Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

14:57 Uhr

Konzernumbau bei RWE

Teriums Favoriten für den Vorstand

Großumbau bei RWE: Der Essener Energiekonzern strickt an neuen Steuerungs- und Führungsmodellen für verschiedene Sparten. Der Vorstand soll vergrößert werden. Die Kandidaten stehen bereits in den Startlöchern.

Braunkohle, Atomkraft und Co.

Wird das Geld knapp bei RWE?

Braunkohle, Atomkraft und Co.: Wird das Geld knapp bei RWE?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium schlägt bei dem geplanten Konzernumbau erste Pflöcke ein. Für die neuen Sparten Vertrieb, Netze, Erneuerbare Energie und die Stromerzeugung aus Kohle- und Gaskraftwerken würden Steuerungs- und Führungsmodelle entwickelt, hieß es in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag.

Zunächst gehe es vor allem um die Sparten Netz und Vertrieb. Hier benannte RWE zudem jeweils Manager, sogenannte Sponsoren, die gute Chancen auf die später noch zu benennenden Vorstandsposten haben dürften. Den Netzbereich könnte demnach der Chef der derzeitigen RWE Deutschland AG, Arndt Neuhaus, leiten. Sponsor der Vertriebssparte sei der Osteuropa-Chef Martin Herrmann.

Werner Müller oder Werner Brandt?: Machtkampf um neuen Aufsichtsratschef für RWE

Werner Müller oder Werner Brandt?

Premium Machtkampf um neuen Aufsichtsratschef für RWE

Aufsichtsratschef Schneider liegt im Clinch mit den einflussreichen kommunalen RWE-Aktionären: Sie wollen Ex-Wirtschaftsminister Müller als neuen Oberkontrolleur – es wäre eine gefährliche Wahl für Vorstandschef Terium.

„Wir rücken in schwierigen Zeiten zusammen“, schrieb Konzernchef Peter Terium den Mitarbeitern. „Das bedeutet auch, dass wir die Sparten direkt aus dem RWE AG-Vorstand heraus aus einem Guss steuern, um schneller bessere Ergebnisse zu erzielen.“ Er versicherte zugleich, dass es bei den Projekten nicht um den Abbau von Arbeitsplätzen gehe. „Bei diesem Vorstandsauftrag geht es ausschließlich um das Management – nicht um die Mitarbeiter.“

Terium hatte im August die Auflösung und Verschmelzung Dutzender Konzerngesellschaften auf den Weg gebracht. Der vierköpfige Vorstand soll bis 2017 auf sieben Mitglieder erweitert werden. Neben Neuhaus und Herrmann gilt Kraftwerkschef Matthias Hartung als Favorit für den Vorstandsposten der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke. Für das Ökostromgeschäft käme der jetzige Chef der Tochter RWE Innogy, Hans Bünting, in Frage. Gehandelt wird aber auch seit längerem die Chefin des Stromlobbyverbandes BDEW, Hildegard Müller. Der Verband und auch Müller wollten sich dazu am Donnerstag nicht äußern.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×