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17.11.2014

14:58 Uhr

Milliarden-Fusion mit Baker Hughes

Halliburton formt neuen Ölgiganten

Und sie tun es doch: Halliburton und Baker Hughes schließen sich zusammen. Die Fusion der US-Öldienstleister ist 35 Milliarden Dollar schwer. Der niedrige Ölpreis setzt die Firmen unter Druck.

Anlage von Halliburton im US-Bundesstaat Louisiana: Die Nummer zwei und drei der Öldienstleister schließen sich zusammen. AFP

Anlage von Halliburton im US-Bundesstaat Louisiana: Die Nummer zwei und drei der Öldienstleister schließen sich zusammen.

HoustonRiesenübernahme in der US-Ölindustrie: Halliburton will in einem knapp 35 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro) schweren Deal den kleineren Rivalen Baker Hughes schlucken. Am Montag gaben die Öl-Servicefirmen eine entsprechende Einigung bekannt.

Halliburton bietet 78,62 Dollar je Baker-Aktie. Spitzenmanager beider Firmen sprachen von einer „erheblichen Prämie“ für die Aktionäre. Im vorbörslichen New Yorker Handel stiegen die Papiere von Baker Hughes um mehr als 15 Prozent.

Die Einigung war eine zähe Angelegenheit, bei der zuletzt sogar richtig die Fetzen geflogen waren. Wochenlang hatten die Geschäftsführer verhandelt, noch am Samstag drohte die Lage zu eskalieren. Baker-Chef Martin Craighead griff sein Halliburton-Pendant Dave Lesar scharf an und bezeichnete dessen Vorgehen als „vollkommen unangemessen“. Nachdem die erste Kaufofferte abgelehnt worden war, hatte Halliburton mit einer feindlichen Übernahme gedroht und das gesamte Baker-Management austauschen wollen.

Auch wenn diese Vorgeschichte daran zweifeln lässt, ob der Deal unter guten Vorzeichen steht, gaben sich die Top-Entscheider am Ende zufrieden und professionell. „Gemeinsam mit den Leuten von Baker Hughes werden wir ein Team aufstellen (...), dass die Fusion so nahtlos, effizient und produktiv wie möglich macht“, sagte Lesar. „Durch den Zusammenschluss (...) werden wir eine neue Welt der Möglichkeiten schaffen, um mit neuen Technologien für unsere Kunden voranzukommen“, ließ Craighead verlauten.

Durch die Hochzeit der Nummer zwei und drei unter den Ölförder-Dienstleistern in den USA brächten es die Firmen zusammen auf mehr als 136 000 Angestellte und wären weltweit in über 80 Ländern vertreten. Der gemeinsame Umsatz hätte im vergangenen Jahr bei knapp 60 Milliarden Dollar gelegen. Die Fusion soll Sparpotenziale von fast zwei Milliarden Dollar pro Jahr erschließen. Der amerikanische Branchenführer Schlumberger hätte allerdings auch weiterhin deutlich die Nase vorn.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Der Zusammenschluss erfolgt vor dem Hintergrund eines massiven Ölpreisverfalls, der es der US-Energiebranche derzeit erschwert, profitabel zu produzieren. Seit Sommer hat sich Rohöl um etwa 25 Prozent verbilligt. Als Hauptursache gilt der Schieferöl-Boom in den USA. Das Fracking, bei dem tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt werden und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst wird, hat die USA auf Augenhöhe mit dem bislang weltgrößten Förderland Saudi-Arabien gebracht.

Die Saudis versuchten zuletzt, ihre Marktanteile mit Preisnachlässen für US-Kunden zu verteidigen. Dadurch könnten die Ölpreise unter die Produktionskosten der US-Förderindustrie gesenkt werden.

Das Fracking ist vergleichsweise teuer und rechnet sich bei zu niedrigen Ölpreisen für viele Firmen nicht mehr. Der Preisverfall sorgt deshalb seit einiger Zeit für Unruhe in der Branche. Zusammenschlüsse von Unternehmen führen häufig zu Kosteneinsparungen, was die Wettbewerbsfähigkeit verbessern kann.

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