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30.04.2013

16:43 Uhr

Jahresauftakt

Nachfrage nach Solaranlagen sinkt

Vielen Solarfirmen geht es schon jetzt schlecht. Nun bricht auch noch in der Heimat die Nachfrage nach Anlagen ein. Grund sind nicht zuletzt die drastischen Förderkürzungen in Deutschland. Nun führt der Weg ins Ausland.

Strommasten und Solarbäume: Anstehende Förderkürzungen hatten zunächst noch für einen Nachfrageboom gesorgt. dpa

Strommasten und Solarbäume: Anstehende Förderkürzungen hatten zunächst noch für einen Nachfrageboom gesorgt.

DüsseldorfDie vom Preisverfall an den Rand des Ruins getriebenen Solarfirmen wie Solarworld und Centrosolar müssen nun auch noch einen Nachfrageinbruch auf dem Heimatmarkt verkraften. In den ersten drei Monaten wurden nur noch Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt nach 200 MW im Vorjahr, wie die Bundesnetzagentur am Dienstag mitteilte.

Vor Jahresfrist hatten anstehende Förderkürzungen noch einen Nachfrageboom ausgelöst und im Gesamtjahr zu einem Rekordzubau von 7,9 Gigawatt (GW) geführt. Drastische Förderkürzungen bremsen nun den Zubau in Deutschland - dem bislang größten Solarmarkt weltweit.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Solarworld-Chef Frank Asbeck stellt sich denn auch auf ein weiteres schwieriges Jahr für die Solarindustrie ein. Um Umsatz und Absatz dennoch zu steigern, plane er daher die Auslandsexpansion voranzutreiben, kündigte er am Dienstag an. Allerdings muss Asbeck zunächst zur Rettung der Firma die Gläubiger zur Kasse bitten. Sie sollen auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen.

Dazu soll eine außerordentliche Hauptversammlung einen Kapitalschnitt um 95 Prozent beschließen. Die anschließend neu ausgegebenen Aktien gehen an die Gläubiger. Die Altaktionäre verlieren den größten Teil ihrer Solarworld-Anteile.

Trotz des Rückgangs zum Jahresbeginn wird die Solarstrom-Vergütung aber zusätzlich gekappt, da die Menge der Neuinstallationen im Zeitraum Juli 2012 bis März 2013 mit 3900 MW stärker als im Erneuerbaren Energiengesetz (EEG) vorgesehen stieg. Von Mai bis Juli 2013 wird daher die Vergütung monatlich um zusätzliche 0,8 Prozentpunkte sinken und damit um insgesamt 1,8 Prozent. Besitzer kleiner Dachanlagen bekommen damit noch rund 15 Cent pro Kilowattstunde (KW) für ihren Solarstrom. Haushaltskunden zahlen inzwischen mehr als 25 Cent.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Nach monatelangen Diskussionen hatte sich die Politik im vergangenen Jahr auf zum Teil drastische Subventionskürzungen geeinigt. Ziel ist es, den rasanten Zubau und damit die Kosten für die Stromverbraucher zu begrenzen, die über eine Umlage an den Kosten beteiligt werden. Die Novelle des EEG sieht unter anderem vor, die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen monatlich automatisch um ein Prozent zu senken. Sie wird aber zusätzlich reduziert, wenn sich der Zubau oberhalb des Korridors von 2,5 bis 3,5 Gigawatt (GW) pro Jahr bewegt.

2012 waren in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 7,9 GW installiert worden. Die Industrie kann von diesem Rekord indes nicht profitieren, da der Preisverfall die Firmen in die roten Zahlen und häufig auch in die Pleite treibt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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TarikTell

09.05.2013, 21:14 Uhr

Ich verstehe den ersten Satz nicht: "In den ersten drei Monaten wurden nur noch Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt nach 200 MW im Vorjahr..." Wo ist da der Nachfrageinbruch, wenn die installierte Leistung angeblich vier Mal so hoch ist wieim Vorjahr? tarik.tell@email.de

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