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01.08.2013

16:13 Uhr

K+S unter Druck

Russen treiben Dax-Konzern zur Verzweiflung

VonJörg Hackhausen, Sebastian Ertinger, Martin Dowideit

ExklusivAufregung um K+S: Der Dax-Konzern verlor Anfang August ein Drittel an Wert. Analysten stellen das K+S-Geschäftsmodell in Frage. Dahinter könnte das Kalkül eines Konkurrenten stecken. Der Chef beruhigt seine Mitarbeiter.

K+S-Zentrale in Kassel: Der Konzern ist aufgeschreckt nach einem Kurseinbruch. dpa

K+S-Zentrale in Kassel: Der Konzern ist aufgeschreckt nach einem Kurseinbruch.

DüsseldorfEs ist eine Woche, die K+S-Chef Norbert Steiner wohl am liebsten vergessen würde: Das, was er in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat, scheint innerhalb weniger Tage zusammen zu brechen. Die Aktie stürzt um fast ein Drittel ab. Investoren nehmen Reißaus. Analysten stellen das Geschäftsmodell in Frage. Was steckt hinter dem plötzlichen Absturz? Wurde er etwa absichtlich herbeigeführt? Der Chef selbst weiß keine überzeugende Antwort. Klar ist nur: Ein Konkurrent hat dem Dax-Konzern einen schweren Schlag versetzt.

Anfang der Woche hatte sich Wladislaw Baumgertner, Chef von Uralkali, zu Wort gemeldet. Das Unternehmen aus Russland ist einer der Branchenführer im Kali-Bergbau. Baumgertner sagte einen Einbruch der Kalipreise auf 300 Dollar voraus. Den Preisverfall wolle er ausgleichen, indem er künftig mehr Masse auf den Markt wirft. Im gleichen Atemzug kündigte er eine Allianz zum gemeinsamen Vertrieb der Produkte auf. Bislang hatte sich die Branche bei den Preisen weitgehend abgestimmt. Damit war klar: Ein erbitterter Preiskampf steht bevor - und K+S wird es hart treffen.

Schon am Dienstag, als die Nachricht die Runde macht, brechen die Aktienkurse der Kaliproduzenten weltweit ein, am Tag darauf noch weiter. Der Börsenwert von K+S schrumpft in nur zwei Tagen von mehr als fünf Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro. Erst am Donnerstag hat sich der Kurs gefangen, die Aktie lag zwei Prozent im Plus. Andere Firmen wie Potash Corp oder Intrepid Potash aus Nordamerika sind ebenfalls abgestürzt, wenn auch nicht ganz so tief. Auch die Aktie von Uralkali knickte ein.

Die größten Kaliproduzenten

Uralkali (Russland)

Kaliproduktion: 12,1 Millionen Tonnen

Weltweite Produktion 2014

Belaruskali (Weißrussland)

Kaliproduktion: 10,3 Millionen Tonnen

Potash Corp (Kanada)

Kaliproduktion: 8,8 Millionen Tonnen

Mosaic (USA)

Kaliproduktion: 8,3 Millionen Tonnen

K+S (Deutschland)

Kaliproduktion: 5,7 Millionen Tonnen

ICL (Israel)

Kaliproduktion: 5,1 Millionen Tonnen

K+S-Chef Steiner müht sich, die Lage zu beruhigen. Was er am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter schreibt, der Handelsblatt Online vorliegt, klingt, als könne die eigene Truppe dringend Aufmunterung gebrauchen: „Wir haben (...) des öfteren Phasen der Unsicherheit an den Kali-Märkten erlebt und gemeinsam gemeistert (...) – warum soll das jetzt anders sein?“ Eine Erklärung für den plötzlichen Absturz kann er nicht geben, vieles bleibt im Vagen. Zu den Preisprognosen des Konkurrenten könne er „aufgrund fehlender belastbarer Informationen“ nichts sagen, schreibt Steiner. Die positiven langfristigen Trends im Kalidüngemittelgeschäft hätten „weiterhin Bestand“.

Jahrelang liefen die Geschäfte für K+S fantastisch. Kali, das wichtigste Produkt der Firma, verkaufte sich blendend. Auf dem Weltmarkt klettert der Preis für das Düngemittel immer höher. Legendär ist eine Geschichte aus dem Jahr 2008. Ein Frachter, voll beladen mit Kali, schipperte um die halbe Welt, von Russland nach Brasilien. Die Ware an Bord wurde verkauft, noch bevor das Schiff den Hafen erreichte – für 1000 Dollar pro Tonne. Ein Rekord. Die Branche konnte ihr Glück kaum fassen. Für weniger als ein Zehntel des Verkaufspreises holte sie den Rohstoff aus dem Boden. Auch für K+S aus Kassel waren das goldene Zeiten.

Doch die sind vorbei. Die Nachfrage in wichtigen Märkten wie Indien ist deutlich zurückgegangen, die Kalipreise in Richtung 400 Dollar gesunken. In dieser ohnehin schon angespannten Lage sorgen die Aussagen von Uralkali für einen Schock.

Kommentare (22)

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herman

01.08.2013, 17:18 Uhr

Dahinter steckt unglaublich verblendetes Produktionskostenmanagement.
Wenn die Kosten der Wettbewerber abgesichert extrem unter den eigenen lagen, wurden dies über Jahrzehnte zu nicht nachvollziehbar umdeklariert. Der Wettbewerbsdruck auf die Produktion wurde bis zur Nichtexistenz vermieden. Fallen dann vom Markt oligopolistische Marktpreisabstimmungen weg, zahlt das Unternehmen für die mangelnde Anpassungsfähigkeit seiner Produktion einen sehr bitteren Preis. Ist der BASF-Gruppe schon gegen viele auch deutsche Wettbewerber passiert. Hat nix mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu tun.

eksom

01.08.2013, 17:25 Uhr

Ist doch schön! Nachdem Putin über die Erdgaslieferungen und sein Freund GAZPROM-Schröder die Deutschen kontrolliert, lenkt und manipuliert, kommt jetzt noch ein Russe dazu und steuert seine Anteil mit der Kalikanone bei! Noch mehr Abhängigkeit von den Russen dank MERKEL und CO., sowie Dank GAZPROM-Schröder.

orakel

01.08.2013, 17:51 Uhr

Uralkali will also mithilfe eines Preiskampfes kleinere Produzenten plattmachen.
K+S sollte gemeinsam mit der Regierung eine gute Strategie
entwickeln und konsequent umsetzen.
Das Vorgehen von Uralkali schadet der ganzen Branche, denn China und Indien haben nun gut lachen und werden die Preise ins Bodenlosen treiben.
Die deutsche Regierung sollte durch Absprachen dafür sorgen, daß Uralkali zumindest in Europa boykottiert wird, bzw. ihre Geschäfte behindert werden.
Diesbezüglich muß auch mit den Amerikanern u. Kanadiern gesprochen werden.

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