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18.11.2013

11:56 Uhr

Jeremy Rifkin

„Wir müssen von der Kohle weg“

Sein Mantra ist die „dritte industrielle Revolution“: Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Bestsellerautor Jeremy Rifkin seine Thesen zur Energiewende. Vor allem sein Heimatland USA kommt dabei schlecht weg.

US-Ökonom Jeremy Rifkin mit seinem Werk „The Third Industrial Revolution“: „Wenn man mit der Energiewende angefangen hat, sollte man sich nicht wieder davon zurückziehen. Es ist wie mit Antibiotika - auch da müssen Sie die Packung zu Ende nehmen.“ AFP

US-Ökonom Jeremy Rifkin mit seinem Werk „The Third Industrial Revolution“: „Wenn man mit der Energiewende angefangen hat, sollte man sich nicht wieder davon zurückziehen. Es ist wie mit Antibiotika - auch da müssen Sie die Packung zu Ende nehmen.“

Es ist ein weiter Weg zum Ziel. Ein Fahrstuhl über zehn Stockwerke und zusätzlich fünf Treppen führen zu einem der höchsten Punkte Berlins: der Lounge im Turm am Frankfurter Tor in Friedrichshain, da wo die Karl-Marx-Allee in die Frankfurter Allee übergeht. Jeremy Rifkin, renommierter US-Autor und Berater sowie Gewinner des am Donnerstag verliehenen Energy Awards, redete dort mit Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs und Gästen über die neue Herausforderung der Wirtschaft: Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen.

Herr Rifkin, Sie haben bisher 19 Bücher geschrieben. Zuletzt eines über die Energiewende...
...gerade habe ich das 20. vollendet...

Vor neun Jahren haben Sie Europa als neue Supermacht beschrieben. Wenn Sie heute nach Deutschland kommen - denken Sie immer noch so?
Ich amüsiere mich immer, wenn meine Freunde aus den Vereinigten Staaten sagen, ja, Europa, da fahre ich gerne in den Ferien hin, es ist wie in einem Museum dort. Dann erinnere ich sie daran, dass das Bruttoinlandsprodukt der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union höher ist, und immer war, als das der 50 Staaten meiner Heimat.

Was läuft anders in Europa?
Wenn Sie junge Menschen fragen, was der amerikanische Traum ist, sagen sie: Wachstum. Und für den Einzelnen heißt das: viel Geld verdienen. Wenn Sie sie fragen, was der europäische Traum ist, sagen sie: eine nachhaltige Entwicklung. Hier geht es um individuelle Chancengleichheit, aber dies im Rahmen einer hohen Lebensqualität. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Diese Einstellungen spiegeln sich in der Wirtschaftspolitik wider: Amerika hat einen komplett unregulierten Markt - the winner takes it all. In Europa glaubt man an das Modell der sozialen Marktwirtschaft.

Die Frage ist, was sich durchsetzt.
Der europäische Traum orientiert sich viel stärker an den Problemen und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Wenn Sie sich mein Land anschauen - ausgenommen die Westküste, den Staat New York und Teile von Texas - dann fällt auf, dass es in vielen Dingen noch im 20. Jahrhundert steckt.

Sie sehen Europa in der Führungsrolle bei der von Ihnen propagierten „Third Industrial Revolution“, einer radikalen Energiewende?
Absolut. Es gab die erste industrielle Revolution im 19. Jahrhundert, dazu gehörte die Erfindung der Dampfdruckmaschinen. Im 20. Jahrhundert spielten Öl und Gas die große Rolle, wir erfanden Telefon und Fernsehen, die elektrische Versorgung wurde zentralisiert. Nun sind wir am Scheideweg zu einer dritten industriellen Revolution. Jeder produziert seine eigene Energie. Jedes Haus wird zum Mikrokraftwerk, mit Solar- und Windenergie, die gespeichert und online vertrieben wird. Deutschland, aber auch Dänemark sind den anderen dabei weit voraus.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 13:23 Uhr

Liebes Handelsblatt,

es ist ok, dass Sie Leuten wie Rifkin Platz einräumen. Aber es gibt nicht nur Grüne auf dieser Welt. Bringen Sie doch auch mal einen Artikel, der die gegensätzliche Meinung vertritt!

Beispielsweise,

dass "Nachhaltigkeit" nur Deckmantel ist für Fortschrittsverweigerer,

dass Amerika viel näher an dem Ideal der sozialen Marktwirtschaft ist als Europa, wo man dem Sozialismus viel näher ist

dass Kernkraft auch technologische Fortschritte macht, und damit viel umweltfreundlicher ist und wird als Erneuerbare Energien

usw. usw.

HansSchulze

18.11.2013, 13:36 Uhr

"45 Prozent des Wassers in Frankreich wird für die Kühlung der Atommeiler genutzt." Die Aussage ist doch offensichtlich falsch, ODER????

Account gelöscht!

18.11.2013, 14:04 Uhr

Das eigentliche Problem ist, dass die Quasibeamten von RWE (HofmannM und wie sie alle heißen) hier großspurig von Marktwirtschaft und Physik quasseln, nicht etwa weil sie davon Ahnung hätten, nein nur weil sie jede Menge Zeit haben. Jetzt schon, und erst Recht dann, wenn Sie abgebaut worden sind, wie die Kohle...

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