Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

10:51 Uhr

Live-Blog zum Nachlesen

Thyssen-Krupp-Chef im Kreuzfeuer

VonSebastian Ertinger

Fünf Milliarden Verlust und wenige Lichtblicke im fortgeführten Geschäft. Die Präsentation der Geschäftszahlen war für Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger kein Spaziergang. Lesen Sie seine Äußerungen und die Fragerunde nach.

Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger stellt in Essen die Bilanz des Hauses vor. Reuters

Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger stellt in Essen die Bilanz des Hauses vor.

Essen+++10.46+++

Die Pressekonferenz endet und damit auch unser Live-Blog. Besten Dank für Ihr Interesse.

+++ 10.44+++
Pressereisen müssten offen und transparent gestaltet werden. Hier hole sich das Unternehmen Ratschläge ein. Auch für Reisen der Mitarbeiter werde sich man neue Regeln auferlegen.

Dividende fällt aus: Thyssen-Krupp verbrennt fünf Milliarden Euro

Dividende fällt aus

Thyssen-Krupp verbrennt fünf Milliarden Euro

Nun entlässt der Konzern die halbe Vorstandsetage - und schüttet keine Dividende aus.

+++ 10.42+++
Kerkhoff: "Wir haben mehr als fünf Bieter für die Werke in Amerika." Sowohl für die einzelnen Bereiche als auch für das gesamte Paket gebe es Interessenten. Die Bieter mit den schwächsten Angeboten seien bereits aussortiert worden.

+++10.37+++
Auch das Thema Personalkosten sei Teil der Überlegungen. Aber Hiesinger betont, dass bei Einsparungen in anderen Felder hier Kürzungen geringer ausfallen könnten.

+++10.35+++
Kerkhoff sieht den Bedarf, der Kapitalfluss zu stärken. Eine Kapitalerhöhung schließt er aber explizit aus.

Die Schattenseiten von Thyssen-Krupp

Umgang mit Geschäftspartnern

Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

Umgang mit Geschäftspartnern (2)

Thyssen-Krupp muss sich wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen, allerdings wird auch weiter über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Thyssen-Krupp war Teil eines Karrtells, zu dem auch die österreichische Voestalpine und das Bahntechnikunternehmen Vossloh gehörten. Die Firmen sollen von 2001 bis 2008 und teilweise bis 2011 Preise – unter anderem zum Schaden der Bahn – abgesprochen haben.

Umgang mit Gewerkschaftern

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Gewerkschafter zu kostspieligen Reisen in der ersten Klasse eingeladen. Mehrfach flogen Vertreter des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat nach Asien und Amerika, aber auch zu exotischen Zielen. Die Reisen hatten zum Teil touristischen Charakter

Querelen im Vorstand

ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen ließ im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen im Zusammenhang mit Luxusreisen Anfang Dezember 2012 sein Amt ruhen. Er wolle durch den Schritt „angesichts der derzeitigen öffentlichen Berichterstattung Schaden vom Unternehmen fernhalten“. Claassen war wegen luxuriöser Reisen in die USA unter Druck geraten, die er von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich veranlasst schienen.

Wenige Tage später griff Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durch und setzte nicht nur Claassen vor die Tür. Auch zwei weitere Vorstände mussten gehen – insgesamt die Hälfte der Mitglieder des Top-Führungsgremiums.

Korruptionsvorwürfe

Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue. Im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Kasachstan soll es Schmiergeldzahlungen an eine Briefkasten-Firma im US-Bundesstaat Georgia gegeben haben. Die Ermittlungen gingen auf interne Ermittlungen von Thyssen-Krupp zurück.

Das Werk in Brasilien (1)

Als Thyssen-Krupp 2005 seine Pläne für die Expansion auf den Stahlmarkt in Südamerika und den USA präsentierte, klang alles sehr einfach. Mit günstig in Brasilien produziertem Qualitätsstahl wollte der Ruhrkonzern den US-Hüttenbetreibern Marktanteile abjagen. Dass deutsche und asiatische Autokonzerne zeitgleich im Süden der USA Produktionsstätten errichteten, machte die Strategie plausibel.

Problematisch war allerdings die Umsetzung. Die Stahlhütte vor den Toren der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kostete nicht 1,3 Milliarden Euro, wie zunächst angekündigt. Die Investitionen summierten sich letztendlich auf mehr als fünf Milliarden Euro. Das Werk wurde weitaus teurer. Wegen Fehlplanungen muss die Kokerei umfangreich nachgebessert werden, auch bei anderen Teilen des Hüttenwerks gibt es Probleme.

Das Werk in Brasilien (2)

Im Werk der lokalen Thyssen-Krupp-Tochter CSA wurde mehrfach Graphitstaub in die Luft gewirbelt. Der sogenannte „Silberregen“ setzte sich in etwa zwei Kilometern Entfernung vom Stahlwerk im Nachbarort Santa Cruz auf Straßen und Häusern ab. Die Anwohner klagten über Atembeschwerden und Hautausschläge. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2010 hat Thyssen-Krupp-CSA wegen der Pannen mehrfach Strafen zahlen müssen: umgerechnet 700.000 Euro beim ersten, 1,1 Millionen Euro beim zweiten Mal und zuletzt vier Millionen Euro.

Das Werk in den USA

Auch beim Bau eines Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickelte sich auch diese Projekt zu einem Milliardengrab. Gemeinsam belasten die beiden Hütten die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

+++10.34+++
Hiesinger betont, dass es keine Pläne gebe, das europäische Stahlgeschäft abzustoßen.

+++10.29+++
Vorstand Kerkhoff kann betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Die Pläne für Kürzungen seien noch nicht so weit vorangetrieben, dass sich Details nennen ließen.

+++10.21+++
Aufsichtsratschef Cromme hat mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Hiesinger verteidigt diesen Schritt. "Herr Cromme will mit seinen Gutachten nicht die Schelte der Medien abwehren. Er macht seine Arbeit als Aufsichtsrat. Außerdem haben wir viele ausländische Investoren, die dies verlangen." Es seien aber keine neunen Erkenntisse zu erwarten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×