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11.02.2016

16:57 Uhr

Kohlekraft in Tschechien

Das Ende der Dreckschleudern

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Energieriese CEZ, der für das Braunkohlegeschäft von Vattenfall bietet, inszeniert sich als moderner Kraftwerksbetreiber. Doch die Atomkraft bleib ein Problem. Eine Reise durch das tschechische Kohlerevier.

Das neue Kraftwerk soll für saubere Luft in Nordböhmen sorgen. CEZ

Aussichtsplattform in Ledvice

Das neue Kraftwerk soll für saubere Luft in Nordböhmen sorgen.

LedviceDie Luft ist glasklar. Die Sonne scheint. Das eisige Winterwetter ist für die Präsentation des modernsten Kohlekraftwerkes Tschechiens im nordböhmischen Ledvice wie bestellt. Denn der Betreiber CEZ, Europas achtgrößter Energiekonzern, will zeigen: Wir können auch modern und umweltfreundlich Strom aus Braunkohle produzieren.

Pavel Cyrani, der sportliche CEZ-Vorstand für Unternehmensentwicklung, deutet auf der 135 Meter hohen Aussichtsplattform des Kraftwerks in Ledvice an diesem klaren Wintertag mit dem Finger in die Ferne. Dort sind die waldreichen Hänge des Erzgebirges leicht zu erkennen. Die gewaltigen Windräder künden von der nahen Grenze zu Deutschland, der Heimat der Energiewende. „Unser Kraftwerk in Ledvice ist das höchste industrielle Gebäude der Tschechischen Republik“, stellt der Manager stolz fest, der über gute Deutschkenntnisse verfügt. Es ist das Schaufenster der Tschechen.

Vattenfall-Bieter CEZ: „Die Preise sind im freien Fall“

Vattenfall-Bieter CEZ

Premium „Die Preise sind im freien Fall“

Der tschechische Versorger CEZ bietet für das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall. Im Interview spricht Konzernchef Daniel Benes über seine Pläne für Deutschland, den fallenden Strompreis und erneuerbare Energien.

Die Gründe für die Imageoffensive des börsennotierten Unternehmens liegen auf der Hand. CEZ will vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall dessen Braunkohleaktivitäten in Ostdeutschland mit derzeit noch 8000 Mitarbeitern erwerben. Es geht um Kraftwerke an vier Standorten sowie vier noch aktive Braunkohletagebaue. Zum Paket gehören noch zehn Wasserkraftwerke, um das Interesse der Bieter zu steigern. Der Verkaufsprozess befindet sich auf der Zielgeraden. Bis Ende des Monats läuft die Prüfung der Bücher. Verbindliche Angebote sollen Vattenfall bis 16. März vorliegen. Bis Mitte des Jahres soll eine Verkaufsentscheidung fallen.

Der Energieriese CEZ mit einer Marktkapitalisierung von knapp acht Milliarden Euro, der sich mehrheitlich in den Händen des tschechischen Staates befindet, legt sich mächtig ins Zeug, um in Deutschland, Europas größtem Energiemarkt, zum Zug zu kommen. Als harter Wettbewerber für CEZ gilt der ebenfalls in Prag beheimatete Energieriese EPH. Dessen Vorstandschef Daniel Kretinsky hatte bereits vor einem knappen Jahr seinen Hut in den Ring geworfen.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Die Luft in dem ansonsten tristen Kohlerevier ist an diesem Tag deshalb so großartig, weil Ledvice, eine gute Autostunde nördlich von Prag, noch gar nicht in Betrieb ist. Es soll erst in diesen Tagen hochgefahren werden. Aber auch danach soll die Luft in Nordböhmen einigermaßen sauber sein. Das verspricht zumindest CEZ.

„Ledvice verwendet wie das nahe deutsche Kraftwerk Boxberg die gleiche Technologie mit den besten Emissionsparametern und dem höchsten Wirkungsgrad“, beteuert Cyrani und lächelt zufrieden. Das Braunkohlekraftwerk Boxberg befindet sich im Besitz von Vattenfall. „Ledvice ist ein Zwilling von Boxberg.“ Der Wirkungsgrad der Kohleverbrennung wird nach Unternehmensangaben einen Wert von 42,5 Prozent erreichen.

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