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22.03.2013

11:14 Uhr

Mineralölkonzern

BP kauft für acht Milliarden Dollar eigene Anteile zurück

Der Mineralölkonzern hat erst kürzlich das russische Joint Venture TNK BP verkauft. Von dem Geld sollen zum einen Schulden getilgt werden, zum anderen will das Unternehmen eigene Anteile zurückkaufen.

Logo des Unternehmens in den USA: Die Katastrophe an der Ölbohrinsel Deepwater Horizon belastet das Ergebnis. Reuters

Logo des Unternehmens in den USA: Die Katastrophe an der Ölbohrinsel Deepwater Horizon belastet das Ergebnis.

LondonDer britische Mineralölkonzern BP will im großen Stil Unternehmensanteile zurückkaufen. BP plane ein Rückkaufprogramm für Aktien im Wert von bis zu acht Milliarden US-Dollar (6,2 Milliarden Euro), teilte das Unternehmen am Freitag mit. Damit werden die Anteilseigner wie von BP versprochen an dem Verkauf der BP-Anteile am russisch-britischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP beteiligt. Das Geschäft mit dem russischen Ölgiganten Rosneft war am Donnerstag abgeschlossen worden.

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Bei dem Geschäft flossen unter anderem rund 17 Milliarden Dollar an BP – in bar.

Durch das Rückkaufprogramm werden die Anteilseigner von BP in etwa den Betrag erhalten, den das Unternehmen in den vergangenen Jahren in TNK-BP investiert hatte, wie BP weiter mitteilte. TNK-BP, das drittgrößte Ölunternehmen in Russland, war ein Gemeinschaftsunternehmen von BP und vier russischen Milliardären. Beide Seiten lagen jedoch lange Zeit über Kreuz und entschlossen sich deshalb zum Verkauf an den russischen Staatskonzern Rosneft, der damit zum größten börsennotierten Ölproduzenten der Welt aufstieg.

Der jahrelange Krimi um den Ölriesen TNK-BP

2003

Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.

2004

Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.

2008

Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.

2010

Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

2011

BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.

Juli 2012

Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.

Oktober 2012

Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.

BP hat sich mit dem Verkauf seines Anteils neben 17 Milliarden Dollar in bar auch ein Aktienpaket von knapp 20 Prozent an Rosneft gesichert. Etwa 4,5 Milliarden Euro will BP in den Schuldenabbau des Unternehmens stecken. BP hat in den vergangenen drei Jahren Unternehmenswerte für 38 Milliarden Dollar verkauft, um den immensen Kosten zu begegnen, die die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko verursacht hatte.

Von

afp

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