Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2013

15:36 Uhr

Jürgen Thumann

Thyssen-Krupp Aufsichtsrat weist Vorwürfe gegen Kontrolleure zurück

ExklusivSkandale und Verluste plagen den Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Aufsichtsratsmitglied Jürgen Thumann weist Vorwürfe zurück, das Kontrollgremium sei seinen Pflichten nicht ausreichend nachgekommen.

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp ringt mit Problemen. AFP

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp ringt mit Problemen.

BrüsselThyssen-Krupp Aufsichtsratsmitglied Jürgen Thumann weist Vorwürfe zurück, er sei seinen Pflichten als Kontrolleur unzureichend nachgekommen. „Ich habe nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und mich eingesetzt“, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Angesichts der im vergangenen Geschäftsjahr aufgelaufenen Verluste und zahlreicher Skandale hatten Kritiker bemängelt, dass es den Mitgliedern des Kontrollgremiums an der Bereitschaft gemangelt habe, Vorgänge engagiert zu prüfen. Niemand mache sich in den eigenen Kreisen gern unbeliebt, hieß es. Die Skandale reichten von First-Class-Flügen samt touristischem Begleitprogramm für Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bis hin zu illegalen Absprachen im Schienengeschäft.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Mindestens 2000 Stellen sollen in den nächsten Jahren im europäischen Stahlgeschäft gestrichen werden. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

„Solche Kritik muss ich akzeptieren, ich mache sie mir aber nicht zu eigen“, entgegnete Ex-BDI-Chef Thumann nun, der seit rund fünf Jahren Mitglied im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns ist. Der Gremium  habe sich regelmäßig und häufiger getroffen, als es die Corporate Gouvernance vorsehe, mit allen damit verbundenen Recherchen und Prüfungen. „Im Rückblick verdichten sich die Dinge und man ist immer schlauer, als zum Zeitpunkt, zu dem sie geschehen“, bekräftigte Thumann.

Der Traditionskonzern steckt in der größten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) hatte der Konzern einen Verlust von fünf Milliarden Euro bekanntgeben müssen. Das ist der mit Abstand höchste Fehlbetrag in der Firmengeschichte.

Zudem kommen auf Thyssen-Krupp Schadenersatzforderungen wegen illegaler Kartellabsprachen mit Schienenherstellern zu. Auch wegen der Verluste hatte sich der Konzern vom halben Vorstand getrennt – Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen hatten vorzeitig gehen müssen.

Von

lud

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×