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07.04.2017

17:29 Uhr

LNG in Russland

Der Boom beim Flüssig-Erdgas ergreift die Tundra

Russland entdeckt den boomenden Markt für Flüssig-Erdgas für sich: Im hohem Norden entsteht eine gigantische Fabrik, Tanker bahnen sich den Weg durchs Eis. Vom flexibleren Markt könnten auch deutsche Kunden profitieren.

Der Gastanker gilt als das derzeit größte eisbrechende Schiff der Welt. Künftig soll eine Flotte von 15 solchen Tankern Flüssig-Erdgas (LNG) nach Asien und Europa transportieren. dpa

„Christophe de Margerie“ im Hafen von Sabetta

Der Gastanker gilt als das derzeit größte eisbrechende Schiff der Welt. Künftig soll eine Flotte von 15 solchen Tankern Flüssig-Erdgas (LNG) nach Asien und Europa transportieren.

SabettaFrühling bedeutet auf der russischen Jamal-Halbinsel am Polarmeer, dass die Tage länger werden, auch wenn Eis und Schnee noch lange nicht schmelzen. Unter der verschneiten Tundra, etwa 2500 Kilometer nordöstlich von Moskau, liegt ein Großteil von Russlands Erdgasreserven. Oben auf dem Permafrostboden am neuen Hafen Sabetta baut der Konzern Novatek die größte Anlage zur Erdgas-Verflüssigung des Landes. Russland hat als weltweit größter Gasexporteur bislang auf Pipelines gesetzt. Nun soll Jamal LNG den Rückstand beim Boom-Geschäft mit flüssigem Erdgas aufholen.

Novatek-Vorstand Leonid Michelson will die Produktion noch dieses Jahr aufnehmen. Auch sein Partner Patrick Puoyanné, Chef des französischen Energiekonzerns Total, sagte bei einem Ortstermin in Sabetta: „Wir sind kurz davor, die erste Produktionsstraße in Betrieb zu nehmen.“ Weitere Partner bei der gigantischen Investition von 27 Milliarden US-Dollar (25,3 Milliarden Euro) sind aus China der Staatskonzern CNPC und der Investitionsfonds Silk Road.

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Der Wintershall-Chef fordert im Interview eine schrittweise Rücknahme der Sanktionen, für die er eine nüchterne Bilanz zieht. Er ist stolz auf die Partnerschaft mit Gazprom und sieht keine Alternative zu russischem Gas.

Gefeiert wurde ein Teilschritt: Erstmals hat sich testweise ein Gastanker den Weg durch das Eis nach Sabetta gebahnt. Knapp 300 Meter lang ist der blaue Koloss namens „Christophe de Margerie“, das derzeit größte eisbrechende Schiff der Welt. Eine Ladung von 172.600 Kubikmetern Flüssigerdgas kann nach Novatek-Angaben ein Land wie Schweden über vier Wochen versorgen.

Wenn die Fabrik ihre volle Kapazität von 16,5 Millionen Tonnen im Jahr erreicht, sollen 15 Riesentanker Gas nach Europa oder Asien liefern. Im kurzen arktischen Sommer, wenn das Eis an Russlands Nordküste schmilzt, können sie die Nordostpassage nach Asien nehmen.

Gas-Pipelines im Überblick

Nord Stream

Im Herbst 2012 wurde der zweite Strang der Ostsee-Pipeline Nord Stream in Betrieb genommen. Sie kann 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland direkt nach Lubmin bei Greifswald transportieren. Damit können rechnerisch 26 Millionen Haushalte versorgt werden. Die Pipeline ist 1224 Kilometer lang.

Nord Stream 2

Die Erweiterung von Nord Stream ist bereits in Planung. Nord Stream 2 soll eine Art Zwillingspipeline werden: weitgehend parallel zur ersten Trasse und mit ähnlicher Kapazität. Die Bauarbeiten sollen 2018 starten, das erste Gas Ende 2019 fließen.

Turkish Stream

Die Pipeline soll vom russischen Küstenort Anapa durch das Schwarze Meer über die Türkei bis an die griechische Grenze führen. Durch zwei Stränge könnten in einigen Jahren jährlich bis zu 31,5 Milliarden Kubikmeter fließen. Das Vorhaben des Staatskonzerns Gazprom gilt als Nachfolger des Pipeline-Projekts South Stream.

South Stream

Die Leitung mit einer Gesamtlänge von 2380 Kilometern sollte die russische Stadt Anapa am Schwarzen Meer mit dem italienischen Tarvisio verbinden. Sie hätte es ermöglicht, russisches Gas am Krisenland Ukraine vorbei nach Europa zu transportieren. Nach russischen Plänen hätten von 2019 an bis zu 38 Millionen Haushalte versorgt werden können. Ende 2014 stellte Russland das Projekt ein. Der Kreml begründete das Aus mit der „Blockadehaltung“ der EU.

Nabucco

Das von der EU befeuerte Projekt sollte die Abhängigkeit Europas von russischem Erdgas verringern. Die Pipeline sollte Gas vom Kaspischen Meer über Bulgarien und Wien nach Europa liefern. Allerdings entschied sich die wegen ihrer Öl- und Gasvorräte vom Westen stark umworbene Republik Aserbaidschan 2013 dafür, ihr Gas über eine andere Pipeline gen Westen zu schicken – damit galt dieses Projekt als gescheitert. (Quelle: dpa)

China und die energiehungrigen Tigerstaaten in Südostasien sind die größten Abnehmer für flüssiges Erdgas. Der Markt ist flexibler als beim Pipelinegas, das über gebaute Röhren gasförmig transportiert werden muss. Ab 2000 Kilometer Transportweg rechnet sich der komplizierte Prozess, das Erdgas erst zu kühlen und zu verflüssigen, auf Tanker zu laden und es am Zielort wieder in Gas zu verwandeln.

2016 wurde ein Zehntel des weltweiten Gasmarktes als LNG gehandelt, wie der Branchenorganisation International Gas Union errechnet hat. LNG steht für Liquified Natural Gas, also flüssiges Erdgas. Davon lieferte Russland nur magere 4,2 Prozent. Das Scheichtum Katar am Persischen Golf (29,9 Prozent), Australien (17,2 Prozent), Malaysia, Nigeria, Indonesien und Algerien haben größere Marktanteile.

Kommentare (2)

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Baron v. Fink

07.04.2017, 17:51 Uhr

Ha Ha Ha was schreibe ich die ganze Zeit. LNG und die Schiffe um das Zeug nach Asien zu bringen. Reich werden mit den Finken, Handelsbaltt-Kommentare vom Finken, dem Prophet wenn es um ihr Geld geht.

Baron v. Fink

07.04.2017, 18:15 Uhr

Natürlich bringen unsere Eisbrecher schon lange LNG in die Welt. All unsere Schiffe sind als Eisbrecher zertifiziert. Dynagas wrd in NY gehandelt und zahlt 10% Dividende. Ha Ha Ha die Finkengas, das ist ein Spaß.

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