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12.04.2013

15:27 Uhr

Insolventer Stromanbieter

Was Flexstromkunden jetzt beachten müssen

VonDana Heide

Fast alle Kunden von Flexstrom haben in Vorkasse bezahlt, nun ist das Unternehmen insolvent. Ob und wie die Kunden nun an ihr Geld kommen und was Verbraucher bei der Anbieterwahl beachten sollten.

Lästige Prozedur: Bevor man den Stromanbieter wechselt, sollte man die Angebote genau überprüfen. dpa

Lästige Prozedur: Bevor man den Stromanbieter wechselt, sollte man die Angebote genau überprüfen.

DüsseldorfDie Flexstromkunden sind geschockt: Ihr Stromanbieter ist zahlungsunfähig. Dabei hat der größte Teil von ihnen bereits in Vorkasse bezahlt. Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, macht wenig Hoffnungen, dass sie ihr Geld je wiedersehen. Dass ihre Vorauszahlungen weg seien, sei „sehr wahrscheinlich“, sagte er gegenüber Handelsblatt Online. Er rät Kunden, erst einmal abzuwarten und das gekaufte Stromguthaben zu verbrauchen, so lange man noch von Flexstrom oder dessen Insolvenzverwalter beliefert werde. Allerdings sollten Kunden, die einen befristeten Vertrag haben, jetzt wechseln.

Im Laufe der nächsten Zeit gibt es dann mehrere Optionen: Wird Flexstrom etwa von einem anderen Unternehmen übernommen, rutschen die Flexstromkunden automatisch zum neuen Inhaber. Solange das Unternehmen jedoch noch nicht liquidiert ist, habe man noch einen Vertragspartner und müsse keine Angst haben, im Dunkeln zu stehen.

So erklärt Verivox die Tarif-Fallstricke

Richtlinien zum Verbraucherschutz

Tarife, die nicht den Verivox-Richtlinien zum Verbraucherschutz entsprechen, werden nicht unter den Tarif-Empfehlungen des Vergleichsrechners dargestellt. Ähnliche Hinweise gibt es auch bei Check24. Auf folgende Fallstricke wird bei solchen Tarifen hingewiesen:

Vorauskasse

Sie zahlen für die kalkulierten Abschläge für 12 Monate im Voraus und können so von günstigen Tarifkonditionen profitieren. Gleichzeitig besteht im Falle einer Unternehmensinsolvenz jedoch das Risiko, die geleisteten Vorauszahlungen nicht zurückzuerhalten. Wenn Ihnen der Anbieter eine Preisgarantie bzw. eingeschränkte Preisgarantie gewährt, können die Preise nach deren Ablauf erhöht werden – ggf. auch schon vor Ablauf des Vorauszahlungszeitraums. Die angegebenen Gesamtkosten können von der Höhe der zu leistenden Vorauszahlungen abweichen, da etwaige Boni in der Regel erst mit der ersten Jahresrechnung gutgeschrieben werden.

Mehr- oder Mindestverbrauchsaufschlag

Die angegebenen Gesamtkosten in Höhe von 293,96 Euro basieren auf ihrem angegebenen Jahresverbrauch von 1500 kWh und einem Verbrauchspreis von 22,41 Cent je kWh. Weicht Ihr realer Jahresverbrauch von dieser Angabe an, gelten folgende Verbrauchspreise je kWh für den Jahresverbrauch:

-          Liegt der reale Jahresverbrauch mehr als 20 Prozent unter ihrem angegebenen Jahresverbrauch, beträgt der Verbrauchspreis für den Jahresverbrauch 24,41 Cent je kWh.

-          Liegt der reale Jahresverbrauch mehr als 20 Prozent über ihrem angegebenen Jahresverbrauch, beträgt der Verbrauchspreis für den Jahresverbrauch 24,41 Cent je kWh.

Das Angebot richtet sich ausschließlich an Kunden, die Ihren Verbrauch sicher einschätzen können und deren Verbrauch stabil ist.

Kosten im 2. Jahr beachten

Bei diesem Tarif mit mehr als 12 Monaten Erstvertragslaufzeit wird im 1. Vertragsjahr ein Bonus ausgelobt. Durch den Wegfall des Erstjahresbonus im 2.Vertragsjahr erhöhen sich die fortlaufenden Kosten automatisch.

Paket

Mit diesem Tarif kaufen Sie eine bestimmte Anzahl von Kilowattstunden. Ein Minderverbrauch wird in der Regel nicht erstattet, der Mehrverbrauch muss zusätzlich bezahlt werden und wird jährlich abgerechnet. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Kunden, die ihren Verbrauch sicher einschätzen können und deren Jahresverbrauch stabil ist.  Bitte beachten Sie, dass sich der Preis für Paket-Tarife auch während der Laufzeit ändern kann, wenn im Angebot keine entsprechende Preisgarantie enthalten ist.

Kaution, Sonderabschlag, Genossenschaftseinlage

Bei diesem Tarif ist vor Lieferbeginn einmalig eine Kaution oder ein Sonderabschlag fällig. Bei einer Genossenschaft entspricht das der Zahlung einer Genossenschaftseinlage. Die Zahlung wird nicht verzinst und nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit der letzten Abrechnung verrechnet bzw. zurückerstattet. Der Sonderabschlag ist nicht in den Gesamtkosten enthalten. Im Falle einer Unternehmensinsolvenz besteht das Risiko, den geleisteten Sonderabschlag nicht zurückzuerhalten.

Preisgarantie

Gilt für alle Preisbestandteile, ausgenommen Mehrwertsteuer-Änderungen und langfristig festgelegte Strom- und Erdgassteuern.

Eingeschränkte Preisgarantie

Hier können Änderungen von gesetzlichen Abgaben und Umlagen (EEG, KWK-G, Konzessionsabgabe) weitergegeben werden.

Energiepreisgarantie

Nur ein Preisbestandteil (Energiepreis) ist garantiert.

Selbst wenn das Unternehmen komplett ausfällt: Die deutsche Gesetzgebund sieht vor, dass alle Menschen mit Strom versorgt werden müssen, niemand muss Angst haben im Dunkeln zu stehen.

Es ist ein harter Kampf um den Stromkunden, in dem manchmal auch zu unfairen Mitteln gegriffen wird. Noch nie waren so viele Stromversorger auf dem Markt wie zur Zeit. „Der Strommarkt ist extrem hart umkämpft und die Tarife werden immer komplexer“, sagte Dagmar Ginzel vom Vergleichsrechner Verivox erst vor kurzem Handelsblatt Online. „Neue Anbieter haben nur wenige Möglichkeiten, um sich zu positionieren: Entweder bieten sie beispielsweise ein Nischenprodukt an, das besondere Öko-Kriterien erfüllt, oder sie bieten besonders günstige Preise.“

Die Verbraucherzentralen warnen vor Sorglosigkeit bei der Auswahl des Stromanbieters. Man sollte „nicht nur auf den Preis gucken“, sagt Verbraucherschützer Hörmann. Vergleichsportale könnten zwar zur Orientierung dienen, allerdings sollten sie nicht als einzige Informationsquelle genutzt werden. Wenn man auf einen Stromanbieter trifft, der durch besonders niedrige Preise auffällt sollte man sich nicht davor scheuen, sich bei der Verbraucherzentrale über dessen Seriosität zu erkundigen.

Forderungen der Verbraucherschützer

Finanzierung der Tarifrechner

Die Tarifrechner stehen schon lange in der Kritik der Verbraucherschützer: Die Verbraucherzentrale NRW und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben zahlreiche Forderungen an die Tarifrechner gestellt. Einige Änderungen gab es seit Herbst 2011 bereits. Eine Forderung: Die Tarifrechner sollen unabhängig von Energielieferanten sein. Auf den Startseiten sollen sie angeben, wie sie sich finanzieren – etwa über Vermittlungsprovisionen oder Werbung.

Exklusive Tarife

Wenn Energielieferanten über die Portale Tarife anbieten, die nirgends sonst abgeschlossen werden können, soll dies kenntlich gemacht werden.

Trügerische Anbieterzahl

Viele Tarifrechner sind miteinander verbunden. Die Portale tragen zwar unterschiedliche Namen, doch der Verbraucher erhält immer die gleichen Ergebnisse. Diese Verbindungen sollen die Betreiber öffentlich machen.

Filterfunktionen

Verbraucher sollen Filter- und Sortiereinstellungen selbst auswählen können, ohne dass diese bereits auf der Seite voreingestellt sind.

Vergleich mit dem Grundversorger

Nicht immer finden die Tarifrechner bei der Eingabe der Postleitzahl den richtigen Grundversorger. Verbraucher sollen die Möglichkeit bekommen ihren Anbieter für den Vergleich auszuwählen.

Individuelle Preisvergleiche

Für einen persönlichen Vergleich sollen Verbraucher nicht nur den Grundversorger als Referenz wählen können, sondern auch jeden anderen Tarif.

Sondertarife isolieren

Zur besseren Übersicht und Vergleichbarkeit sollen variable Tarife, Heizstromtarife und Sozialtarife separat aufgelistet werden.

Formulierung von Preisgarantien

Bedingungen für eine Preisgarantie sollen von allen Tarifrechnern gleich formuliert werden. Gegebenenfalls sollen Verbraucherverbände die Termini vorgeben.

Bedingungen bei Paketangeboten

Bei festen Strompaketen sollen die Rechner stärker darauf hinweisen, dass bei einem niedrigeren Verbrauch keine Kosten erstattet werden. Verbraucht der Kunde mehr, sind die zusätzlichen Kilowattstunden meist vergleichsweise teuer.

Ökostrom-Tarife

Die Tarifrechner sollen prüfen, ob der angebotene Ökostrom bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllt.

Rabatte separat anzeigen

Boni, frei-Kilowattstunden und andere Rabatte sollen nicht in den Preis für das erste Vertragsjahr eingerechnet, sondern extra aufgelistet werden.

Online-Tarife

Mit Online-Tarifen können Verbraucher zwar sparen, bekommen aber auch weniger Service. Darauf sollen die Portale hinweisen.

Bindende Angebote

Bislang sind die Preise, die Stromanbieter an die Tarifrechner melden, nicht bindend. Verbraucher müssen sie immer beim Anbieter nachprüfen. Das sollen die Portalbetreiber ändern, indem sie von den Stromlieferanten eine Selbstverpflichtung fordern, damit die Preise stets aktuell und verbindlich sind.

Qualität des Stromanbieters

Tarifrechner sollen die Seriosität und den Service der Anbieter anhand einer Check-Liste der Verbraucherverbände bewerten.

Zusatz-Tools

Zur besseren Einordnung der Tarife wünschen sich Verbraucherschützer eine Übersicht über die Preisentwicklung der Tarife und einen Vergleich zur durchschnittlichen Preisentwicklungen.

Test für Tarifrechner

Wegen ihrer großen Bedeutung für den Wettbewerb auf den Energiemärkten soll die Qualität zumindest der marktdominierenden Tarifrechner regelmäßig überprüft werden.

Kommentare (8)

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Sebastian

12.04.2013, 15:45 Uhr

Was ist jetzt mit Löwenzahn- immerhin ein Ableger von Flexstrom?

castellnevez

12.04.2013, 16:03 Uhr

Schwache Hilfestellung vom Handelsblatt ! Jetzt gilt es, die Flexstrom-, Löwenzahn- und Grünwelt-Mafia mit eigenen Waffen zu schlagen und dem ganzen Spuck ein definitives Ende zu bereiten: also erstens alle Lastschriften zurückgehen lassen, die sich noch in der Rückgabefrist befinden. Pech haben die, die sich auf eine (einmal)Überweisung eingelassen haben - wir nicht. Möge der Insolvenzverwalter dem ggf. kundenseitig bei der Endabrechnung geschuldetem Geld nachrennen. Falls auch bei Flexgas Verträge bestehen sollten, die i.d.R. mit monatlichem Abschlag bedient werden, diesen soweit runter kürzen oder einstellen und zur Sicherheit den genauen Gasverbrauch auf die vertragliche Restlaufzeit hochrechnen (Jahreszeiten beachten !)und dann nochmals 10 % Marge einbauen, dass mit Sicherheit am Ende Flexgas und nicht der Kunde eine Forderung hat. Diese möge auch dann der Insolvenzverwalter einklagen, dafür werden diese Geier ja auch fürstlich bezahlt... Schließlich warte ich darauf, dass die Tropfnasen von der Regulierungsbehörde endlich mal strafrechtlich wegen gewerbsmäßigen Betrug und Insolvenzverschleppung vorgehen. Dann bekommen wir auch das Privatvermögen der Gesellschafter zu greifen. Diese sind anschließend an die Wand zu stellen oder an der nächsten Laterne am berliner Reichpietschufer aufzu....

Account gelöscht!

12.04.2013, 16:42 Uhr

Dieses Projekt der alternativen Stromanbieter war doch von der Politik entwickelt und dem Buerger empfohlen worden.

Dazu fallen mir weitere Projekte von Politikern ein, wie
Stuttgart 21, der neue Berliner Flughafen, und nicht zuletzt der Euro.

Insofern keine Ueberraschung.

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