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16.08.2016

16:40 Uhr

Linde und Praxair vor Fusion?

Dax-Konzern will wieder Weltmarktführer werden

Es wäre eine der größten Transaktionen in diesem Jahr: Der Dax-Konzern Linde und US-Wettbewerber Praxair loten eine Fusion aus. Damit würden die Münchener die Weltmarktführerschaft zurückerobern.

Die Produktionsfirma des Gaseherstellers Linde in Wien: Der Dax-Konzern redet über eine Fusion mit Praxair. Reuters

Linde-Logos

Die Produktionsfirma des Gaseherstellers Linde in Wien: Der Dax-Konzern redet über eine Fusion mit Praxair.

New YorkDer Industriegasekonzern Linde lotet einen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Praxair aus. Es gebe entsprechende Gespräche, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Dienstag. Diese seien aber noch in einem frühen Stadium. Der Dax-Konzern bestätigte entsprechende Berichte am Dienstag offiziell. „Die Gespräche laufen und haben noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt. Entsprechend ist derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Transaktion geben wird“, teilten die Münchener mit. Sollten die Gespräche fortgesetzt werden, wolle das Unternehmen die Öffentlichkeit entsprechend informieren.

Linde habe einen Zusammenschluss auf Augenhöhe im Visier, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Aktientausch sei denkbar. Beide Unternehmen sind an der Börse derzeit etwa 30 Milliarden Dollar wert. Linde, nach der Übernahme von Airgas durch Air Liquide nur noch Nummer zwei auf dem Weltmarkt, könnte die Franzosen durch die Fusion mit dem Branchendritten Praxair wieder überholen.

Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ über Fusionsgespräche zwischen Linde und Praxair berichtet, ohne Details zu nennen. Die Gespräche seien noch wenig konkret und könnten durchaus noch scheitern, sagten zwei Insider. Linde wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Der Münchner Gase-Spezialist ist im Dax notiert und beschäftigt weltweit rund 64.500 Menschen, Praxair nach eigenen Angaben rund 26.000.

Die weltweit größten Industriegasekonzerne

Air Liquide

Die Franzosen wurden mit dem Kauf des US-Konkurrenten Airgas zuletzt wieder zum größten Industriegaseunternehmen der Welt.

Umsatz: 21,2 Milliarden Euro

Gewinn: 1,8 Milliarden Euro (ohne Airgas)

Marktpräsenz: 80 Länder

Mitarbeiter: 68.000

Hauptsitz: Paris

Linde

Umsatz: 18 Milliarden Euro

Gewinn: 1,15 Milliarden Euro

Marktpräsenz: 100 Länder

Mitarbeiter: 64.500

Hauptsitz: München

Praxair

Umsatz: 10,8 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,68 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter: 26.000

Hauptsitz: Danbury, Connecticut

Air Products

Umsatz: 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,43 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter. 19.000

Hauptsitz: Allentown, Pennsylvania

Die Amerikaner sind mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 9,6 Milliarden Euro nur etwa halb so groß wie Linde, mit einem Gewinn von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro aber wesentlich profitabler. Die Münchner erwirtschaften bei einem Umsatz von 18 Milliarden Euro nur 1,15 Milliarden Euro.

Allerdings wird Praxair an der Börse höher bewertet als Linde. Dennoch könne sich eine Fusion rechnen, weil hohe Synergien zu erwarten seien. Dies wiederum dürfte Widerstand bei den Arbeitnehmern auslösen.

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Im Vorstand des Gasekonzerns Linde tobt ein Machtkampf. In München warten viele auf ein Machtwort des langjährigen Chefs und neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reitzle. Es geht vor allem um eine Personalie.

Käme die Fusion tatsächlich zustande, würde sie womöglich auch die Führungskrise bei Linde lösen. Denn Beobachter gehen davon aus, dass Praxair-Chef Stephen Angel auf die Führungsposition bestehen würde – allein von aufgrund des Börsenwertes sähe sich der US-Konzern als größerer Partner.

Bei Linde schwelt seit Monaten ein interner Streit. Im Mittelpunkt stehen Vorstandschef Wolfgang Büchele und sein Finanzvorstand Georg Denoke. Letzterem werfen einige Mitarbeiter Illoyalität vor. Mit seinem Abgang in den kommenden Monaten werde daher gerechnet.

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