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14.08.2013

16:45 Uhr

Milliarden-Rückstellungen

Wo die Altlasten der Energieversorger schlummern

VonTobias Döring, Dana Heide

Eon und RWE kämpfen derzeit mit Gegenwart und Zukunft der Stromversorgung in Deutschland. Dabei haben sie auch mit ihrer Vergangenheit noch alle Hände voll zu tun. Nicht nur die Atomkraftwerke drücken auf die Gewinne.

Die Zeche Zollverein in Essen: Die gelben Ballons markieren ehemalige Bergbauschächte und -stollen. dpa

Die Zeche Zollverein in Essen: Die gelben Ballons markieren ehemalige Bergbauschächte und -stollen.

DüsseldorfMai 2010: Mehr als 300 Ballons steigen im Ruhrgebiet in den Himmel, bis zu 80 Meter über der Erde verweilen sie. Kilometerweit sind die Kugeln mit einem Durchmesser von 3,70 Meter zu sehen, als kleine gelbe Punkte inmitten von Wohngebieten und Wäldern, neben Industrieanlagen und Radwegen.

Jeder der Ballons symbolisierte während der Aktion „Schachtzeichen“ einen ehemaligen Bergbauschacht oder eine Zeche. Die Ballons standen aber auch für die Altlasten in der Industrieregion. Jahr für Jahr verschlingt die Sanierung von alten Schächten oder Stollen Millionensummen. Die Ewigkeitskosten gehen in die Milliarden.

Geld, das auch die Energieriesen Eon und RWE bezahlen müssen. Wenige Unternehmen verfolgt ihre Vergangenheit so sehr wie die Energieversorger. Nicht nur die Entsorgungskosten für die Atomkraftwerke drücken auf ihre Gewinne, auch den längst in Vergessenheit geratenen Bergbau müssen RWE und Eon in ihren Bilanzen berücksichtigen. Denn die beiden Konzerne haben eine Bergbauvergangenheit. Zahlreiche Unternehmen wie zum Beispiel die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, die schon im 19. Jahrhundert die Kohle aus dem Boden holte, gingen in Teilen in den Energiekonzernen auf. Eon und RWE sind als Nachfolgegesellschaften für das Erbe des Altbergbaus verantwortlich.

Die Atom- und Bergbaualtlasten waren bisher kein Problem, nun haben die Energieversorger jedoch arg mit den Veränderungen durch den Umbau der Stromerzeugung in Deutschland zu kämpfen. EnBW, RWE, Eon – alle haben sie umfangreiche Sparprogramme aufgelegt. Sie versuchen ihre Bilanzen zu sanieren, indem sie Stellen streichen und Geschäftsbereiche und Beteiligungen abstoßen.

Doch die Unternehmen rutschen trotzdem immer weiter ab, wie die jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen von Eon und RWE zeigen: Der operative Gewinn (Ebitda) sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gefallen, teilte Eon am Dienstag mit.

Bei RWE ist die Situation noch dramatischer: Zwar stieg das Betriebsergebnis leicht um neun Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch berichtete, Sondereffekte herausgerechnet sank der Gewinn unterm Strich jedoch um 38 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. „Wir befinden uns in der größten Branchenkrise aller Zeiten“, sagt RWE-Chef Peter Terium.

Kommentare (15)

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LutzStangenbohrer

14.08.2013, 17:00 Uhr

Wir können ja noch neben der EEG Umlage und der Übernahme der Atommüllentsorgung ja einen Atomsoli einführen. So 5 % Atomsoli für EON,RWE etc.

Frank3

14.08.2013, 17:03 Uhr

Darf MAL GESELLSCHAFTLICH FRAGEN , WELCHES ATOMKRAFTWERK SCHON MEHR ENERGIE ABGEGEBEN HAT ALS DIE ENERGIEMENGE FÜR HERSTELLUNG UND INSTANDHALTUNG , AM LAUFEN HALTEN , AN ENERGIE VERBRAUCHT HAT ??? RECHNEN NICHT MAL DIE ENERGIE MENGE DER ALT LAGER UND LAGERUNGSENERGIEKOSTEN MIT REIN .

UND DA IMMER NOCH GEWINNE MACHEN ????

Account gelöscht!

14.08.2013, 17:08 Uhr

Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Verbraucher werden so oder so dafür zahlen müssen. Entweder über Steuern und Gebühren oder über die Preise für Strom und Kohle. So what?

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