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28.05.2013

22:37 Uhr

Johannes Teyssen

Eon-Chef fordert Reform der Energiewende

Johannes Teyssen glaubt, dass die Energiewende der Umwelt mehr schadet als nutzt. Unter anderem fordert er, dass sich der Ökostrom ebenso im freien Markt behaupten müsse wie andere Energiequellen.

Eon-Chef Johannes Teyssen fordert einen Kurswechsel bei der Energiewende. Reuters

Eon-Chef Johannes Teyssen fordert einen Kurswechsel bei der Energiewende.

DüsseldorfE.ON -Chef Johannes Teyssen hat der Politik bei der Umsetzung der Energiewende ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und umgehende Reformen angemahnt. "Wir stehen vor einer Struktur, in der die Hauptziele der Energie-Politik verfehlt werden", sagte Teyssen am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der IHK und des Industrie-Clubs Düsseldorf. Die Energiewende habe zu steigenden Preisen, weniger Versorgungssicherheit und zu einem wachsenden Ausstoß des Klimagases CO2 geführt. Die Energiewende führe dazu, dass die erneuerbaren Energien Strom aus modernen Gaskraftwerken verdrängten und die Kohle Energie aus Atomkraftwerken.

Nach der Bundestagswahl im September werde es "ziemlich heftige Debatten" über die künftige Energiepolitik geben - denn "so wie bisher können wir nicht weiterfahren", sagte Teyssen. Die Versorgungssicherheit sei durch die Energiewende gesunken. Die Netzbetreiber müssten anders als in der Vergangenheit mehrfach täglich eingreifen, um die Versorgung zu sichern. Der E.ON-Chef beklagte eine "Über-Förderung" der erneuerbaren Energien. Der Ökostrom müsse "raus aus der Kuschelecke und rein in den Markt".

Teyssen verwies auch auf die Bedeutung der Energiepreise im internationalen Wettbewerb. Die USA drückten durch die Produktion von Gas aus Schiefergestein - das in Deutschland umstrittene Fracking - ihre Energiekosten und kurbelten ihr Wachstum an. Erdgas, auch ein Grundstoff für die chemische Industrie, sei in Deutschland etwa drei Mal teurer als in den USA. Fracking dürfe nicht "vorsorglich verteufelt" werden. E.ON selbst wolle die Technik aber nicht anwenden. Mit einer Rückkehr zur Atomkraft rechnet Teyssen nicht. Doch übte er erneut Kritik an den Beschlüssen zum beschleunigten Atomausstieg. Auch habe die Bundesregierung sich bei den Ausstiegsbeschlüssen zu wenig mit den europäischen Partnern abgesprochen.

Zwei Jahre nach dem beschleunigten Atomausstieg hadert E.ON weiterhin mit der Energiewende. Die Verdrängung der konventionellen Kraftwerke durch den vorrangig eingespeisten Ökostrom und die gefallenen Strom-Großhandelpreise drücken auf die Gewinne. Der E.ON-Chef will angesichts der Schwächen im Heimatmarkt das Wachstum in der Ferne vorantreiben. Brasilien, Russland und die Türkei seien für E.ON Wachstumsmärkte, sagte Teyssen. Allein in der Türkei habe der Konzern bereits neun Millionen Kunden. Insgesamt stehe E.ON aber weiter ein "ziemlich schwerer Ritt über ziemlich schweren Untergrund" bevor.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Rechtsberatung

28.05.2013, 23:47 Uhr

Man kann dem Herrn Theyssen nur vollumfänglich zustimmen !

Muttis populistische Wende nach der Wende hat uns tief in die Sch... geritten!

Account gelöscht!

29.05.2013, 00:04 Uhr

Da hat sich Teyssen aber noch zurückgehalten ! Die "Energiewende" ist ein riesiger Murks und in dieser Form nur deshalb zustandegekommen, weil die Merkel großen Druck von den Medien und aus der Grünlinken Ecke bekam. Kopflos, einfach nur Kopflos..

Die ganze Sache muss nachjustiert werden. Es kann nicht sein, dass wir jetzt zwar Wind- und Sonnenstrom statt Gasstrom haben, dafür jedoch der Kohlestrom von Monat zu Monat zunimmt !

Wir müssen die Vergütung für EEn senken, auch rückwirkend. Gleichzeitig muss der Einspeisevorrang und die Abnahmeverpflichtung bei EEn gestrichen werden.

Wirtschaftshistoriker

29.05.2013, 00:33 Uhr

Herrn Teyssen kann man in einem Punkt zustimmen: Politik hat völlig versagt, was den Energiebereich angeht. Der Unheil begann bereits mit der sog. Liberalisierung, dem Diktat des EU-Sojus. Danach handelten die Regierungen absolut opportunistisch, nur nach der kurzfristigen Wählergunst. Angeblich sollte die Wirtschaftsideologie der EU zu sinkenden Strompreisen (klar, Markt funktioniert "immer") und einer nach ökoreligiösen Vorstellungen "umweltfreundlichen" Stromversorgung führen. Ergebnis: mit übermäßiger Regulierung versucht der Gesetzgeber verzweifelt sich alles schön zu reden, aber in Wirklichkeit ist nichts davon eingetreten. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil der Begriff Energieversorgung die Bereiche Erzeugung, Transport, Vertrieb umfasst. Deshalb macht es Sinn eine Gesamtbetrachtung in Umbauüberlegungen einzubeziehen, statt nur an einer Stellschraube zu drehen. Einseitige Förderung erneuerbarer Energien ohne Überlegungen zu Anpassungen der Netzinfrastruktur (nicht notwendigerweise der überflüssig propagierte und überdimensionierte Netzausbau!!!) ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zum Thema Gaskraftwerke kann ich Herrn Teyssen nicht zustimmen, kann aber seinen Frust hier nachvollziehen. In sehr langfristiger Perspektiver wird die Energieversorgung auf fossilen Energieträgern allein nicht bauen können, da diese nun mal endlich sind. Schon allein deshalb macht es Sinn, sich über die Einbeziehung der erneuerbaren Energien zur Energieversorgung Gedanken zu machen. Teil 2 folgt...

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