporten etwas verringert werden.

Deutschland bezieht rund 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist wegen der Ukraine-Krise aber gespannt. Mit den Garantien habe die Bundesregierung ein Mitspracherecht, sagte der Insider. So will Eon von 2020 an jährlich etwa fünf Millionen Tonnen Flüssiggas in Kanada kaufen. Davon sollen 1,5 Millionen Tonnen nach Deutschland geliefert werden.

Eon erklärte, mit Verträgen wie dem Goldboro-Projekt in Kanada wolle der Düsseldorfer Konzern seinen Gasbezug weltweit noch breiter aufstellen. Risiken würden verringert und Marktchancen in verschiedenen Kontinenten genutzt. Zu Details äußerte sich der Versorger nicht. Eon bezieht sein Erdgas vor allem aus Russland und Norwegen.

Der Anteil aus Russland variiert dem Unternehmen zufolge zwischen einem Drittel und knapp der Hälfte. Verflüssigtes Erdgas (liquefied natural gas, LNG) will Eon künftig auch aus Katar beziehen. Dem Insider zufolge verhandelt Eon etwa auch mit Mosambik, Israel, Peru und Kolumbien.

Bei Flüssiggas wird Erdgas stark abgekühlt und das Volumen so verkleinert, dass es mit Schiffen transportiert werden kann. Dem Insider zufolge sprach der Bund Eon für das Projekt in Kanada Garantien in Höhe von zwei Milliarden Euro zu.

Die Bundesregierung kann den Import von Rohstoffen über sogenannte Ungebundene Finanzkredite (UFK-Garantien) absichern. Deutschland hatte die UFKs vor Jahrzehnten geschaffen, um Unternehmen Darlehen für Rohstoffimporte durch die hohe Kreditwürdigkeit des Bundes zu verbilligen.

So hat Eon ein Rating von A-, das durch UFK in diesem Fall auf die Bestnote AAA der Bundesregierung steigt und dem Unternehmen so niedrigere Zinsen für das Flüssiggas-Projekt ermöglicht. Für die Kanadier bedeutet die UFK-Garantie, dass ein Zahlungsausfall nahezu ausgeschlossen ist.

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, im vergangenen Jahr habe es zwei Anfragen zur Übernahme von UFK-Garantien für Flüssiggas-Projekte gegeben. „Dabei wurde auch die prinzipielle rohstoffpolitische Förderungswürdigkeit eines LNG-Projekts vom Bundeswirtschaftsministerium bestätigt.“

Gasspeicher in Deutschland

Gasspeicher in Deutschland

Nach Angaben des Branchenverbands BDEW gibt es 50 deutsche Untertage-Gasspeicher an 40 Standorten. Diese können knapp 23 Milliarden Kubikmeter Gas aufnehmen. Das entspreche mehr als einem Viertel der in Deutschland im Jahr 2012 verbrauchten Erdgasmenge. Die größten Gasspeicher im Überblick.
(Quelle: Unternehmen / Gas Infrastructure Europe)

Rehden (Niedersachsen)

Betreiber: Astora (Gazprom-Tochter)

Kapazität: 4,2 Milliarden Kubikmeter

Epe (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,5 Milliarden Kubikmeter

Bierwang Unterreit (Bayern)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,4 Milliarden Kubikmeter

Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,1 Milliarden Kubikmeter

Huntorf / Nüttermoor (Niedersachsen)

Betreiber: EWE Gasspeicher

Kapazität: 1,07 Milliarden Kubikmeter

Bernburg (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

Etzel (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

Es seien aber noch keine UFK-Garantien für LNG-Projekte erteilt worden. Dies kann erst geschehen, wenn ein Vorhaben endgültig beschlossen wird.

Dem Insider zufolge benötigt E.ON die Garantien des Bundes auch, um im Wettbewerb gegen staatlich kontrollierte Versorger wie Electricite de France zu bestehen. Die Garantien verbesserten die Erfolgsaussichten des Unternehmens.

Zudem würden die Kapitalkosten für den Konzern bei den Projekten um etwa ein bis zwei Prozent niedriger ausfallen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Delete User Delete User

21.08.2014, 20:35 Uhr

Die Zeche zahlen am Ende die Verbraucher. Mit Billigung des Staats wird sicherlich kein Kubikmeter Gas auch nur einen Cent preiswerter. Letztendlich wird das Topmanagement von EON reicher. Mitarbeiter werden rausgeschmissen. Und Aktionäre erhalten eine komfortable Dividende.

Die UFK-Garantien werden von EON benötigt, weil der Konzern von Teyssen und Vorgängern in den Dreck gefahren wurde. Projekt für Projekt hat bei EON keinen ROI erreicht.

Die Bundesrepublik Deutschland sollte bei Zuteilung der Garantien mindestens 20% aus dem finanziellen Vorteil, der dem EON-Konzern entsteht abschöpfen und dieses Geld in den Ausbau des Stromnetzes stecken!

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