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05.05.2014

16:02 Uhr

Logistik-Sparte vor Verkauf

Siemens-Aufseher beraten Umbau

Es geht zur Sache bei Siemens: An diesem Dienstag berät der Aufsichtsrat über den Umbau des Elektrokonzerns. Der schon länger geplante Verkauf des Logistik-Geschäfts soll derweil vor dem Abschluss stehen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Siemens kurz vor dem Verkauf seiner Sparte für Logistik- und Flughafen-Lösungen steht. dpa

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Siemens kurz vor dem Verkauf seiner Sparte für Logistik- und Flughafen-Lösungen steht.

MünchenWohin geht die Reise bei Siemens? An diesem Dienstag kommen die Aufsichtsräte des Elektrokonzerns zusammen, um über den seit Monaten erwarteten Konzernumbau zu beraten. Noch am gleichen Abend könnte also bekannt werden, mit welcher Struktur das Unternehmen mit seinen weltweit über 360 000 Beschäftigten in die Zukunft geht, bevor Konzernchef Joe Kaeser die Pläne dann an diesem Mittwoch erläutert.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg steht der Elektrokonzern derweil laut Branchenkreisen unmittelbar vor dem Verkauf seiner Sparte für Logistik- und Flughafen-Lösungen. Das Geschäftsfeld, das unter anderem Briefsortieranlagen und Gepäckbänder herstellt, solle an eine Gruppe um den US-Investor Wilbur Ross gehen, berichtete Bloomberg am Montag unter Berufung auf Insider. Ein Konzernsprecher wollte die Meldung nicht kommentieren.

Allerdings hatte Siemens schon Ende 2012 erklärt, einen Käufer für das Geschäft zu suchen. Laut Bloomberg wollen die Münchner nach dem Verkauf einen Minderheitsanteil an der Sparte behalten, um Arbeitsplätze am Standort Konstanz zu erhalten. Zuletzt setzte das Geschäftsfeld mit und 3500 Mitarbeitern rund 900 Millionen Euro um - soll bei der Rendite aber dem Konzernschnitt hinterhergelaufen sein. Der Deal könnte noch diese Woche über die Bühne gehen.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Siemens-Aufseher am Dienstag den Kauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts von Europas größtem Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce absegnen dürften. Beide Unternehmen hatten bereits entsprechende Gespräche bestätigt. Im Fokus der Entscheidungen steht aber vermutlich die Auflösung Sektoren-Struktur bei Siemens, über die bereits seit Wochen spekuliert wird. Bisher sind die Geschäfte des Dax-Konzerns in den vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte gebündelt. Auch die Zahl der bisher 16 Siemens-Divisionen soll schrumpfen, heißt es.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Im Fokus des Interesses steht aktuell allerdings der Übernahmepoker um den französischen Alstom-Konzern gegen den Siemens-Rivalen General Electric (GE). Siemens hatte am vergangenen Dienstag ein eigenes Angebot für Alstom angekündigt unter der Bedingung, dass die Franzosen dem deutschen Unternehmen vier Wochen lang Einblick in die Bücher gewähren und Managementinterviews ermöglichen. Tags darauf hatte der Alstom-Verwaltungsrat den Aktionären allerdings eine bindende Offerte von GE empfohlen. Der US-Mischkonzern will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Zu einem aktuellen Stand des Tauziehens war am Montag bei Siemens nichts zu erfahren.

Angesichts der Vielzahl von Themen dürften die Siemens-Quartalszahlen, die Kaeser ebenfalls am Mittwoch vorlegt, eher in den Hintergrund geraten. Experten erwarten dabei Fortschritte im Vergleich zum Vorjahr. Unter dem Strich rechnen von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten mit 1,16 Milliarden Euro Überschuss - das wäre immerhin ein Plus von 16 Prozent. Beim operativen Gewinn, den Siemens als Sektorenergebnis ausweist, rechnet Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel sogar mit einem Plus von rund einem Drittel auf 1,86 Milliarden Euro.

Ein Grund: Vor einem Jahr hatten hohe Kosten für verspätete Zuglieferungen etwa an die Deutsche Bahn und für Probleme beim Anschluss von Windparks auf hoher See den Gewinn um rund 245 Millionen Euro gedrückt. Solche Sonderkosten will Kaeser nicht wieder verbuchen müssen. Der Umsatz dürfte nach Marktschätzungen mit 18,16 Milliarden Euro hauchdünn über dem Vorjahreswert liegen.

Von

dpa

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