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06.11.2013

11:44 Uhr

Medienbericht

Solarworld übernimmt offenbar Bosch-Werk

Erst vor wenigen Monaten konnte eine Insolvenz abgewendet werden, jetzt ist das angeschlagene Solarunternehmen Solarworld schon wieder auf Einkaufstour. Firmenchef Asbeck will das Thüringer Solarwerk von Bosch kaufen.

Solarworld-Chef Frank Asbeck übernimmt Teile der Überreste von Boschs Solarsparte. Reuters

Solarworld-Chef Frank Asbeck übernimmt Teile der Überreste von Boschs Solarsparte.

FrankfurtSolarworld steht inmitten der eigenen Sanierung vor der Übernahme des Thüringer Solarwerks von Bosch. Die Gespräche seien fast abgeschlossen, das Geschäft könnte noch in dieser Woche bekanntgegeben werden, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Es gehe um das Werk in Arnstadt mit 1800 Mitarbeitern, in das Bosch in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro investiert hat. Nun soll der neue Eigentümer sogar noch eine Art Mitgift von Bosch bekommen, wie einer der Insider sagte. Solarworld wollte sich dazu nicht äußern. Bosch erklärte, der Konzern sei unverändert in Gesprächen mit potenziellen Investoren aus der Branche wie auch anderen Bereichen. Zu Details werde sich Bosch nicht äußern.

Solarworld-Chef Frank Asbeck hatte bereits im Frühjahr Interesse an dem Werk angemeldet. "Wir finden es schade, wenn mit deutschen Fördergeldern entwickelte Technologie von hier verschwinden würde", hatte er erklärt. Es müsse verhindert werden, dass die Patente nach China gehen. Allerdings hatte er von vornherein klar gemacht, dass Solarworld dafür kein Geld zahlen wolle.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3000 Mitarbeitern im Frühjahr auf die Verkaufsliste gesetzt. Allein in Arnstadt produzieren 1800 Mitarbeiter Solarzellen und -module. Das Werk gehörte zu Ersol, die 2008 von Bosch übernommen worden war. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert. Doch der Preisverfall sorgte dafür, dass Bosch 2,4 Milliarden Euro in der Solartechnik verbrannte. Zu der Sparte gehört auch die hoch defizitäre Tochter Aleo Solar mit ihrem Werk im brandenburgischen Prenzlau. Auch Aleo sucht seit Monaten einen Käufer und führt Gespräche mit diversen Investoren.

Solarworld, einst das Aushängeschild der Branche, steckt tief in der Krise. Nach einem im August von den Aktionären abgesegneten Sanierungskonzept bleiben diesen nur fünf Prozent an Solarworld. Die Gläubiger tauschen einen Teil der Schulden in Aktien, was die Verbindlichkeiten von über 900 Millionen Euro auf unter 500 Millionen drückt. Rund 60 Millionen Euro Zinsen im Jahr hätten Solarworld überfordert.

Anfechtungsklagen könnten die Sache allerdings verzögern. Asbeck kalkuliert damit, dass die Transaktion erst Anfang 2014 über die Bühne geht. Er setzt auf eine Ertragswende Ende des kommenden Jahres.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.11.2013, 12:25 Uhr

Solarworld saugt sich mit dem Gift anderer voll, das macht nur Sinn, wenn es auf diese Dosis auch nicht mehr ankäme oder wenn es ein Gegengift wäre.
Ich vermute, hier wird ein todkranker Gaul gedopt um endgültig tot geritten zu werden oder um sich nochmal aufzuhübschen für unbedarfte Käufer.
Vielleicht sogar ein neues Geschäftsfeld ganzer Branchen. Man lege als multinationale Konzerne alle verlustbringenden Geschäftsfelder zusammen und überträgt sie auf eine sowieso dem Tode geweihte Firma und man spart gigantische eigene Abwicklungskosten.

HofmannM

06.11.2013, 12:53 Uhr

Und die Insolvenzverschleppung geht eine Stufe Höher weiter bei Solarworld!
Schulden (Solarworld) kauft Schulden (Bosch-Werke) auf um damit noch mehr Schulden zu haben. Einfach nur noch krank so eine offene Betrugsmasche der in der Erneuerbaren Energiebranch an der Tagesordnung ist. Schulden und Verlust ist KEIN Gewinn und Innovativ nachhaltig!

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