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21.03.2016

06:44 Uhr

Juwi-Gründer vor Gericht

Wiedersehen mit einem Sünder

VonAndreas Dörnfelder

Im Korruptionsprozess um den Windparkbauer Juwi trifft der angeklagte Gründer Matthias Willenbacher am zweiten Verhandlungstag auf den Mann, den er bevorteilt haben soll. Der Zeuge ist bereits schuldig gesprochen.

Handelsblatt vor Ort

Brisantes Wiedersehen im Prozess gegen Juwi-Gründer

Handelsblatt vor Ort: Brisantes Wiedersehen im Prozess gegen Juwi-Gründer

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MeiningenDer Mann hat seine Strafe erhalten. 13 Monate Haft auf Bewährung bekam der frühere Thüringer Innenminister Christian Köckert – unter anderem weil er sich von Deutschlands zweitgrößtem Windparkbauer Juwi einen unerlaubten Vorteil gewähren ließ.

So jedenfalls sah es der Bundesgerichtshof 2015 im Revisionsverfahren. An diesem Montag nun tritt der CDU-Politiker dem Manager gegenüber, der ihm den Vorteil gewährt haben soll. „Ich habe eine Zeugenladung bekommen und ich habe vor, auch hinzufahren“, sagte Köckert dem Handelsblatt.

Aufstieg und Fall der Juwi AG

Wie alles begann

1996 gründen die Bauernsöhne Fred Jung und Matthias Willenbacher in einer Studentenbude eine Firma für Windenergie-Projekte. Der Name ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen: Juwi.

Boom dank Subventionen

Juwi plant, baut und verkauft bald neben Windparks auch Solaranlagen. Das Unternehmen profitiert von üppigen Förderungen für Solar- und Windkraft aus dem im Jahr 2000 verabschiedeten Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). 2008 klettert der Umsatz von 153 auf 400 Millionen Euro. Juwi verfünffacht seinen Gewinn.

Die erste Milliarde

2011 erzielt die einstige Studentenbude erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Juwi verdoppelt die Zahl der Mitarbeiter auf mehr als 1700. Jung und Willenbacher haben viele neue Sparten gegründet: Juwi macht inzwischen Geschäfte mit Biogasanlagen, Holzpellets und Pflanzenerde, konstruiert eigene Windtürme und Gestelle für Solaranlagen und entwickelt Solarparkplätze für Elektroautos.

Ein Bestseller zur Unzeit

2013 veröffentlicht Matthias Willenbacher sein Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“. Der Gründer verspricht, die Hälfte seiner Firma zu verschenken, wenn Angela Merkel bis 2020 die Energiewende schafft. Im selben Jahr verliert Juwi fast ein Drittel des Umsatzes und macht 53 Millionen Euro Verlust. Die Eigenkapitalquote sinkt auf fünf Prozent.

Am Rande der Pleite

2014 steht die Juwi AG vor dem Aus. Das Unternehmen ist fast pleite, meldet weitere 112 Millionen Euro Verlust. Die Eigenkapitalquote sinkt auf 2,7 Prozent. Im Dezember rettet der Mannheimer Stadtwerkskonzern MVV Energie den Windparkbauer mit 100 Millionen Euro. Bald gibt es Differenzen zwischen Vorstand Willenbacher und den neuen Mehrheitseignern.

Juwi ohne „Ju“ und „Wi“

Matthias Willenbacher tritt zum 1. April 2015 aus dem Juwi-Vorstand aus und verlässt das Unternemen. Im Dezember kündigt auch Fred Jung seinen Austritt aus dem Vorstand an. Der Mannheimer Versorger MVV Energie hält nach einer weiteren Kapitalerhöhung inzwischen 63 Prozent der Juwi-Anteile. Der Konzern rechnet für die Tochter 2015 mit einer schwarzen Null.

Damit verspricht der zweite Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Juwi-Gründer und Ex-Vorstand Matthias Willenbacher Spannung. Der Schuldspruch gegen Köckert ist rechtskräftig. Der angeklagte Willenbacher dagegen hält sich für unschuldig. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass Köckert in der fraglichen Zeit Amtsträger war, sagte sein Verteidiger Gernot Zimmermann vor Prozessauftakt dem Handelsblatt.

Bei dem Prozess vor dem Landgericht Meiningen (Thüringen) geht es im Kern um einen Beratervertrag aus dem Jahr 2010, den Willenbacher als damaliger Vorstand der Juwi AG mit Köckert abgeschlossen hat. Dessen Auftrag: „Betreuung verschiedener, relevanter politischer Entscheidungsträger“. Das Problem: Gegenstand der Vereinbarung sollen auch mögliche Amtshandlungen von Köckert in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister der Stadt Eisenach gewesen sein.

Prozess gegen Juwi-Gründer: Ein unmoralisches Angebot

Prozess gegen Juwi-Gründer

Ein unmoralisches Angebot

Schmiergeld in Thüringen: Öko-Pionier Matthias Willenbacher soll einen Amtsträger in Eisenach bevorteilt haben. Heute steht der Gründer und Ex-Vorstand des Windparkbauers Juwi vor Gericht.

Unter anderem beeinflusste Köckert zu Juwis Gunsten eine Beschlussvorlage des Stadtrats zur Erweiterung von „Windvorranggebieten“. Außerdem beschaffte er dem Unternehmen wohl eine behördeninterne Liste mit Standortkoordinaten bestehender Windräder. Die Staatsanwaltschaft Erfurt sah in all dem eine unerlaubte Vorteilsgewährung von Willenbacher an Köckert – und klagte beide an.

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