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22.08.2013

16:24 Uhr

Medienbericht

Retten Soros, Paulson und Co. Thyssen-Krupp?

Heinrich Hiesinger fischt nach großen Finanzinvestoren. Der Chef des angeschlagenen Stahlkonzerns Thyssen-Krupp lockt angeblich Größen wie George Soros, John Paulson oder David Einhorn für die geplante Kapitalerhöhung.

Milliardär George Soros interessiert sich einem Medienbericht zufolge für Thyssen-Krupp. Reuters

Milliardär George Soros interessiert sich einem Medienbericht zufolge für Thyssen-Krupp.

DüsseldorfDer angeschlagene Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp hat sich für die geplante Kapitalerhöhung offenbar die Unterstützung von Hedgefonds gesichert. Finanzinvestoren aus New York und London hätten sich dazu bereit erklärt, bei der Kapitalaufstockung mitzumachen, berichtet das „Manager Magazin“ in seiner neuesten Ausgabe. Unter den potenziellen Geldgebern fänden sich bekannte Namen: zum Beispiel die Fondslegende George Soros, der Subprime-Guru John Paulson und David Einhorn mit seinem Investmentvehikel Greenlight.

Um die ärgsten Finanznöte des Konzerns zu lindern, werde eine Kapitalerhöhung im Volumen von 800 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro diskutiert, berichtet das Magazin. Verschärfe sich die Lage, etwa durch weitere hohe Abschreibungen auf das marode, zum Verkauf stehende Stahlgeschäft in Übersee, könnten Aktien im Wert von mehreren Milliarden Euro ausgegeben werden.

Ein Thyssen-Krupp-Sprecher wollte sich nicht äußern und verwies auf frühere Äußerungen des Vorstands. Hiesinger hatte am 13. August bei der Vorlage des Quartalsberichts gesagt: „Mit Sicherheit ist eine Kapitalerhöhung eine Option, die wir uns vorbehalten.“

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Thyssen-Krupp droht per Ende September wegen hoher Schulden eine Aufkündigung von Kreditlinien durch Banken. Dies geht aus dem Zwischenbericht des Essener Mischkonzerns hervor. Thyssen-Krupp hatte danach zuletzt einen Anstieg des Verhältnisses der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 185,7 Prozent verzeichnet. Ist dies Ende September immer noch der Fall, droht eine Aufkündigung milliardenschwerer Kreditlinien.

Gerüchte um eine unmittelbar bevorstehende Kapitalerhöhung bei Thyssen-Krupp machen seit Monaten die Runde - der Konzern hat den Kapitalmarkt aber noch immer nicht angezapft. Lange war mit einem solchen Schritt erst nach einem Verkauf der defizitären Stahlwerke des Konzerns in Übersee gerechnet worden.

Kommentare (4)

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AndreasSchulz

22.08.2013, 16:51 Uhr

sind die angelsächsischen Hedge Fonds, die an einer Kapitalerhöhung mutmasslich teilnehmen wollen, evtl. short ThyssenKrupp?
Was könnte das Motiv der angelsächsischen Hedge Fonds darüber hinaus sein, teilzunehmen? Sitz im Aufsichtsrat, evtl. zusätzlich ThyssenKrupp-Kredite erwerben?

Sorosjun

22.08.2013, 17:21 Uhr

Short ThyssenKrupp? Die Strategie mal bitte erläutern?
Kapitalerhöhung drückt Kurs. OS einlösen, dann mit billigen Aktien einsteigen und mittelfristig auf steigenden Kurs setzen?

scheinERFOLG

22.08.2013, 19:17 Uhr

wenn ein einzelner finanzinvestor groß einsteigen soll,heist das,der laden ist sturmreif.

ebenso kann jeder aktionär davon ausgehen,daß der laden zerschlagen werden muß ,um mittelfristig die großinvestoren zufrieden zu stellen,die wollen ja nicht helfen sondern verdienen und dies in einem absehbaren zeitfenster

ja,ja der senile herr beitz und sein genial positionierter unternehmerischer nachlaß

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