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20.02.2014

20:07 Uhr

Kohlefaser-Spezialist

SGL Group schreibt rote Zahlen

Mit Grafit und Kohlefasern ist derzeit schwer Geld zu machen. Das muss auch die SGL Group feststellen: In einem schwierigen Marktumfeld hat das Unternehmen Millionen-Verluste eingefahren.

Logo der SGL Group am Haupteingang des SGL Carbon-Werks in Meitingen: Im Karbonfaser-Geschäft machen Restrukturierungskosten und Abschreibungen dem Unternehmen zu schaffen. dpa

Logo der SGL Group am Haupteingang des SGL Carbon-Werks in Meitingen: Im Karbonfaser-Geschäft machen Restrukturierungskosten und Abschreibungen dem Unternehmen zu schaffen.

FrankfurtDer harte Preiskampf hat den Spezialgrafit-Hersteller SGL Group im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen getrieben. SGL weise für 2013 voraussichtlich einen Verlust von fast 400 Millionen Euro nach Steuern aus, teilte das Wiesbadener Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Zu dem hohen Minus habe nicht nur eine anhaltend schwache Geschäftsentwicklung im vierten Quartal beigetragen. Auch Restrukturierungskosten und Abschreibungen im Karbonfaser-Geschäft machten dem Unternehmen zu schaffen.

Wegen des hohen Verlusts sollen die Aktionäre leer ausgehen. Für das Jahr 2012 hatten die Eigner, zu denen die Autobauer BMW und VW gehören, noch eine Dividende von 20 Cent je Aktie erhalten. Der erst sei Jahresbeginn amtierende Konzernchef Jürgen Köhler machte den Anlegern wenig Hoffnung auf rasche Besserung. Vor allem das Kerngeschäft mit Grafitelektroden sei auch in den ersten Wochen des neuen Jahres schwach gewesen. Die Elektroden des Konzerns werden in Hochöfen eingesetzt, die aus Altmetall Stahl produzieren. „Sollte sich diese Entwicklung im Jahresverlauf nicht deutlich verbessern, wird es schwierig werden, das operative Ergebnisniveau aus 2013 zu erreichen“, warnte das Management.

Karbon, schwarze Magie im Autobau?

Was ist Karbon?

Mit Karbon bezeichnet man in der Automobilherstellung Bauteile, die aus industriell hergestellten Fasern kohlenstoffhaltiger Ausgangsmaterialien stammen. Dabei ist die einzelne Faser zehnmal dünner als ein menschliches Haar. Karbonfasern haben dennoch eine hohe Zugfestigkeit. Um sie für den Einsatz im Fahrzeugbau zu veredeln, müssen die Stränge erst oxidiert und dann bei 1.500 Grad Celsius karbonisiert werden. Für den automobilen Einsatz werden sie anschließend mit Siliciumcarbid kombiniert. Aus den Fasern werden maschinell Gewebe geflochten, rund 500.000 Fasern können dabei pro Quadratzoll ineinander verflochten sein. Diese Gewebematten werden in mehreren Lagen übereinander zu Bauteilen z.B. im Autoklav-Verfahren bei ca. 150 Grad gebacken. Zur Anwendung kommt im Autobau auch verstärkt CFK, das ist kohlefaserverstärkter Kunststoff.

Was sind die Vorteile?

Karbon ist hochfest und sehr leicht. Im BMW M3 spart ein Karbondach fünf Kilo Gewicht an einer für den Fahrzeug-Schwerpunkt relevanten Stelle ein. Beim getunten Mini Cooper S bringt eine Karbon-Motohauben-Diät schon 20 Kilo. Karbon absorbiert außerdem z.B. bei einem Auffahrunfall als Bauteil extrem viel Energie, deswegen wird es bevorzugt im Rennsport eingesetzt. Das Material kann in fast jede beliebige Form gepresst bzw. gebacken werden und es rostet nicht. Bei künftigen Elektroautos ist es wichtig, die Karosserien leichter zu machen, da die Batterien sehr schwer sind.

Warum ist die Herstellung so teuer?

Ein Beispiel: McLaren und Mercedes haben extra für die Produktion des Kofferraumdeckels des SLR Roadsters ein Pressverfahren entwickelt, bei dem die Herstellung von Karbonteilen kaum noch länger dauert als die von Stahlelementen. Doch müssen andere Komponenten mit dem Skalpell ausgeschnitten und aus bis zu 20 Schichten modelliert werden, bevor sie im so genannten Autoklaven bei bis zu 150 Grad unter hohem Druck wie im Schnellkochtopf gebacken werden. Bis zu 20 Stunden für ein Bauteil sind dabei keine Seltenheit. Daher würde eine A-Klasse aus Karbon mindestens doppelt so viel kosten wie eine herkömmliche - und hätte trotzdem keine Chance auf eine Serienfertigung: Die erforderlichen Stückzahlen sind bislang in der Karbon-Fertigung einfach nicht möglich.

Nachteile im Fahrzeugbau

Karbon ist durch die aufwendige Herstellung sehr teuer. Ein Nachteil für den Einsatz im Straßenverkehr ist die Eigenschaft des Materials, bei einem Unfall unkontrolliert zu zersplittern. Die teils sehr scharfen Kanten können zu schweren Verletzungen bzw. Beschädigungen führen. Außerdem kann Karbon nicht einfach repariert werden, - etwa durch schweißen, spachteln, schrauben -, was in jedem Fall einen (teuren) Austausch eines beschädigten Bauteils nötig macht. Dazu kommt die noch ungelöste Frage des Recyclings.

Der harte Preiskampf beim wichtigsten Produkt Grafitelektroden und eine schwache Nachfrage nach Spezialgrafiten setzten dem Konzern bereits im vergangenen Jahr massiv zu. Das Unternehmen kassierte seine Jahresziele und brachte um gegenzusteuern im August ein umfangreiches Sparprogramm auf den Weg. Dazu gehört auch die Streichung von weltweit 300 Arbeitsplätzen – die Hälfte davon in Deutschland – und die Schließung von Werken. Der Sparkurs soll bis Ende 2015 rund 150 Millionen Euro einbringen.

Seine heruntergeschraubte Jahresprognose für das operative Ergebnis (Ebitda) hat das MDax-Unternehmen nur knapp geschafft. Der Konzern hatte zuletzt für 2013 einen 50- bis 60-prozentigen Einbruch in Aussicht gestellt und erreichte jetzt das untere Ende der Spanne. 2012 wurde ein operativer Gewinn von 240 Millionen Euro erzielt, unter dem Strich hatte SGL 7,2 Millionen Euro verdient.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Zork

20.02.2014, 19:58 Uhr

Eine merkwürdige Firma; ich glaube, diese hat noch nie Gewinn gemacht?! Jedenfalls ohne Klatten wahrscheinlich nur die Hälfte wert.

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