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09.03.2013

15:04 Uhr

Kartellamt ermittelt

Razzia bei Vorständen von Thyssen-Krupp

ExklusivThyssen-Krupp ist bei Kartellabsprachen ein Wiederholungstäter. Jetzt durchsuchten Beamte auch die Privatwohnungen von Vorständen. Auslöser war eine anonyme Anzeige, in der erstaunlich viele Details offengelegt werden.

Thyssen-Krupp-Logo: Wiederholungstäter bei Kartellvergehen. dpa

Thyssen-Krupp-Logo: Wiederholungstäter bei Kartellvergehen.

DüsseldorfDas Bundeskartellamt hat bei ihren Ermittlungen gegen Thyssen-Krupp das Topmanagement des Ruhrkonzerns ins Visier genommen. Bei den Razzien vor anderthalb Wochen seien auch die Privaträume von einem Bereichsvorstand und einem früheren Vorstand der Stahltochter Thyssen-Krupp Europe durchsucht worden, wie das Handelsblatt aus Kreisen von Thyssen-Krupp erfahren hat. Die Behörde geht dem Verdacht nach, wonach Thyssen-Krupp mit Voestalpine und Arcelor-Mittal die Stahlpreise zulasten ihrer Automobilkunden illegal abgesprochen haben.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige. In dieser sei sehr detailliert festgehalten, wie das Kartell funktioniere, heißt es in informierten Kreisen. Am 28. Februar schlugen die Beamte des Kartellamtes dann zu. In Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsuchten sie zeitgleich Räume der drei Unternehmen – und eben auch die Privatwohnungen der zwei Thyssen-Krupp-Vorstände.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Mindestens 2000 Stellen sollen in den nächsten Jahren im europäischen Stahlgeschäft gestrichen werden. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

Einer von den beiden Managern war im Herbst bei Thyssen-Krupp ausgeschieden, er arbeitet inzwischen für einen Autozulieferer.

Thyssen-Krupp lehnten einen Kommentar dazu ab. Die Manager waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Es ist nicht der erst Kartellverdacht gegen die Firmen: Thyssen-Krupp wurde bereits für Kartelle in den Märkten Edelstahl, Aufzüge und Schienen zu Millionenstrafen verurteilt. Auch die österreichische Voestalpine und Weltmarktführer Arcelor-Mittal hatten ihre Kunden durch Absprachen übervorteilt.


Von

mur

Kommentare (4)

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HartWieKruppstahl

09.03.2013, 21:11 Uhr

Das wird nochmal teuer. Ich warte mal ab vor einem Einstieg bis die Aktie wieder bei 10,- steht.

Account gelöscht!

10.03.2013, 16:00 Uhr

warum lässt sich das Kartellamt nicht gleich ein paar Zimmer im ThyssenKrupp HQ geben. Dann können die sich Fahrtkosten sparen.

MUCKEFUCK

10.03.2013, 19:41 Uhr

"Auslöser war eine anonyme Anzeige, in der erstaunlich viele Details offengelegt werden."

Ist doch bestimmt auch abgesprochen, Stahl soll weg.

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