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24.11.2016

08:31 Uhr

Jahreszahlen des Industriekonzerns

Der Thyssen-Krupp-Chef braucht mehr Zeit

Die Ergebnisse stagnieren, Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger will daher den Umbau des Konzerns vorantreiben. Eine Lösung für die Stahlsparte soll her. Und auch ein U-Boot-Deal in Israel belastet den Konzern.

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Thyssenkrupp kämpft sich langsam aus der Stahlkrise heraus

Top-Thema: Thyssenkrupp kämpft sich langsam aus der Stahlkrise heraus

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EssenThyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger will nach Gewinneinbußen durch die Stahlsparte den Umbau des Konzerns vorantreiben. „Die großen Schwankungen auf den Werkstoffmärkten zeigen, dass wir die Transformation zu einem starken Industriekonzern fortsetzen müssen“, sagte der Manager am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September).

Das schwächelnde Stahlgeschäft, aber auch Einbußen im Anlagenbau führten dazu, dass der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro schrumpfte. Im neuen Jahr soll er auf 1,7 Milliarden Euro klettern. Hier hatten Analysten dem Konzern bislang mehr zugetraut. Das galt auch für die Dividende, die für das vergangene Jahr unverändert bei 15 Cent je Aktie liegen soll.

Kommentar zu Thyssen-Krupp: Heinrich Hiesinger und die Last der Vergangenheit

Kommentar zu Thyssen-Krupp

Heinrich Hiesinger und die Last der Vergangenheit

Thyssen-Krupp ist als stolzer Stahlkonzern großgeworden. Doch die Glanzzeit ist vorbei. Überkapazitäten und Billigimporte aus China drücken die Preise. Vor welchen Problemen Chef Heinrich Hiesinger steht. Ein Kommentar.

Analysten hatten im Schnitt mit einer Ausschüttung von 18 Cent je Anteilsschein gerechnet und den operativen Gewinn im neuen Jahr auf fast 1,9 Milliarden Euro taxiert. Hiesinger bekräftigte, dass er auf Dauer sogar zwei Milliarden Euro anpeilt, nannte dafür aber erneut keinen Zeitraum.

Der 56-Jährige hatte Anfang 2011 das Ruder bei dem Traditionskonzern übernommen. Der ehemalige Siemens-Manager versucht seitdem, Thyssen-Krupp weniger auf das Stahlgeschäft auszurichten, sondern auf die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen oder U-Boote. „Wir wollen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte ausbauen und profitabel wachsen“, kündigte Hiesinger nun an. Vor allem die Aufzugsparte konnte ihr operatives Ergebnis erneut steigern und stellt mit 860 Millionen Euro mehr als die Hälfte des gesamten Konzerngewinns. Der Anlagenbau musste ebenso Einbußen hinnehmen wie das europäische Stahlgeschäft.

Der Gewinn von Steel Europe fiel um gut ein Drittel auf 315 Millionen Euro. Der Schwerindustrie um Weltmarktführer Arcelor-Mittal machen seit Jahren Billigimporte aus China, Preisdruck, Überkapazitäten und immer schärfere Klimaschutzauflagen zu schaffen. Thyssen-Krupp lotet deswegen seit Monaten eine Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel aus – bislang ohne Ergebnis.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Unter dem Strich verdiente Thyssen-Krupp im abgelaufenen Geschäftsjahr nach Anteilen Dritter 296 Millionen Euro. Das waren 13 Millionen weniger als vor Jahresfrist. Analysten hatten auch hier mehr erwartet.

Tatsächlich aber hängt das Wohl und Wehe des Essener Traditionskonzerns immer noch von der Entwicklung der Stahlmärkte ab. Die Börse sieht das genauso. Wie sehr Thyssen-Krupp zum Leidwesen Hiesingers immer noch als Stahlkonzern empfunden wird, hat sich in den vergangenen Tagen gezeigt. Der Aktienkurs des Ruhrkonzerns gehörte zeitweise zu den größten Gewinnern im Dax. Die Anleger hoffen bei Stahlwerten auf bessere Zeiten. Auslöser waren Berichte, dass Marktführer Arcelor-Mittal seine Preise in Europa anheben will. Davon würde auch die Konkurrenz wie Thyssen-Krupp profitieren.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.11.2016, 08:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Percy Stuart

24.11.2016, 09:29 Uhr

Sehr geehrter Herr Steingart, sie schreiben heute morgen „tendenziös“ über eine 22%tige Gehaltssteigerungsforderung der Lufthansa Piloten, Warum wird dabei nicht erwähnt, dass die Piloten seit nunmehr 5 1/2 Jahren keine Gehaltssteigerungen erhalten haben, somit der LH-Tarifvertrag seitdem nicht angepasst wurde. Die Piloten fordern ca. 3,6 % Lohnsteigerung pro Jahr, rückwirkend für die 5 1/2 Jahre.
Es wird auch schlüssig und nachvollziehbar begründet, weshalb diese Forderungen berechtigt sind.
Um Ihnen mal auf die Sprünge zu helfen gehts hier zum Video der Vereinigung Cockpit:

http://www.vcockpit.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/news/video-zur-pk-der-vereinigung-cockpit-zum-scheitern-der-verguetungsverhandlungen-bei-lh.html

Herr Eduardo Lopez

24.11.2016, 09:36 Uhr

Hab ich etwas verpasst? Ist mir meine Föhigkeit des erfassenden Lesens abhanden gekommen? Wird in dem Artikel etwas zu den Jahreszahlen von Thyssen-Krupp geschrieben oder zu den Gehaltsforderungen der Piloten der Lufthansa?

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