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19.04.2013

16:28 Uhr

Insolventer Energiehändler

Flexstrom kann nicht mehr liefern

Vier große Netzbetreiber haben dem insolventen Energiehändler Flexstrom gekündigt – der kann jetzt keinen Strom mehr liefern. Doch die Versorgung der rund 500.000 Kunden bleibt gesichert.

Der Energiehändler Flexstrom kann seine rund 500 000 Kunden nicht mehr mit Strom beliefern. dpa

Der Energiehändler Flexstrom kann seine rund 500 000 Kunden nicht mehr mit Strom beliefern.

BerlinDer insolvente Energiehändler Flexstrom kann seine rund 500.000 Kunden nicht mehr mit Strom beliefern. Die vier überregionalen Netzbetreiber Tennet TSO, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW hätten ihre Verträge mit Flexstrom fristlos gekündigt, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Die bisherigen Flexstrom-Kunden erhalten nun Strom vom örtlichen Versorger. Das 2003 gegründete Berliner Unternehmen Flexstrom hatte vor einer Woche Insolvenz angemeldet.

Schulte-Kaubrügger hat nach eigenen Worten Kontakt zu potenziellen Investoren aufgenommen. Ziel sei es, Flexstrom zu sanieren, was aus seiner Sicht möglich sei. Die 700 Mitarbeiter erhielten bis 30. Juni Insolvenzgeld, sagte er.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Flexstrom hatte seine Kunden vor allem mit günstigen Tarifen geworben. Im Gegenzug mussten sie vierteljährliche oder jährliche Vorauszahlungen leisten. Nach der Insolvenz müssen sie befürchten, davon nicht mehr viel zurückzubekommen. Seit November 2012 wurde über Zahlungsschwierigkeiten von Flexstrom berichtet. Diese Meldungen haben laut Flexstrom dazu geführt, dass viele Kunden ihre Rechnungen nicht mehr pünktlich bezahlt haben. Zuletzt seien Kunden mit rund 100 Millionen Euro bei Flexstrom und den Tochtergesellschaften Optimal-Grün und Löwenzahn Energie im Rückstand gewesen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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stereotyp72

19.04.2013, 17:37 Uhr

Beim Grundversorger zahlt man in manchen Regionen locker das Doppelte und bekommt garantiert nichts zurück. Grundversorger enviaM (RWE) verlangt hier stolze 0,302 EUR/kWh "ohne Risiko". Da amortisiert sich ein Wechsel schon nach 6 Monaten. Ich hatte bei Flexstrom einen Pakettarif bis 28.Feb. und müsste für den Mehrverbrauch etwas nachzahlen, die schicken aber keine Endabrechnung. An eine insolvente Firma darf man normalerweise auch nichts zahlen, da kommt dann ein gelber Brief von Amtsgericht "Zahlungsverbot" ...

RDA

19.04.2013, 18:24 Uhr

Und mal wieder sind die Kunden die Leidtragenden. Wenn Kunde sich § 5 EnWG durchliest, könnte man sich fragen, warum die Bundesnetzagentur bzw. die Landesregulierungsbehörden nicht früher eingeschritten sind. Bei Teldafax war es z.B. den Finanzbehörden schon vor der Pleite bekannt, dass die Firma ihren steuerlichen Zahlungspflichten nicht mehr nachkommt. Zwar gilt auch hier das Steuergeheimnis, aber die Gerüchte köchelten da schon und die Regulierungsbehörden hätten Teldafax um eine Bestätigung des Hauptzollamtes bitten können, dass bisher alle Steuern und Abgaben ordnungsgemäß entrichtet wurden. Jeder Hauskäufer muss z.B. eine Quittung über die gezahlte Grunderwerbsteuer vorlegen, wenn er einen Grundbucheintrag begehrt.

Account gelöscht!

22.04.2013, 07:41 Uhr

Man kann jedoch beim örtlichen Versorger einen "Normaltarif" ab diesem Zeitpunkt beantragen. Dieser liegt in der Regel erheblich unter dem Preisniveau der Eratzversorgung. (kleiner Tip)

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