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11.05.2016

17:07 Uhr

Juwi-Prozess

Freispruch für Matthias Willenbacher

VonAndreas Dörnfelder

Matthias Willenbacher kann durchatmen: Im Korruptionsprozess um den Windparkbauer Juwi wurde der Ex-Vorstand freigesprochen, dementsprechend erleichtert zeigte er sich. Doch das Urteil schafft eine skurrile Situation.

Der Juwi-Gründer beim Prozessauftakt am 7. März.

Matthias Willenbacher

Der Juwi-Gründer beim Prozessauftakt am 7. März.

MeiningenIm Korruptionsprozess um den Windparkbauer Juwi hat das Landgericht Meiningen den angeklagten Ex-Vorstand Matthias Willenbacher freigesprochen. Das Gericht sah es als nicht erwiesen an, dass der Unternehmer dem früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert einen verbotenen Vorteil gewährt hat. „Die Kammer ist nicht überzeugt, dass eine Unrechtsvereinbarung zustande gekommen ist“, sagte der vorsitzende Richter Wolfgang Feld-Gerdes in seiner Urteilsbegründung.

Willenbacher war angeklagt, weil er Köckert in dessen damaliger Eigenschaft als ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Eisenach bevorteilt haben soll. Im Kern ging es um einen Beratervertrag aus dem Jahr 2010, den Willenbacher als damaliger Vorstand der Juwi AG mit dem Politiker abgeschlossen hatte. Köckerts Auftrag: „Betreuung verschiedener, relevanter politischer Entscheidungsträger.“

Aufstieg und Fall der Juwi AG

Wie alles begann

1996 gründen die Bauernsöhne Fred Jung und Matthias Willenbacher in einer Studentenbude eine Firma für Windenergie-Projekte. Der Name ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen: Juwi.

Boom dank Subventionen

Juwi plant, baut und verkauft bald neben Windparks auch Solaranlagen. Das Unternehmen profitiert von üppigen Förderungen für Solar- und Windkraft aus dem im Jahr 2000 verabschiedeten Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). 2008 klettert der Umsatz von 153 auf 400 Millionen Euro. Juwi verfünffacht seinen Gewinn.

Die erste Milliarde

2011 erzielt die einstige Studentenbude erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Juwi verdoppelt die Zahl der Mitarbeiter auf mehr als 1700. Jung und Willenbacher haben viele neue Sparten gegründet: Juwi macht inzwischen Geschäfte mit Biogasanlagen, Holzpellets und Pflanzenerde, konstruiert eigene Windtürme und Gestelle für Solaranlagen und entwickelt Solarparkplätze für Elektroautos.

Ein Bestseller zur Unzeit

2013 veröffentlicht Matthias Willenbacher sein Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“. Der Gründer verspricht, die Hälfte seiner Firma zu verschenken, wenn Angela Merkel bis 2020 die Energiewende schafft. Im selben Jahr verliert Juwi fast ein Drittel des Umsatzes und macht 53 Millionen Euro Verlust. Die Eigenkapitalquote sinkt auf fünf Prozent.

Am Rande der Pleite

2014 steht die Juwi AG vor dem Aus. Das Unternehmen ist fast pleite, meldet weitere 112 Millionen Euro Verlust. Die Eigenkapitalquote sinkt auf 2,7 Prozent. Im Dezember rettet der Mannheimer Stadtwerkskonzern MVV Energie den Windparkbauer mit 100 Millionen Euro. Bald gibt es Differenzen zwischen Vorstand Willenbacher und den neuen Mehrheitseignern.

Juwi ohne „Ju“ und „Wi“

Matthias Willenbacher tritt zum 1. April 2015 aus dem Juwi-Vorstand aus und verlässt das Unternemen. Im Dezember kündigt auch Fred Jung seinen Austritt aus dem Vorstand an. Der Mannheimer Versorger MVV Energie hält nach einer weiteren Kapitalerhöhung inzwischen 63 Prozent der Juwi-Anteile. Der Konzern rechnet für die Tochter 2015 mit einer schwarzen Null.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt sah darin eine unerlaubte Vorteilsgewährung von Willenbacher an Köckert und klagte beide im Jahr 2013 an. In den Augen der Strafverfolger vereinbarten der damalige Juwi-Vorstand und der Politiker zumindest stillschweigend, dass Köckert im Rahmen seines Beratungsmandats auch dienstliche Handlungen in seiner damaligen Eigenschaft als ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Eisenach erbringt. In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin neun Monate Haft auf Bewährung und eine Geldauflage von 250.000 Euro für den Angeklagten und 580.000 Euro Geldbuße für die Juwi AG. Das Gericht folgte all dem nicht.

Der Freispruch schafft nun eine skurrile Situation. Denn Christian Köckert wurde 2015 in dem selben Fall höchstrichterlich wegen Vorteilsannahme schuldig gesprochen. Nun gibt es aber niemanden, der ihm diesen Vorteil strafbar gewährt hat. „Wenn der Vorteilsnehmer verurteilt wird, der beschuldigte Vorteilsgeber aber freigesprochen wird, ist das eher ungewöhnlich“, sagt etwa der Düsseldorfer Strafrechtler Heiko Ahlbrecht. Auch die Jura-Professorin Elisa Hoven von der Uni Köln stuft ein solches Ergebnis als ungewöhnlich ein. Allerdings seien die beiden Verfahren grundsätzlich voneinander unabhängig, so die Rechtswissenschaftlerin.

Juwi-Prozess: Willenbacher bricht sein Schweigen

Juwi-Prozess

Willenbacher bricht sein Schweigen

Am fünften Verhandlungstag im Korruptionsprozess um den Windparkbauer Juwi hat der angeklagte Ex-Vorstand Matthias Willenbacher erstmals ausgesagt. Es ist eine Abrechnung geworden.

Matthias Willenbacher reagierte sichtlich erleichtert auf das Urteil. Während der Richter die Entscheidung verkündete lächelte er. In seinem Schlusswort im Prozess hatte der Juwi-Gründer deutlich gemacht, dass er unter dem über vier Jahre dauernden Verfahren zu leiden hatte. Er habe kaum ein Gespräch führen können, in dem er nicht auf den Fall angesprochen wurde, sagte er.

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