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03.11.2015

20:00 Uhr

Konzern in Existenznot

Kurspanik bei Solarworld

VonFranz Hubik

Dramatischer Kurseinbruch bei Solarworld: Die Anleger reagieren entsetzt auf eine drohende Prozessniederlage in den USA. Für den einstigen Solar-Pionier aus Deutschland geht es nun um die Existenz.

Das Zittern geht weiter

Muss Solarworld 800 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen?

Das Zittern geht weiter: Muss Solarworld 800 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen?

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DüsseldorfSchockstarre in Bonn: Ein US-Gericht kassiert das Hauptargument von Europas größtem Solarmodulhersteller in einer existenzbedrohenden Klage. Die Anleger von Solarworld reagieren entsetzt. Die Aktie fällt ins Bodenlose. Die Meldung ist bereits einige Tage alt, und auf den ersten Blick wahrlich nur für juristische Feinspitze von Interesse.

Als das „Wall Street Journal“ vergangene Woche Freitag berichtete, dass sich der börsennotierte Photovoltaikkonzern Solarworld in einem Rechtsstreit nicht auf das europäische Kartellrecht berufen darf, passierte nichts. Rein gar nichts. Wen kümmert es schließlich, wenn ein Gericht kein Urteil, sondern bloß eine Teilentscheidung über die Zulässigkeit eines Arguments fällt? Eben.

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Der Solarworld-Chef bangt wegen 800-Millionen-Klage um sein Lebenswerk: Ein US-Gericht hat sein Kernargument für nichtig erklärt. Verliert Asbeck, droht Solarworld die Insolvenz. Die Schuldigen hat er schnell ausgemacht.

Die Tragweite der Entscheidung des US-Richters wird mit Verspätung aber immer mehr Anlegern von Solarworld bewusst. Die Folge: Binnen einer Stunde halbierte sich am Montagnachmittag der Aktienkurs von Europas größtem Solarmodulhersteller. Am Ende des Tages stand ein Minus von mehr als 26 Prozent. Und auch heute, Dienstag, ging es an der Börse für Solarworld zwischenzeitlich weiter bergab.

Es ist eben nicht irgendein Rechtsstreit. Der Siliziumlieferant Hemlock Semiconductor verklagt Solarworld, Umsatz 573 Millionen Euro, wegen nicht eingehaltener Verträge auf rund 800 Millionen Dollar Schadensersatz. Im Falle einer Niederlage vor Gericht geht es für Solarworld um die Existenz. Und die Gefahr, dass der Bonner Konzern die seit Jahren andauernde Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Rohstofflieferanten tatsächlich verliert, ist deutlich gestiegen. Denn das US-Gericht hat nicht irgendein Argument von Solarworld kassiert, sondern deren Hauptargument.

„Solarworld hat sich immer auf das Kartellrecht als Kernargument berufen“, sagt Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Research. „Das fällt jetzt erstmal weg.“ Deutschlands letzter großer Solarpaneel-Produzent behauptete zwar stets, noch andere, weittragende Argumente in dem Verfahren vorzubringen, blieb aber konkrete Einwendungen schuldig. Bis jetzt.

„Ein Argument welches unsere Auffassung von der Nichtigkeit der Verträge stützt, ist die illegale Dumpingaktivität chinesischer Photovoltaik-Hersteller auf dem US-Markt“, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck dem Handelsblatt.

Das US-amerikanische Recht sehe vor, dass bei Dumping „vertragliche Verpflichtungen auf dem betroffenen Markt nicht mehr durchgesetzt werden dürfen“, erklärte Asbeck. Der Solarpionier gab sich „zuversichtlich“, dass die Gerichte seiner Argumentation folgen.

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