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31.07.2015

16:09 Uhr

Mehr Offshore-Strom

Tennet baut Netze aus

Die Geschwindigkeit der Energiewende steht und fällt mit dem Ausbau der Windkraft – an Land und auf See. Der Übertragungsnetz-Betreiber Tennet, der Anlagen in der Nordsee anschließt, gibt weiter Gas.

Von den 900 Millionen Euro, die Tennet in Deutschland investiert hat, floss der größte Teil in den Ausbau des Offshore-Netzes in der deutschen Nordsee. dpa

Offshore-Windenergiepark

Von den 900 Millionen Euro, die Tennet in Deutschland investiert hat, floss der größte Teil in den Ausbau des Offshore-Netzes in der deutschen Nordsee.

Arnheim/BayreuthDer rasante Anstieg erneuerbarer Energien treibt den deutsch-niederländischen Stromnetz-Betreiber Tennet zum weiteren Ausbau seiner Übertragungsnetze an. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg, die von der Bundesregierung gesteckten Ziele für die Offshore-Windenergie frühzeitig zu erfüllen, teilte Tennet am Freitag in einem Zwischenbericht mit.

Im ersten Halbjahr 2015 seien die Investitionen um 70 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Davon entfiel mit über 900 Millionen Euro der Löwenanteil auf Deutschland. Von dieser Summe floss der größte Teil in den Ausbau des Offshore-Netzes in der deutschen Nordsee.

Dort wurden den Angaben zufolge vier Netzanschlüsse mit einer Gesamtkapazität von über 2900 Megawatt in Betrieb genommen. Damit lag die gesamte installierte Kapazität für die Anbindung von Offshore-Windenergie Ende Juni bei 3500 Megawatt. Wird die im Juli fertiggestellte fünfte Anbindung hinzugerechnet, summiert sich die Kapazität auf 4300 Megawatt.

Zukünftige Investitionen in das Stromnetz seien eine wesentliche Voraussetzung, um die Energiewende in Deutschland zu ermöglichen, hieß es weiter. Im Hinblick auf das Gleichstrom-Projekt Suedlink, über das Windstrom nach Süddeutschland transportiert werden soll, wolle Tennet mit allen Betroffenen vor dem Hintergrund der politischen Ziele Lösungen erarbeiten.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Anfang Juli hatte sich die Regierungskoalition auf ein Energie- und Klimapaket verständigt, das unter anderem beim Ausbau der Nord-Süd-Stromautobahnen eine stärkere Nutzung bestehender Trassen und das Verlegen von teuren Erdkabel vorsieht. Gegen die Verlegung von neuen Stromtrassen gibt es massiven Widerstand in der Bevölkerung, vor allem in Bayern. Die Netzbetreiber fürchten durch mehr Erdkabel erhebliche Verzögerungen und Milliarden-Mehrkosten.

Nach Angaben des europäischen Windenergie-Verbandes Ewea ist Deutschland im ersten Halbjahr 2015 zum ersten Mal als wichtigster Wachstumsmarkt für Meeres-Windenergie innerhalb der EU an Großbritannien vorbeigezogen. In der ersten Jahreshälfte seien Offshore-Turbinen mit einer Kapazität von rund 1700 Megawatt angeschlossen worden. Diese Erzeugungsmenge ist nicht vergleichbar mit der Kapazität für die Anbindung der Anlagen durch Tennet.

Bei der bisher installierten Kapazität erreicht Deutschland mit aktuell gut 2700 Megawatt indes noch nicht Großbritanniens Gesamtleistung von 4000 Megawatt. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese (Kluft) in der nahen Zukunft geschlossen wird“, erklärte ein Ewea-Sprecher.

Von

dpa

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