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01.03.2016

10:17 Uhr

Kommentar zu Klöckner & Co

Wettlauf mit der Zeit

VonMartin Wocher

Der Stahlhändler Klöckner und Co schreibt einen Rekordverlust. Konzernchef Gisbert Rühl ist dabei, das Unternehmen ins digitale Zeitalter zu überführen. Doch er sollte sich beeilen. Ein Kommentar.

Die Kundschaft muss sich erst noch an die neuen Möglichkeiten gewöhnen. Reuters

Klöckner-Chef Rühl

Die Kundschaft muss sich erst noch an die neuen Möglichkeiten gewöhnen.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass sich die Zeiten des lagerhaltenden Stahlhandels dem Ende zuneigen, findet er sich in den gerade vorlegten Zahlen von Europas größtem unabhängigen Stahlhändler Klöckner & Co: Der Duisburger Traditionskonzern verkündete am Dienstag einen Rekordverlust von fast 350 Millionen Euro. Schuld daran sind vor allem die hohen Abschreibungen auf US-Tochterunternehmen, deren Wert Konzernchef Gisbert Rühl wegen der stark gesunkenen Stahlpreise deutlich nach unten korrigieren musste.

Nicht umsonst versucht Rühl seit geraumer Zeit, digitale Plattformen aufzubauen, um die Ware schneller umzuschlagen. Denn bislang wurden die Stahlprodukte so lange im Lager vorgehalten, bis sie irgendwann einen Käufer fanden. Fielen die Preise in der Zwischenzeit kräftig wie in den letzten Monaten, waren Abschreibungen auf den Wert der Bestände fällig.

Martin Wocher ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Pablo Castagnola

Der Autor

Martin Wocher ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Die Strategie Rühls ist richtig, denn ihm bleibt fast keine Alternative. Die Frage ist nur, ob er es rechtzeitig schafft, den mehr als 100 Jahre alten Konzern rechtzeitig ins digitale Zeitalter zu überführen. Denn die Kundschaft muss sich erst noch an die neuen Möglichkeiten gewöhnen – Stahlkunden gelten als eher traditionelle Einkäufer, die immer noch gern über Telefon und Faxgerät bestellen.

Gleichzeitig versuchen aber auch die Stahlkonzerne selbst, ihre Produkte über digitale Vertriebswege direkt an die Endkunden zu bringen. So baut die Thyssen-Krupp-Handelstochter Materials Services in mehreren Ländern digitale Plattformen auf, über die auch kleine Gewerbetreibende oder Handwerker Bleche oder Stahlprofile direkt vom Hersteller kaufen können.

Die Digitalisierung hat den Stahlhandel inzwischen voll erfasst. Für Klöckner-Chef Rühl ist es ein Wettlauf mit der Zeit. Für ihn geht es jetzt darum, möglichst schnell signifikante Umsätze aus den neuen digitalen Vertriebswegen zu erzielen, um die Gefahr weiterer Abschreibungen zu verringern. Viel Zeit hat er dabei nicht, weitere Rekordverlust kann sich Klöckner einfach nicht leisten.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

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