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16.10.2015

15:33 Uhr

Klimawandel

Big Oil im grünen Mantel

VonThomas Hanke

Zehn große Ölkonzerne stellen sich öffentlich hinter das Zwei-Grad-Ziel zur Begrenzung des Klimawandels. Doch die Gruppe steht im Verdacht, vor allem „Greenwashing“ zu betreiben. Dafür gibt es klare Hinweise.

Zehn große Ölkonzerne haben sich am Freitag in Paris zum 2-Grad-Ziel bekannt. AFP

Klima-Initiative

Zehn große Ölkonzerne haben sich am Freitag in Paris zum 2-Grad-Ziel bekannt.

ParisDie Klimakonferenz in Paris rückt näher. Das spüren auch die großen erdölproduzierenden Unternehmen der Welt. Der öffentliche Druck auf Konzerne, die viele Klimagifte erzeugen, nimmt zu. Zehn von ihnen haben sich am Freitag in Paris getroffen, um zu unterstreichen, dass auch Ihnen der Klimawandel nicht gleichgültig sei. „Das könnte ein historischer Moment sein“, sagte BP-Chef Bob Dudley, der mit sieben weiteren CEOs vor die Presse trat. „Wir unterstützen die Schaffung eines klaren politischen Rahmenabkommens, das mit der Erreichung des 2-Grad-Ziels für den Klimawandel kompatibel ist.“ erläuterte der BP-Mann.

Die zehn Unternehmen verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich für ein Rahmenabkommen aussprechen. Das würde es ihnen „erleichtern, auf der Grundlage klarer Informationen unsere Entscheidungen über Investitionen zu treffen und unseren Beitrag dazu zu leisten, den Klimawandel zu begrenzen.“ Die Konzerne sagen darüber hinaus zu, sie würden bei Forschung und Entwicklung, bei der Speichertechnik für Kohlendioxid und bei der Förderung eines Energiemixes mit mehr Gas zusammenarbeiten.

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Zu der „Oil and Gas Climate Initiative“, die Ende 2014 gegründet wurde, zählen die britische BG Group, BP, die italienische Eni, Pemex aus Mexiko, die indische Reliance Industries, Repsol aus Spanien, Saudi Aramco, Royal Dutch Shell, Statoil und die französische Total. Zusammen stehen sie für rund ein Fünftel der weltweiten Förderung von Öl und Gas. Prominente Abwesende sind alle US-Konzerne wie Exxon Mobil, Conoco Phillips und Chevron, die Russen, Brasilianer und Chinesen. Sie sind noch nicht dazu bereit, ihre Unterschrift unter das mittlerweile weltweit anerkannte 2-Grad-Ziel zu setzen.

Doch auch die Zehnergruppe steht im Verdacht, vor allem „Greenwashing“ zu betreiben, sich also ein grünes Mäntelchen umzuhängen. So fehlt etwa eine klare Aussage zum „Carbon Pricing“, also der Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen, um diese zu reduzieren.

Als einziger aus der Gruppe sprach der Norweger Eldar Sætre von Statoil Klartext: „Es gibt Gegensätze in unserer Gruppe, Carbon Pricing ist wohl das schwierigste Dilemma.“ Die Haltungen stimmten nicht überein, aber immerhin sei die gemeinsame Erklärung auch „nicht inkonsistent“ mit dem Ansatz der Bepreisung.

Die größten Öl- und Gaskonzerne der Welt

Platz 9

Petrobras, Brasilien

Jahresumsatz 2016: 81,41 Milliarden US-Dollar

Platz 8

Gazprom, Russland

Jahresumsatz: 99,73 Milliarden Dollar

Platz 7

Chevron (USA)

Jahresumsatz: 110,22 Milliarden Dollar

Platz 6

Total (Frankreich)

Jahresumsatz: 149,74 Milliarden Dollar

Platz 5

BP (Großbritannien)

Jahresumsatz: 183,01 Milliarden Dollar

Platz 4

Exxon Mobil (USA)

Jahresumsatz: 218,61 Milliarden Dollar

Platz 3

PetroChina (China)

Umsatz 2016: 232,83 Milliarden Dollar

Platz 2

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Jahresumsatz: 233,59 Milliarden Dollar

Platz 1

Sinopec (China)

Jahresumsatz: 278,04 Milliarden Dollar

Quelle

Unternehmensangaben/Statista

Tatsächlich sind die Interessen und Strategien sehr heterogen. Alle zehn sind dafür, vor allem den Einsatz von Kohle zu verringern. Doch nur ganz wenige haben sich verpflichtet, aus der Förderung und Verbrennung von Kohle auszusteigen. „Wir können gemeinsam ein Ziel unterstützen, aber da wir in einem harten internationalen Wettbewerb stehen, können Sie von uns keine gemeinsame Strategie erwarten“, meinte Dudley. Gerade bei Kohle bekommen die großen Energieunternehmen mittlerweile spürbaren Druck, der nicht nur von der öffentlichen Meinung ausgeht, sondern auch von den Finanzinstitutionen.

Am Donnerstag erklärte die große französische Investmentbank Natixis, sie werde in Zukunft keine Kohleprojekte mehr finanzieren. Ähnliche Zusagen gab es in den vergangenen Tagen und Wochen von verschiedenen großen Banken. Hinzu kommen die Versicherungsunternehmen, die wie etwa Axa bereits vor Monaten erklärt haben, sie würden sich von ihren Aktien von Kohleunternehmen trennen, die im eigenen Portfolio halten.

Kommentare (9)

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Frau Annette Bollmohr

16.10.2015, 15:49 Uhr

"Die Öffentlichkeit verlangt zunehmend nachprüfbare Aktionen."

Da hilft nur: Dranbleiben, und zwar hartnäckig.

Die Lobbyisten können alle viel reden, die Gesetze der Natur können sie trotzdem nicht außer Kraft setzen. Die da lauten: Je mehr fossile Energien verbrannt werden, desto schneller schreitet der Klimawandel voran.

Auch wenn einige das aus welchen Gründen auch offenbar immer immer noch nicht wahrhaben wollen, sie stellen aus guten Gründen inzwischen die Minderheit.

Herr Holger Narrog

16.10.2015, 15:56 Uhr

Grundsätzlich ist die "Klimawandeltheorie" derzufolge eine im Vergleich zum natürlichen Kohlenstoffkreislauf vernachlässigbar kleine zusätzliche CO2 Emission aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe den CO2 Gehalt massiv erhöht und aus welchen Gründen immer das Klima erwärmt*, wissenschaftlich armselig. Der Propagandadruck der Medien und der Politiker auf Wissenschaftler, Wirtschaft ist umso grösser.

Das sogenannte 2°C Ziel ist eine reines Propagandaschlagwort ohne sachlichen Hintergrund.

Erstaunlich ist, dass sich die genannten Ölgesellschaften deren Existenz auf dem Spiel steht nicht trauen diesem Schwindel zu entziehen.

Wünschenswert wäre es stattdessen wenn diese Firmen einen Teil der PR Budgets für eine IPCC (Klimaschwindlergremium) unabhängige Wissenschaft nutzen würden und die Bevölkerung über den Schwindel aufklären.

*Die Wirkung der sogenannten Klimagase H2O, CO2 und CH4 ist bislang nicht quantifiziert. Die Wirkung des CO2 Anteils erst recht nicht. Ob dies 0 - 2, oder 5% Anteil, H2O ist aufgrund der grösseren Absorptionsquerschnitte im massgeblichen Spektrum und des höheren Anteils in der Atmosphäre 13000ppm H2O vs. 400ppm CO2 unbestritten das Hauptklimagas. Wissenschaftlich wäre dies möglich, wäre jedoch sehr anspruchsvoll. Ich hoffe, dass sich ernsthafte Wissenschaftler nach Ende des Klimaschwindels dieser Aufgabe widmen.

Herr Holger Narrog

16.10.2015, 16:00 Uhr

Abseits ökoreligiöser Propagandaparolen?

Wie wollen Sie denn mit den aktuellen minimalen CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe den CO2 Gehalt der Atmosphäre ändern?

Wie wollen Sie mit dem geringen CO2 Anteil der Atmosphäre, 400ppm vs. 13000ppm Wasserdampf den Treibhauseffekt beeinflussen? Meinen Sie nicht, dass man besser erst einmal den Treibhauseffektanteil des CO2 quantifizieren sollte?

Was spräche dagegen den Ökolobbyismus zu thematisieren? Denken Sie an die 3-stelligen Millionenbeträge von Greenpeace, WWF und Co...

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