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24.11.2016

09:04 Uhr

Kommentar zu Thyssen-Krupp

Heinrich Hiesinger und die Last der Vergangenheit

VonMartin Wocher

Thyssen-Krupp ist als stolzer Stahlkonzern großgeworden. Doch die Glanzzeit ist vorbei. Überkapazitäten und Billigimporte aus China drücken die Preise. Vor welchen Problemen Chef Heinrich Hiesinger steht. Ein Kommentar.

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Thyssenkrupp kämpft sich langsam aus der Stahlkrise heraus

Top-Thema: Thyssenkrupp kämpft sich langsam aus der Stahlkrise heraus

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EssenAls Heinrich Hiesinger vor knapp sechs Jahren den Vorstandsvorsitz beim kriselnden Traditionskonzern Thyssen-Krupp übernahm, trat er mit einer ganz klaren Agenda an: Konzentration auf die Technologiebereiche rund um Aufzüge, Autokomponenten und Anlagenbau und raus aus dem Stahl. Das entspricht seiner Überzeugung und deckt sich mit den Interessen der Investoren, an der Spitze der schwedische Großaktionär Cevian.

Zwar ist Thyssen-Krupp als Stahlkonzern groß geworden, doch die guten Zeiten sind längst vorbei. Weltweite Überkapazitäten drücken auf die Preise, gleichzeitig drängen verstärkt Stahlimporte vor allem chinesischer Hersteller auf die wichtigen Märkte Europa und den USA.

Das Geschäft ist schwankungsanfällig und kapitalintensiv. Das zeigt sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr: Wieder einmal verhagelte die Entwicklung auf den Werkstoffmärkten die Bilanz des Konzerns. Die Technologiebereiche sorgten dagegen für die Stabilität, die der Ruhrkonzern so dringend braucht.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Doch so schnell wird Hiesinger die Lasten der Vergangenheit nicht los. Zwar treibt er das Thema Konsolidierung voran und möchte am liebsten seine Stahlsparte mit den europäischen Werken des indischen Tata-Konglomerats in Großbritannien und den Niederlanden fusionieren. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel, ob sich diese Lösung – wenn überhaupt – in absehbarer Zeit und dann noch mit einem positiven Ausgang für Thyssen-Krupp realisieren lässt.

Zu viele Hürden haben sich inzwischen aufgebaut: Der Brexit, der abrupte Führungswechsel bei Tata, die Ungewissheit über die Zukunft der maroden britischen Werke, der Widerstand in der eigenen Belegschaft – das alles spricht gegen eine schnelle Lösung. Und eine Alternative, wie etwa ein Zusammengehen mit dem deutschen Konkurrenten Salzgitter, sind nicht in Sicht. Dessen Vorstandschef lehnt solch ein Vorgehen ab – und genießt dabei die Rückendeckung seines Hauptaktionärs, des Landes Niedersachsen.

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Die Ergebnisse stagnieren, Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger will daher den Umbau des Konzerns vorantreiben. Eine Lösung für die Stahlsparte soll her. Und auch ein U-Boot-Deal in Israel belastet den Konzern.

Hiesinger kann das alles nicht gefallen. Aber vorerst bleibt ihm nichts anderes übrig, anstatt des großen Wurfs eine Politik der kleineren Schritte zu verfolgen. Sein Stahlchef Andreas Goss hat schon die Aufgabe bekommen, bis zum Frühjahr 2017 eine Strategie vorzulegen, wie die Sparte in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro einsparen kann. Das hilft dem Konzern, aber auch dem Stahlbereich.

Derart auf Effizienz getrimmt, kann sie sich im internationalen Wettbewerb besser behaupten. Damit steigt die Attraktivität und somit auch die Chance, einen Partner auf Augenhöhe zu finden. Hiesingers Strategie könnte doch noch zum Ziel führen – wenn auch später als von ihm gedacht.

Kommentare (4)

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Herr Josef Schmidt

24.11.2016, 10:22 Uhr

Die Chinesen haben die deutsche Solar, Wind und Stahlindustrie durch ihre Billigexporte kaputt gemacht. Nach dem Kauf von weiteren Schlüsseltechnologien und Erwerb wichtiger Firmen und deren Knowhow wird der Industriestandort Deutschland bald trockengelegt. Auch die deutsche Autoindustrie wird bald folgen.

Und unsere Politiker labern weiter was von Freihandel.

Account gelöscht!

24.11.2016, 10:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Pia Paff

24.11.2016, 10:48 Uhr

Erst wenn der letzte GRÜNE von dannen ist ... kehrt Normalität ein. Das sind Bastarde.

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