Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2015

12:46 Uhr

Iran-Atomstreit

Gute Karten für europäische Ölkonzerne

Nach der Grundsatz-Einigung im Atomstreit mit Iran stehen westliche Erdölkonzerne in den Startlöchern. Das Land bietet ein riesiges Potenzial bei Öl und Gas. Firmen aus USA und Asien dürften davon weniger profitieren.

Ein Fahrradfahrer vor der iranischen Ölraffinerie südlich der Hauptstadt Teheran. Die Anlagen im Iran müssen modernisiert werden. Europäische Ölkonzerne hoffen auf Aufträge. ap

huGO-BildID: 42454682 In this Monday, Dec. 22, 2014 photo, an Iranian oil worker rides his bicycle at the Tehran's oil refinery south of the cap

Ein Fahrradfahrer vor der iranischen Ölraffinerie südlich der Hauptstadt Teheran. Die Anlagen im Iran müssen modernisiert werden. Europäische Ölkonzerne hoffen auf Aufträge.

ParisWenn die jahrelangen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, hoffen westliche Ölfirmen auf lukrative Verträge in dem Land, das über riesige Erdöl- und Gasvorkommen verfügt. Eine Reihe von Hindernissen müssen aber erst noch überwunden werden.

Die ab 1979 von den USA verhängten Sanktionen gegen den Iran, gefolgt ab 2006 von der UNO und der EU, hatten einen schrittweisen Rückzug der großen westlichen Erdölkonzerne aus dem Land zur Folge. Der französische Energieriese Total verließ 2008 als letztes westliches Erdöl-Unternehmen das Land. Heute sind einige chinesische und indische Firmen vor Ort.

Die Aussicht auf eine Aufhebung der Sanktionen birgt für die westlichen Ölkonzerne ein seltenes Potenzial: Trotz der Sanktionen ist der Iran auch heute noch der fünftgrößte Produzent der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). 2,81 Millionen Barrel Öl wurden pro Tag im Jahr 2014 im Durchschnitt produziert gegenüber vier Millionen Barrel im Jahr 2008. Der Export lag bei etwa 1,1 Millionen Barrel. Beim Gas verfügt das Land über die zweitgrößten Reserven weltweit nach Russland.

Wo der Iran Uran anreichert

Natans

Seit 2007 wird in der unterirdischen Anlage südöstlich von Teheran schwach angereichertes Uran (bis fünf Prozent) produziert. Das Material wird in Atomkraftwerken zur Stromgewinnung eingesetzt. Bis August 2013 hatte der Iran 9704 Kilo angehäuft – deutlich mehr, als das Land auch später für sein einziges AKW in Buschehr bräuchte. Zudem installierte Teheran dort eine neue Generation von Zentrifugen, die deutlich schneller mehr anreichern können. Laut IAEA sind bisher rund 1000 neue Zentrifugen einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb.

Fordo

Im Jahr 2009 gab Teheran die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Die Fabrik wurde in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom gebaut. Hier wird auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran produziert.

Parchin

Bisher verweigerte der Iran Inspekteuren den erneuten Zugang zu der Militäranlage südöstlich von Teheran. Die IAEA geht davon aus, dass dort im Jahr 2000 ein Reaktorbehälter installiert wurde. In Parchin wurden möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert. Der Iran dementiert das. Seit die IAEA Anfang 2012 Zugang forderte, wurden Gebäude abgerissen, Material weggebracht und der Boden umgegraben.

Buschehr

Im August 2010 wurde in der Stadt am Persischen Golf Irans erstes AKW mit Brennstäben aus Russland eröffnet. Nach Verzögerungen ging der Leichtwasserreaktor rund ein Jahr später in Betrieb.

Isafahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung steht die Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Im Westen Irans soll seit 2006 eine Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb sein, der dazugehörige Schwerwasserreaktor ist noch im Bau. In Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das für die Waffenproduktion verwendet werden kann. Damit könnte sich der Iran einen zweiten Weg für die Produktion einer Bombe eröffnen.

Experten wie Francis Perrin von der auf Energiefragen spezialisierten Zeitschriftengruppe „Stratégies et politiques énergétiques“ (SPE) heben daher das „beträchtliche Potenzial“ des Iran bei Öl und auch bei Gas hervor: „Wenige Länder haben beides zugleich.“

Doch eine Rückkehr der Ölkonzerne wird erst in mehreren Monaten möglich sein, hebt Pierre Terzian von der Zeitschrift „Pétrostratégies“ hervor. Zunächst müsse das Rahmenabkommen mit dem Iran vom Donnerstag bis zum 30. Juni mit „technischen Details“ ausgefüllt werden, um zu einem „endgültigen Abkommen“ zu kommen. Zudem gibt es noch keine Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Aufhebung der Sanktionen, die der Iran gerne beendet sähe. Die 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland ist für ein längeres, schrittweises Vorgehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×