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07.12.2013

09:39 Uhr

Konjunktur

Stahlkocher wollen Tränental verlassen

Dieses Jahr war wieder mal ein schwarzes für die deutsche Stahlbranche. Mit harten Sparprogrammen und dem Abbau von Überkapazitäten wollen die Unternehmen 2014 aus dem Tal herauskommen.

Eisenabstich vor einem Hochofen der Salzgitter AG: Die Stahlbranche hofft auf mehr Licht im nächsten Jahr. dpa

Eisenabstich vor einem Hochofen der Salzgitter AG: Die Stahlbranche hofft auf mehr Licht im nächsten Jahr.

DüsseldorfGeplagt von Überkapazitäten, Preisdruck und Verlusten wartet die Stahlbranche weiter auf eine grundlegende Erholung. Zuletzt hätten sich die Anzeichen verdichtet, dass die wirtschaftliche Talsohle durchschritten ist, sagte kürzlich der Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl Hans Jürgen Kerkhoff. Er rechnet damit, dass sich die Stahlkonjunktur im kommenden Jahr zumindest moderat erholen wird. Der Präsident des europäischen Branchenverbands Eurofer, Wolfgang Eder, ist noch skeptisch: „Ob wir endlich eine etwas beständigere Erholung bekommen, wird sich nach dem ersten Quartal zeigen.“

Noch hat die Stahlbranche den Einbruch nach der Finanzkrise nicht wettgemacht. Europaweit liegt die Stahlnachfrage weiter 30 Prozent unter dem Wert des Boomjahres 2007, heißt es bei den Branchenverbänden. Nach Ansicht vieler Branchenexperten hat die Industrie darauf bislang nicht adäquat reagiert. Immer noch lasten zu viele Kapazitäten auf dem Markt. Von den gut 230 Millionen Tonnen, die pro Jahr in Europa hergestellt werden können, werden den Experten zufolge mindestens 30 Millionen nicht gebraucht. Das drückt auf die Preise.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Dabei ist die Industrie in Deutschland dank der guten Wirtschaftslage hierzulande noch vergleichsweise gut dran. Die Anlagen sind Angaben der Branche zufolge bis zu 83 Prozent ausgelastet. Davon können die Unternehmen in anderen Ländern nur träumen. Doch die Stahlhütten verdienen kaum noch Geld. Die Rohstoffkosten sind bei weitem nicht so stark gesunken wie die Verkaufspreise. Zudem klagen die Unternehmen über im internationalen Vergleich hohe Energiekosten.

Die schwache Nachfrage rührt auch daher, dass sich viele Stahlhändler und -verarbeiter seit der Wirtschaftskrise extrem vorsichtig verhalten. Um nicht noch einmal mit vollen Lagern in einen Abschwung zu rutschen, halten sie extrem niedrige Vorräte. Darin sehen die Hütten nach wie vor eine große Chance. Denn: Wer wenig Vorräte hat, muss im Fall eines Aufschwungs besonders viel bestellen. Doch bewahrheitet hat sich diese Hoffnung in den vergangenen beiden Jahren nicht.

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