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06.05.2014

03:59 Uhr

Möglicher Alstom-Deal

Frankreich fordert Nachbesserungen bei GE-Angebot

Die Regierung in Paris teilt General Electric mit, dem aktuellen Angebot für Alstom nicht zuzustimmen. Industrieminister Montebourg fordert Nachbesserungen. Knackpunkt ist die Bahnsparte.

Der Poker um Alstom geht weiter: Frankreich hat sich nun in einem Brief zum Zusammenschluss mit GE geäußert. ap

Der Poker um Alstom geht weiter: Frankreich hat sich nun in einem Brief zum Zusammenschluss mit GE geäußert.

ParisDie französische Regierung hat Nachbesserungen am Übernahmeangebot der US-Gruppe General Electric (GE) für den Industriekonzern Alstom gefordert. Die bisherige Offerte sei unzureichend, heißt es in einem Brief von Industrieminister Arnaud Montebourg an GE-Chef Jeff Immelt, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

„Nach jetzigem Stand können wir leider den Vorschlägen, die Sie gemacht haben, nicht zustimmen“, schreibt Montebourg. Er verwies darauf, dass GE nur an der Übernahme des Energiebereichs von Alstom interessiert sei, nicht aber an der gleichfalls zum Konzern gehörenden Bahnsparte.

General Electric erklärte in einer Reaktion, das Unternehmen sei bereit, „den Dialog fortzusetzen"“ Die US-Gruppe betonte in einer Stellungnahme an AFP, es sehe sein Angebot im jetzigen Zustand als „gut für Frankreich und gut für Alstom“. Der Energiebereich macht rund 70 Prozent des Alstom-Umsatzes aus. Der Rest entfällt auf die Bahnsparte, vor allem auf den Bau des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Alstom überprüft derzeit das mehr als zwölf Milliarden Euro schwere GE-Gebot für die Energie-Abteilung der französischen Industrie-Ikone, deren Zug-Sparte wegen der prestigeträchtigen TGV-Züge aber innerhalb des Landes einen größeren Stellenwert hat.

Trotz der Prüfung des GE-Angebots hat Alstom selbst aber die Tür auch für den Siemens-Konzern offengelassen – ermutigt von der französischen Regierung, die von Anfang an kritisch gegenüber GE eingestellt war, weil sie um heimische Arbeitsplätze und strategische Wirtschaftsinteressen bei einer Übernahme fürchtet. Der Alstom-Verwaltungsrat hatte sich vergangene Woche aber dennoch für das Angebot von General Electric ausgesprochen.

Die Münchner wollen die Energiesparte von Alstom übernehmen und im Gegenzug die eigene Produktion von ICE-Zügen an den TGV-Hersteller abgeben. So könnten zwei europäische Champions im Energie- und im Transportbereich entstehen und die dem französischen Staat bisher unliebsamen Avancen der Amerikaner abgewehrt werden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.05.2014, 08:10 Uhr

Alstom ist ein prosperierendes Unternehmen.
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Und Frankreich ist die Wirtschaftslokomotive der EU!
Das muss auch GE einsehen und ihr Angebot verdoppeln!
Es ist schon eine Art "Gnadenakt" dass Alstom überhaupt auf das Angebot von GE eingeht. GE will sich doch nur auf Kosten von Alstom "sanieren"!

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