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22.11.2012

15:46 Uhr

Milliardengräber

Die leidvollen Übersee-Abenteuer von Thyssen-Krupp

VonSebastian Ertinger

Es sollte eine Investition in die Zukunft sein. Doch mit dem Bau von Stahlwerken in Brasilien und USA bürdete sich Thyssen-Krupp am Ende eine milliardenschwere Last auf. Hinzu kommt noch Ärger mit den lokalen Behörden.

Thyssen-Krupp will seine Stahlwerke in Brasilien und den USA losschlagen. dpa

Thyssen-Krupp will seine Stahlwerke in Brasilien und den USA losschlagen.

DüsseldorfDeutschlands größter Stahlkonzern ringt weiter mit dem Verkauf der defizitären Stahlwerke in Brasilien und den USA. Einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ zufolge hinkt der Verkauf sogar dem Zeitplan hinterher. „Die Verhandlungen werden noch Monate in Anspruch nehmen“, will das Blatt aus Aufsichtsratskreisen erfahren haben.

Ein Sprecher des Essener Unternehmens dementiert den Bericht aber: „Der Prozess verläuft planmäßig“. Informationen des Handelsblatts zufolge soll der Verkauf planmäßig Mitte nächsten Jahres abgeschlossen werden.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

Beim Bau der beiden Stahlwerke in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickeln sich die Neubauten zu Milliardengräbern. So schlidderte das ganze Unternehmen in eine schwere Krise. Die beiden Hütten belasten die Bilanz mit sieben Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger will mit dem Verkauf von Unternehmensteilen gegensteuern. So geht die Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Die EU-Kommission billigte vor wenigen Tagen die 2,7 Milliarden Euro schwere Transaktion. Damit kann Outokumpu den größten Edelstahlkonzern der Welt schmieden und Thyssen-Krupp seine Kasse aufbessern.

Beim Verkauf der Übersee-Stahlwerke hat Thyssen-Krupp jüngst die nächste Runde eingeläutet. „In der jetzt gestarteten zweiten Phase wird einer Auswahl von Interessenten die Möglichkeit gegeben, die Werke im Rahmen einer sogenannten Due Diligence zu analysieren und verbindliche Kaufangebote abzugeben“, teilte der Konzern mit.

Wer zu den Bietern zählt, wurde nicht bekannt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zählen die amerikanischen Konkurrenten US Steel und Nucor, die japanischen Stahlkocher Nippon Steel und JFE Steel sowie CSN aus Brasilien noch zu den Interessenten. Unklar sei, ob der indisch-belgische Weltmarkführer Arcelor-Mittal weiter im Rennen ist.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.11.2012, 16:26 Uhr

Dazu kann ich nur einen älteren Artikel vom HB zitieren:

Und statt die Kokerei von der eigenen Spezialfirma Uhde bauen zu lassen, entschied sich der Konzern für die billigere Citic aus China. Thyssen-Krupp sparte dadurch zwar einen zweistelligen Millionenbetrag, erhielt aber ein Wrack von den Chinesen. Umfangreich muss die Kokerei nachgebessert werden, die Produktion in Brasilien läuft auch heute noch nicht rund. Die Gesamtkosten allein für die Kokerei bezifferte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger vor Führungskräften auf 1,5 Milliarden Euro - das Sechsfache des ursprünglichen Preises.


Die eigene Firma nicht mit dem Bau zu beauftragen. Was für eine Werbung ist das denn für Thyssen-Krupp?

TOM

22.11.2012, 17:41 Uhr

Zuviel Kokain und willige Mädels haben den Chinesen den Kopf verdreht, das hat natürlich irgendwo seine Folgen - Thyssen Management hätte besser vorher eingiebige "Feldstudien" unterehmen sollen...lol...wenns nicht so traurig wäre...

holyowly

22.11.2012, 19:59 Uhr

Die Firmen brauchen doch etwas das sie abschreiben können und dafür eignen sich schief gelaufene Auslandsambitionen doch hervorragend.

Ich kann einfach nicht glauben, dass deutsche Firmen so blind und blöd sind um immer wieder den gleichen Fehler zu machen. Nee, nee - das ist Absicht!

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