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12.07.2013

06:11 Uhr

Krise bei SGL Carbon

Der Stoff aus dem die Träume waren

VonGrischa Brower-Rabinowitsch, Lukas Bay

Jahrelang wurde Carbon als Werkstoff der Zukunft gefeiert. Doch der wirtschaftliche Erfolg mit dem „schwarzen Gold“ ist bisher ausgeblieben. Marktführer SGL Carbon steckt tief in der Krise.

Das schwarze Gold: Mit dem Zukunftswerkstoff Karbon verdient SGL Carbon bisher kein Geld.

Das schwarze Gold: Mit dem Zukunftswerkstoff Karbon verdient SGL Carbon bisher kein Geld.

DüsseldorfNormalerweise gilt BMW-Erbin Susanne Klatten als geduldige Investorin. Bei ihren Beteiligungen überlässt die reichste Frau Deutschlands das Rampenlicht meist anderen. Für SGL Carbon machte die 51-Jährige Ende April eine Ausnahme - und übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates. Ein Schritt, den Klatten selbst bei ihren langfristigen Investments Altana und Nordex nie gegangen war. Das Geschäft mit den Zukunftsstoff Karbon scheint Klatten zu wichtig zu sein, um es den anderen zu überlassen. Ihr Einstieg soll die Wende bei einem Unternehmen einleiten, das tief in der Krise steckt.

Ende Juni musste SGL Carbon erneut die Jahresprognose kassieren, nachdem es die Ziele schon im April deutlich gesenkt hatte. Man erwarte 2013 inzwischen einen Einbruch des operativen Gewinns (Ebitda) um 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als vor Wertberichtigungen 240 Millionen Euro zu Buche standen, teilte das Unternehmen mit.

Am Montag gab es die Quittung dafür: Die Ratingagenturen Moody's und S&P stuften die Kreditwürdigkeit von SGL Carbon um eine Stufe herab. Beide Agenturen drohten weitere Herabstufungen der Bonität an, falls sich Gewinne und Schuldenlage nicht spürbar verbesserten. SGL hatte Ende März Nettofinanzschulden von 480 Millionen Euro und im ersten Quartal einen Gewinn (Ebit) von nur 13 Millionen Euro gemacht.

Die Verluste von SGL Carbon sind auch Klattens Verluste: Mit ihrer Investmentfirma SKion gehören ihr etwa 28 Prozent des Wiesbadener Unternehmen. Als VW plötzlich Ende 2011 acht Prozent an SGL Carbon kaufte, sicherte sich auch BMW 16 Prozent und bestimmt seitdem zusammen mit Klatten die Geschicke des Karbonherstellers. Zusammen halten sie etwa 44 Prozent an dem Unternehmen. Es sollte ein Investment in die Zukunft werden.

Mit Karbon, so die Hoffnung der Investoren, sollten die Autos und Flugzeuge der Zukunft gebaut werden, ultra-leicht und trotzdem enorm widerstandsfähig. Und SGL Carbon schien immer so etwas wie die Heimat des Karbons zu sein.

Doch bisher bleibt der Erfolg des Karbons in der Automobil- und Flugzeugindustrie nicht mehr als ein uneingelöstes Versprechen. Seit das Unternehmen Mitte der 90er Jahre von Hoechst abgespalten wurde, hat es die Aktionäre mit der Story des Werkstoffs Karbon gelockt. Immer wieder hatte SGL-Carbon Chef Robert Koehler den Durchbruch angekündigt. Doch Geld verdiente SGL Carbon mit anderen Unternehmensbereichen.

Kommentare (5)

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Banksterbasher

12.07.2013, 08:56 Uhr

Eine alte Weisheit lautet: Mach das Gegenteil von dem was Banken raten! Also ist wohl ein guter Zeitpunkt zum kaufen!

Account gelöscht!

12.07.2013, 09:45 Uhr

Ein Bekannter hatte mal das Vergnügen "Carbon-Experten" von BMW in Niederbayern kennenzulernen. Sein Urteil: absolute Inkompetenz, Ideen- und Mutlosigkeit.

Account gelöscht!

12.07.2013, 09:55 Uhr

Na dann kaufen Sie Solarworld.

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